DNA (5/10) — Den kulturellen Graben überwinden

Peter Bruderer
single-image

«Wir schaf­fen das», liess Ange­la Mer­kel 2015 mit­ten in der euro­päi­schen Flücht­lings­kri­se ver­lau­ten. Wie­viel Ein­wan­de­rung aus frem­den Kul­tu­ren mag ein Land ver­tra­gen? Was braucht es für ein gelin­gen­des Mit­ein­an­der von Kul­tu­ren? Und: Wel­chen Bei­trag kön­nen Chri­sten dar­in haben?

Weni­ge The­men haben das Euro­päi­sche Kern­land in den ver­gan­ge­nen Jah­ren so beschäf­tigt wie die gan­ze The­ma­tik der Migra­ti­on und kul­tu­rel­len Inte­gra­ti­on. Unse­re gut­bür­ger­li­chen euro­päi­schen Wohl­stands­ge­sell­schaf­ten stöh­nen unter der ‘Last der Inte­gra­ti­on’. Rea­le Her­aus­for­de­run­gen, wie zum Bei­spiel Aus­län­der­kri­mi­na­li­tät oder Asyl­miss­brauch, geben Nähr­bo­den für Aus­län­der­feind­lich­keit und Ras­sis­mus.

Im Gegen­satz zur span­nunsvol­len Gegen­wart zeich­net die Bibel am Ende der Zeit ein fried­li­ches und schö­nes Mit­ein­an­der aller Völ­ker:

Völ­ker wer­den in dem Licht leben, das von der Stadt aus­geht, und von über­all auf der Erde wer­den die Köni­ge kom­men und ihren Reich­tum in die Stadt brin­gen. (Offb. 21:24)

Wie kön­nen wir als Chri­sten trotz den Rea­li­tä­ten unse­rer Zeit in unse­ren Gemein­den etwas Mul­ti­kul­tu­rel­les vor­le­ben, das unse­re Gesell­schaft auf­merk­sam macht auf den­je­ni­gen, der die­ses Mit­ein­an­der der Völ­ker mög­lich macht: Jesus Chri­stus?


Bild: iStock

Fremd im eigenen Land

Wie schwie­rig das Ein­fin­den in einer frem­den Kul­tur sein kann, habe ich in mei­ner Kind­heit selbst erlebt. Auf­ge­wach­sen als weiss­häu­ti­ger Aus­län­der in einem afri­ka­ni­schen Land, erleb­te ich in mei­ner frü­hen Kind­heit kul­tur­über­grei­fen­de Freund­schaf­ten: das Spie­len mit mei­nen afri­ka­ni­schen Freun­den, das Ein­la­den in mein Haus zwecks Bau von Kar­ton­schach­tel-Bur­gen. Und dann die­ser ein­schnei­den­de Abend, wo ich beim Brot holen im Quar­tier von einer mir frem­den Ban­de ein­hei­mi­scher Jugend­li­cher ver­folgt wer­de, mit Stei­nen bewor­fen und von einem Stein an der Fer­se ver­letzt wer­de. Ich war ein ‘Weis­ser’ – das war schein­bar Grund genug sich über mich her­zu­ma­chen. Von die­sem Tag an war das nach draus­sen gehen in der Dun­kel­heit für mich mit Angst ver­bun­den.

Mei­ne Rück­kehr in die Schweiz mit 12 Jah­ren brach­te neue Her­aus­for­de­run­gen. Hier, in mei­ner ange­stamm­ten Kul­tur, war ich näm­lich der ‘Afri­ka­ner’, der­je­ni­ge, der von gewis­sen all­täg­li­chen schwei­ze­ri­schen Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten kei­ne Ahnung hat­te. Mit 16 Jah­ren, 4 Jah­re nach unse­rer Rück­kehr in die Schweiz, erblick­te ich beim Weih­nachts­es­sen mei­ner Lehr­fir­ma zum ersten Mal einen fürs Fest­essen gedeck­ten Tisch. Was ein fröh­li­cher Abend mit fei­nem Essen hät­te wer­den sol­len, wur­de zum anstren­gen­den Ver­such, mei­ne völ­li­ge Ahnungs­lo­sig­keit im Umgang mit all dem Geschirr und Besteck an mei­nem Platz zu ver­ber­gen.

Wer merkt, dass er anders ist als die Mehr­heit, der neigt dazu, sich zurück­zu­zie­hen und abzu­kap­seln. Wer sich abkap­selt ris­kiert erst recht, nie wirk­lich in einer Gesell­schaft anzu­kom­men. Dass ich letzt­lich inner­lich doch in der Schweiz ankom­men durf­te, ver­dan­ke ich auch ganz stark einer klei­nen christ­li­chen Lokal-Gemein­de und eini­gen gläu­bi­gen Fami­li­en, wel­che in den wich­ti­gen Jah­ren nach der Rück­kehr unse­rer Fami­lie in die Schweiz uns Zuwen­dung gege­ben haben.

Wenn schon ich als ‘Aus­land­schwei­zer’ mit Schwei­zer Pass mei­ne Her­aus­for­de­run­gen hat­te, mich in der Schweiz zurecht­zu­fin­den – wie­viel schwe­rer haben es da wohl Men­schen, denen unse­re Kul­tur noch viel frem­der ist? Genau da haben wir als Chri­sten eine Beru­fung in unse­rer Gesell­schaft. Denn Chri­sten waren schon immer eine kul­tur­über­grei­fen­de Fami­lie.


Bild: iStock

Eine kulturübergreifende Familie

Wenn Medi­en in unse­ren Brei­ten­gra­den über das Chri­sten­tum berich­ten, so ist der Fokus heu­te auf dem Mit­glie­der­schwund der Kir­chen in Euro­pa, den Miss­brauchs-Skan­da­len der Katho­li­schen Kir­che, den inner­kirch­li­chen Gra­ben­kämp­fen rund um aktu­el­le ethi­sche Fra­gen und natür­lich der ‘weis­sen evan­ge­li­ka­len Kir­che’ in Ame­ri­ka mit ihren poli­ti­schen Ver­flech­tun­gen.

Dabei wird die eigent­li­che gros­se Mel­dung unter­schla­gen, näm­lich was für eine glo­ba­le Bewe­gung die christ­li­che Kir­che über die ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te gewor­den ist. Die Gemein­de Jesu ist kei­nes­wegs ein­fach eine weis­se, kon­ser­va­ti­ve Inter­es­sen­grup­pe. Weit mehr Chri­sten ver­sam­meln sich heu­te in der süd­li­chen Hemi­sphä­re als in der nörd­li­chen. Im reli­gi­ons­feind­li­chen Chi­na tref­fen sich an einem Sonn­tag geschätzt mehr Chri­sten zum Got­tes­dienst als in ganz Euro­pa zusam­men­ge­zählt. In Euro­pa sind inzwi­schen vie­le der gröss­ten Kirch­ver­samm­lun­gen am Sonn­tag bei Migran­ten­kir­chen zu fin­den.

Dass die christ­li­che Kir­che heu­te eine welt­um­span­nen­de Bewe­gung ist, ist aber nichts Neu­es, denn von der ersten Stun­de an war der kul­tur­über­grei­fen­de Cha­rak­ter Teil ihrer DNA.

Bereits beim Pfingst­wun­der, dem Ent­ste­hungs­mo­ment der ersten christ­li­chen Gemein­de, waren Men­schen aus vie­len Natio­nen und Völ­kern anwe­send (Apg 2:5 – 11). Die durch Ver­fol­gung zer­streu­te Urge­mein­de brach­te das Evan­ge­li­um zu ver­schie­de­nen Völ­kern (Apg 8:4). Der erste Täuf­ling von der die Apo­stel­ge­schich­te berich­tet, ist ein Mann aus Äthio­pi­en (Apg 8:26 – 39). Der zwei­te Täuf­ling ein römi­scher Haupt­mann – aus­län­di­sches Mit­glied einer ver­hass­ten Besat­zungs­macht (Apg.10:1 – 48). In bei­den Fäl­len erfolg­te Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums und Tau­fe auf aus­drück­li­che Anwei­sung des Hei­li­gen Gei­stes.

Die von Euro­pa aus­ge­hen­de Mis­si­ons­be­we­gung der ver­gan­ge­nen Jahr­hun­der­te ist also kei­nes­wegs die erste inter­kul­tu­rel­le Mis­si­ons-Bewe­gung der Chri­sten. Im Gegen­teil — euro­päi­sche Chri­sten haben den süd­län­di­schen mehr zu ver­dan­ken, als ihnen viel­leicht bewusst sind. Tre­vor Sut­ton zeigt bei­spiels­wei­se in einem Arti­kel den Ein­fluss afri­ka­ni­scher Theo­lo­gen der ersten Jahr­hun­der­te auf die euro­päi­sche Refor­ma­ti­on:

Vor Luther in Wit­ten­berg, gab es Augu­sti­nus in Alge­ri­en. Vor Cal­vin in Genf, gab es Kyrill in Ägyp­ten. Vor Zwing­li in Zürich gab es Ter­tu­li­an in Tune­si­en. Die­se Afri­ka­ni­schen Theo­lo­gen hat­ten einen tief­grei­fen­den Ein­fluss auf die Theo­lo­gen der Refor­ma­ti­on. Tat­säch­lich, vie­le der ein­fluss­reich­sten Tex­te des 16ten Jahr­hun­derts wie das Kon­kor­dien­buch oder die Insti­tu­tio von Cal­vin sind voll von Refe­ren­zen auf die­se afri­ka­ni­schen Theo­lo­gen. (Eige­ne Über­set­zung)

Die christ­li­che Kir­che war von der ersten Stun­de an eine kul­tur­über­grei­fen­de, welt­wei­te, inter­na­tio­na­le Kir­che. Und die Art und Wei­se, wie sich die­se Kir­che in den unter­schied­li­chen Kul­tu­ren ein­fand, war so ganz anders als alles, was die dama­li­ge Welt kann­te, wo Glau­bens­aus­brei­tung prak­tisch untrenn­bar mit Erobe­rung und Unter­wer­fung ande­rer Völ­ker ver­bun­den war.


Bild: iStock

Völker vereint vor dem Kreuz

Als die ersten Chri­sten anfan­gen, die Gute Nach­richt von Jesus ins Römi­sche Reich und die damals bekann­te Welt hin­aus zu tra­gen, wird dies, wie in unse­rem ersten Arti­kel der DNA-Serie beschrie­ben, nicht wirk­lich als ‘rich­ti­ge’ Reli­gi­on wahr­ge­nom­men. Lar­ry Hurtado beschreibt in sei­nem Buch ‘The Kil­ling of the Gods’, wie stark Reli­gi­on damals an die gege­be­nen Struk­tu­ren gebun­den war.

Im alten römi­schen Reich war es üblich, dass man die Göt­ter der eige­nen eth­ni­schen Ras­se anbe­te­te. Der Glau­be wur­de also durch die eth­ni­sche Zuge­hö­rig­keit vor­ge­ge­ben und war durch Ritua­le, Kult­städ­ten und Prie­ster­ab­fol­gen in einer bestimm­ten Volks­grup­pe ver­an­kert. Neben die­sem von der Eth­nie oder Volks­zu­ge­hö­rig­keit defi­nier­ten reli­giö­sen Kern, konn­ten sich wei­te­re reli­giö­se Ele­men­te dazu­ge­sel­len.

Ein sol­ches zusätz­li­ches Ele­ment, das über die Gren­ze der ein­zel­nen eth­ni­schen Ras­sen hin­aus­ging, war die Ein­füh­rung des römi­schen Kai­ser­kul­tes. Die­ser Kult war mit einer staat­li­chen Zuge­hö­rig­keit ver­bun­den, in die­sem Fall dem Macht­be­reich des römi­schen Impe­ri­ums, wel­ches von sei­nen Unter­ta­nen auch reli­giö­se Hul­di­gung ein­for­der­te. Der Kai­ser­kult war kei­ne Ersatz­re­li­gi­on für die bereits vor­han­de­nen Kul­te. Solan­ge die Bür­ger am Kai­ser­kult teil­nah­men, durf­ten sie wei­ter­hin an ihrem Stam­mes-Glau­ben fest­hal­ten.

Ein drit­tes reli­giö­ses Ele­ment konn­ten Kul­te sein, wel­che sich vor allem in gewis­sen Gesell­schafts­schich­ten ver­brei­te­ten. Ein Bei­spiel ist hier der Mithras­kult, wel­cher nur Män­nern vor­be­hal­ten war und sich zwi­schen dem zwei­ten und vier­ten Jahr­hun­dert vor allem unter römi­schen Sol­da­ten ver­brei­te­te. Sol­che Kul­te kön­nen am ehe­sten mit Geheim­lo­gen ver­gli­chen wer­den und zeich­ne­ten sich durch ihren exklu­si­ven Cha­rak­ter aus, indem zum Bei­spiel Frau­en nicht zuge­las­sen waren, oder nur Per­so­nen von einem gewis­sen Stand.

Im Gegen­satz zu die­sem Poly­the­is­mus der dama­li­gen Welt, war der Glau­be der Juden und Chri­sten ein mono­the­isti­scher Glau­be, wel­cher an EINEN tran­szen­den­ten Schöp­fer­gott glaub­te. Die­ser Ansatz war des­halb revo­lu­tio­när, weil der tran­szen­den­te Schöp­fer­gott letz­lich nicht an eth­ni­sche, staat­li­che noch gesell­schaft­li­che Zuge­hö­rig­kei­ten gebun­den war. Weil Gott der Schöp­fer aller Men­schen war, konn­te bei den Chri­sten auch Jeder ein Teil der Glau­bens-Gemein­schaft wer­den. Dies macht Pau­lus im Brief an die Gala­ter klar:

Denn ihr seid alle durch den Glau­ben Got­tes Kin­der in Chri­stus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Chri­stus getauft seid, habt Chri­stus ange­zo­gen. Hier ist nicht Jude noch Grie­che, hier ist nicht Skla­ve noch Frei­er, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid alle­samt einer in Chri­stus Jesus. Gehört ihr aber Chri­stus an, so seid ihr ja Abra­hams Nach­kom­men und nach der Ver­hei­ßung Erben. Gal 3:26 – 9

Durch den Glau­ben an Jesus sind die eth­ni­schen (Jude oder Grie­che), sozia­len (Skla­ve oder Frei­er) und geschlecht­li­chen (Mann oder Frau) Kate­go­rien auf radi­ka­le Wei­se rela­ti­viert. Die Iden­ti­tät der Gläu­bi­gen liegt nun ‘in Chri­stus’. Durch die Zuge­hö­rig­keit zu Jesus sind die Gläu­bi­gen auch geist­li­che Nach­kom­men und Erben Abra­hams, dem Vater des Glau­bens, dem das Segens­ver­spre­chen für ALLE Völ­ker gege­ben wor­den war. (Gen 12:3)

Was wir heu­te erle­ben ist, wie Reli­gio­si­tät – auch christ­li­che — über­all da rück­läu­fig ist, wo man sie an eine eth­ni­sche oder natio­na­le Iden­ti­tät geknüpft hat: «Ich bin Ita­lie­ner, also bin ich Katho­lik», «Ich bin Zür­cher, also bin ich refor­miert», «Ich bin Nor­we­ger, also bin ich Luthe­ra­ner». Über­all, wo sich sol­che auf Ver­er­bung basie­ren­de Glau­bens­for­men ein­ge­spielt haben, erle­ben wir rück­läu­fi­ge Trends bei Mit­glie­der­zah­len von Kir­chen.

Wachs­tum hin­ge­gen erle­ben welt­weit Kir­chen evan­ge­li­ka­ler Prä­gung, wel­che auf die freie Glau­bens­ent­schei­dung und Nach­fol­ge set­zen – unab­hän­gig einer durch Eth­nie oder Natio­na­li­tät vor­ge­ge­be­nen Fröm­mig­keit. Hier ent­wickelt Christ­sein Kraft und Dyna­mik – unter Men­schen, wel­che selbst­ge­wähl­ten, nicht ererb­ten Glau­ben leben möch­ten.

Die revo­lu­tio­nä­re Kraft des Evan­ge­li­ums ist genau dies: In Chri­stus fin­den Men­schen auf dem ebe­nen Grund vor dem Kreuz Jesu zusam­men. Hier sind Men­schen aller Ras­sen und Klas­sen glei­cher­mas­sen ver­lo­ren und bedürf­tig, glei­cher­mas­sen geliebt und beschenkt. Man stel­le sich vor, was das  für die vie­len ras­sen- und klas­sen­be­ding­ten Kon­flik­te und Krie­ge unse­rer Welt bedeu­tet!


Bild: iStock

Elemente der kulturübergreifenden Verständigung

Der ebe­ne Grund vor dem Kreuz ist die Grund­la­ge, war­um Chri­sten ganz unter­schied­li­cher kul­tu­rel­ler Hin­ter­grün­de ein­an­der nahe­kom­men kön­nen. Dass Chri­stus am Kreuz die tren­nen­de Wand zwi­schen Juden und Hei­den nie­der­ge­ris­sen hat und sie ein­an­der nahe­ge­bracht hat, macht der Apo­stel Pau­lus im Ephe­ser­brief klar:

Jetzt aber, in Chri­stus Jesus, seid ihr, die ihr einst fern wart, nahe gebracht wor­den durch das Blut des Chri­stus. Eph. 2:13

In ihrem neu­en gemein­sa­men Glau­ben an Jesus Chri­stus haben die Chri­sten die Grund­la­ge für Ver­söh­nung anstel­le von Feind­schaft, Frie­den anstel­le von Streit oder Het­ze, Nähe anstel­le von Distanz (Eph. 2:13 – 17). Ja, die Chri­sten haben durch den einen gemein­sa­men Geist Zugang zum Vater (Eph. 2:18), sie sind sich nicht mehr fremd, son­dern gemein­sa­me Mit­bür­ger im Haus Got­tes (Eph. 2:19)

Der an die christ­li­che Gemein­de in der mul­ti­kul­tu­rel­len Metro­po­le Ephe­sus gerich­te­te Ephe­ser­brief, greift ganz bewusst die The­men auf, wel­che für ein gelin­gen­des Mit­ein­an­der der ver­schie­de­nen Kul­tu­ren wich­tig waren – und heu­te noch sind. Fol­gen­de, nicht abschlies­sen­de Aspek­te, kön­nen wir in die­sem Brief ent­decken.

Wir sind Beschenkte

Das Zusam­men­le­ben als Chri­sten ver­schie­de­ner Ras­se und Klas­se soll von einem Bewusst­sein geprägt sein, wie reich wir beschenkt sind. Die­ses Bewusst­sein soll nicht nur eine indi­vi­du­el­le sein, son­dern eine gemein­sa­me, sich ver­tie­fen­de Dank­bar­keit soll wach­sen, wel­che die Grä­ben und Hür­den unter­schied­li­cher Kul­tu­ren über­win­det:

Ich bit­te ihn, dass ihr zusam­men mit der gan­zen Gemein­schaft der Glau­ben­den begrei­fen lernt, wie uner­mess­lich reich euch Gott beschenkt. Eph 3:18, GN

Adel verpflichtet

Mit der neu­en Iden­ti­tät als Kin­der des Höch­sten, als gemein­sa­me Bür­ger im Haus Got­tes, kommt auch eine Beru­fung: dass wir in unse­rem Umgang mit­ein­an­der unse­rem neu­en Stand wür­dig leben:

So ermah­ne ich euch nun, ich, der Gefan­ge­ne in dem Herrn, dass ihr der Beru­fung wür­dig lebt, mit der ihr beru­fen seid, in aller Demut und Sanft­mut, in Geduld. Ertragt einer den andern in Lie­be (Eph. 4:1 – 2)

Das Zusam­men­le­ben von Men­schen aus unter­schied­li­chen eth­ni­schen Hin­ter­grün­den bedarf bei Allen der Bereit­schaft – ja der bewuss­ten Ent­schei­dung – die gött­li­chen ‘Haus­kul­tur’ zu leben. Unser Ver­hal­ten soll von dem gelenkt sein, was Gott gefällt (Eph. 5:10).

Zu die­ser Haus­kul­tur gehö­ren die für die kul­tur­über­grei­fen­de Ver­stän­di­gung so wich­ti­gen Aspek­te der Demut (dass wir uns nicht höher oder wich­ti­ger schät­zen als unser frem­des Gegen­über), der Sanft­mut (dass wir eine mil­de, auf Hei­lung und Ver­trau­ens­bil­dung aus­ge­rich­te­te Art pfle­gen, wel­che das frem­de Gegen­über ver­ste­hen will) und Geduld (die Bereit­schaft, mit unse­rem frem­den Gegen­über die Extra­mei­le zu gehen).

Zu die­ser Haus­kul­tur gehört aber auch die Umset­zung von ethi­schen Aspek­ten. So soll zum Bei­spiel der Umgang mit unse­rer Sexua­li­tät auf eine Wei­se sein, wel­che Gott ehrt (Eph. 5:21 – 33). Die Chri­sten von damals waren als beru­fe­ne ‘Kin­der des Lich­tes’ (Eph. 5:8) gewis­ser Ver­hal­tens­wei­sen nicht mehr wür­dig. So soll­te das Aus­le­ben einer für Frau­en, Skla­ven und Kin­der her­ab­wür­di­gen­den und auf Macht­ge­fäl­le aus­ge­rich­te­ten Sexua­li­tät bei den Chri­sten kei­nen Raum mehr haben, egal wel­chen kul­tu­rel­len Hin­ter­grun­des. Män­ner soll­ten ihre Sexua­li­tät auf eine Art aus­le­ben, wel­che sich Got­tes Zuwen­dung zu uns Men­schen zum Vor­bild nimmt und das sexu­el­le Gegen­über nicht als Objekt, son­dern als im Bil­de Got­tes geschaf­fen sieht:

Ihr Män­ner, liebt eure Frau­en, gleich­wie auch der Chri­stus die Gemein­de geliebt hat und sich selbst für sie hin­ge­ge­ben hat (Eph. 5:25)

Wir sehen aber auch, wie Pau­lus ganz all­täg­li­che Aspek­te des Zusam­men­le­bens anspricht. So sol­len sich Chri­sten anstel­le einer Ein­stel­lung des Schma­rot­zer­tums oder der unehr­li­chen Berei­che­rung eine gesun­de Arbeits­ethik aneig­nen, wel­che dar­auf abzielt, Soli­da­ri­tät üben zu kön­nen:

Wer gestoh­len hat, der steh­le nicht mehr, son­dern bemü­he sich viel­mehr, mit den Hän­den etwas Gutes zu erar­bei­ten, damit er dem Bedürf­ti­gen etwas zu geben habe. (Eph. 4:28)

Geleb­te Soli­da­ri­tät fin­den wir bei den christ­li­chen Gemein­den von Anfang an nicht nur inner­halb einer loka­len Situa­ti­on, son­dern in Form von geleb­ter ‘inter­na­tio­na­ler’ Soli­da­ri­tät durch Spen­den-Samm­lung (Röm. 15:25 – 28; 1. Kor. 16:1 – 4; 2. Kor. 8:1 – 5)

Ganz all­ge­mein soll der Fokus nicht auf dem Emp­fan­gen sein, son­dern auf der gegen­sei­ti­gen Unter­ord­nung (Eph. 5:21), dem Dienst anein­an­der und dem Ein­satz der eige­nen Gaben und Fähig­kei­ten für die Gemein­schaft (Eph. 4:7). Der Dienst anein­an­der ist dabei Geschlechts‑, Klas­sen- und Genera­tio­nen­über­grei­fend, wie die Anwei­sun­gen von Pau­lus an Ehe­part­ner (Eph. 5:22 – 33), Eltern und Kin­der (Eph. 6:1 – 4) sowie Skla­ven und Her­ren (Eph. 6:5 – 9) bele­gen.

Verankerung in der Wahrheit des Wortes Gottes

Dass solch tief­grei­fen­den Trans­for­ma­tio­nen im Mit­ein­an­der nicht von heu­te auf Mor­gen gesche­hen, soll­te allen klar sein. Und genau­so ist das Zusam­men­kom­men ver­schie­de­ner Kul­tu­ren auch unter Chri­sten mit man­chen Hür­den ver­bun­den.

Pau­lus betont des­halb auch den Aspekt des gemein­sa­men Wachs­tums (Eph. 4:15) und des geist­li­chen Kamp­fes für­ein­an­der (Eph. 6:18). Ganz ent­schei­dend ist, dass sich alle Chri­sten bezüg­lich der trag­fä­hi­gen gemein­sa­men Grund­la­ge einig sind, auf dem das Wachs­tum gesche­hen kann. Die Chri­sten aus den ver­schie­de­nen kul­tu­rel­len Hin­ter­grün­den sind in den Bau Got­tes ein­ge­fügt, des­sen Fun­da­ment die Apo­stel und Pro­phe­ten bil­den, aus­ge­rich­tet am Eck­stein, der Jesus Chri­stus ist. (Eph. 2:20)

Inter­es­sant ist hier die Beob­ach­tung, dass auch die Pro­phe­ten (Altes Testa­ment) und die Apo­stel (Neu­es Testa­ment) als ‘fun­da­men­tal wich­tig’ für den sta­bi­len und siche­ren Auf­bau der kul­tur­über­grei­fen­den Gemein­de Jesu bezeich­net wer­den. Die bibli­schen Schrif­ten des Alten Testa­ments waren mit den neu­en Schrif­ten der Apo­stel eine ver­bind­li­che Grund­la­ge, auf­grund derer Fra­gen gewälzt und Ant­wor­ten gesucht wur­den.

Dies war eine abso­lu­te Not­wen­dig­keit in Anbe­tracht der vie­len ver­schie­de­nen welt­an­schau­li­chen Hin­ter­grün­de, aus wel­chen sich die ersten Gemein­den bil­de­ten. Nur auf der Basis eines Ver­trau­ens in die bibli­schen Schrif­ten war ein trag­fä­hi­ges Zusam­men­wach­sen der ersten Chri­sten mög­lich. Nur auf die­ser Basis konn­te gemein­sam ent­deckt wer­den, ‘was Gott gefällt’. Die ersten Chri­sten waren wie auch die Juden, ‘Peop­le of the Book’.


Bild: unsplash

Kultureller Friede – Jesus Style

Die Art, wie Chri­sten kul­tu­rel­len Frie­den sicher­stell­ten ist so ganz anders als die Kon­zep­te, wel­che unse­re Zeit sonst noch kennt.

Die tota­li­tä­ren Ansät­ze wie wir sie heu­te zum Bei­spiel in Chi­na vor­fin­den, set­zen auf kul­tu­rel­len Frie­den durch sub­ti­len bis offe­nen Zwang. Neue Geset­ze tre­ten in Kraft, und die Regie­rung ver­sucht zum Bei­spiel durch redak­tio­nel­le Ein­grif­fe in Lite­ra­tur oder Lied­gut oder auch durch den kon­se­quen­ten Auf­bau von Über­wa­chungs­struk­tu­ren, den Frie­den – und vor allem ihre Macht — zu wah­ren. Zucker­brot und Peit­sche lau­tet die Devi­se im Umgang mit eth­ni­schen und reli­giö­sen Min­der­hei­ten. Ver­än­de­rung wird hier von den nicht geneh­men Min­der­hei­ten erwar­tet. Die­se müs­sen sich anpas­sen oder den Mund hal­ten, wenn sie kei­ne Repres­sa­li­en wol­len.

In west­li­chen Län­dern lässt sich der­weil ein umge­kehr­ter Trend fest­stel­len, näm­lich dass gesell­schaft­li­che Min­der­hei­ten sich im Rah­men von ‘Iden­ti­ty Poli­tics’ zusam­men­schlies­sen, um in einer gesell­schaft­li­chen Mehr­heits­kul­tur ihre Ansich­ten und Wer­te durch­zu­set­zen. Iden­ti­ty Poli­tics beto­nen die gesell­schaft­li­chen Unter­schie­de auf Kosten der vor­han­de­nen Gemein­sam­kei­ten und erwar­ten Ver­än­de­rung von der Mehr­heit, wel­che als unter­drückend emp­fun­den wird.

Der Islam ist neben dem Juden­tum und dem Chri­sten­tum die drit­te mono­the­isti­sche Reli­gi­on. Hier fin­det die Reli­gi­on nicht auf kul­tur­sen­si­ble Art Ein­zug in neue Set­tings, son­dern über die Domi­nanz der ara­bi­schen Kul­tur. Die­se Kul­tur ist an den mei­sten Orten, wo der Islam hin­kommt, den Men­schen fremd, die sich zum Islam bekeh­ren. So mag ich mich aus mei­ner Kind­heit in Afri­ka noch gut an die vie­len klei­nen Koran­schu­len an allen Ecken der Stadt erin­nern. Im Staub der Stras­se sit­zend lern­ten die Kin­der den Koran aus­wen­dig, in der isla­mi­schen Sakral­spra­che Ara­bisch — eine Spra­che, von dem sie kein Wort ver­stan­den. Der Islam und sein Hei­li­ges Buch suchen kei­ne kul­tu­rel­le Sen­si­bi­li­tät.

Im Gegen­satz dazu ist die Bibel mitt­ler­wei­le in tau­sen­de von Spra­chen über­setzt wor­den. Die Über­set­zungs­ar­bei­ten gehen meist mit Alpha­be­ti­sie­rungs­pro­gram­men in den jewei­li­gen Spra­chen und Dia­lek­ten ein­her und haben in den betrof­fe­nen Gebie­ten eine kul­tur­er­hal­ten­de Wir­kung. Das Über­set­zen des hei­li­gen Buches der Chri­sten in eine loka­le Spra­che ver­mit­telt die­ser Wür­de und Wert­schät­zung und bewirkt unter ande­rem auch, das loka­le Spra­chen und Dia­lek­te Fort­be­stand haben. Der christ­li­che Glau­be fin­det so in jeder Kul­tur sei­ne eige­ne ein­hei­mi­sche Prä­gung.

Natür­lich wur­den über die Jahr­hun­der­te auch Feh­ler gemacht. Ins­be­son­de­re da, wo der christ­li­che Glau­be in Ver­bin­dung mit staat­li­cher Macht in ande­ren Län­dern und Völ­kern Ein­zug fand. Doch gera­de die Anfän­ge der Ver­brei­tung des christ­li­chen Glau­bens in den ersten Jahr­hun­der­ten, zei­gen das Poten­ti­al des christ­li­chen Glau­bens, Men­schen aus ver­schie­de­nen Kul­tu­ren zusam­men­zu­brin­gen.

Chri­sten kom­men zusam­men, nicht als Geg­ner, son­dern als Freun­de, nicht als Skla­ven und Her­ren, son­dern als Brü­der und Schwe­stern, nicht in einer Erwar­tungs­hal­tung Ande­ren gegen­über, son­dern in der Bereit­schaft, zu die­nen, nicht in der Beto­nung der Dif­fe­ren­zen, son­dern im Auf­bau­en auf dem gemein­sa­men Fun­da­ment.

Der christ­li­che Ansatz ver­mei­det damit zwei wesent­li­che Fehl­an­sät­ze, wel­che wir in kul­tur­über­grei­fen­den Situa­tio­nen immer wie­der vor­fin­den:

Fehlansatz 1: «Du musst so werden wie ich bin»

Der christ­li­che Glau­be ver­mei­det eine Gleich­ma­chung von kul­tu­rel­len Iden­ti­tä­ten, son­dern sieht sie als berei­chern­de Ergän­zun­gen.

Am Anfang der Bibel wird Abra­ham das Segens­ver­spre­chen Got­tes für alle Völ­ker gege­ben (Gen. 12:3). Die­se Völ­ker fin­den wir am Schluss der Bibel wie­der, wo das Leben im ‘Neu­en Jeru­sa­lem’ beschrie­ben wird:

Und ihre Tore sol­len nie­mals geschlos­sen wer­den den gan­zen Tag; denn dort wird kei­ne Nacht sein. Und man wird die Herr­lich­keit und die Ehre der Völ­ker in sie brin­gen. (Offb. 21:25 – 26)

Gott radiert kei­ne kul­tu­rel­le Her­kunft aus. Viel­mehr möch­te er, dass die ver­schie­de­nen Kul­tu­ren in ihre gott­be­stim­me Iden­ti­tät hin­ein­fin­den, wel­che am Ende der Zeit auch die Viel­falt und Gemein­schaft im Neu­en Jeru­sa­lem berei­chern wird. Got­tes Zukunft und damit auch unse­re ist ein­deu­tig mul­ti­kul­tu­rell!

Das Fehl­kon­zept eines «Du musst so wer­den wie ich bin» ver­kennt den Wert des frem­den Gegen­übers. Es ist eine trau­ri­ge Rea­li­tät, dass auch wir als Chri­sten immer wie­der mit unse­rer eige­nen laten­ten Frem­den­feind­lich­keit zu kämp­fen haben, wel­che uns in einem bes­se­ren Licht sieht als Men­schen aus ande­ren Kul­tu­ren.

Es ist auch eine Rea­li­tät dass unse­re Vor­be­hal­te gegen­über Frem­den oft auf der Angst beru­hen, den eige­nen Wohl­stand zu ver­lie­ren. Wir sol­len, wir dür­fen Bus­se tun, da wo wir mehr von unse­rer irdi­schen Kul­tur gelei­tet unse­re Mit­men­schen aus frem­den Län­dern beur­tei­len.

Lass uns von der himm­li­schen Zukunft her den­ken, wo Men­schen aus allen Natio­nen gemein­sam vor dem Thron Got­tes anbe­ten wer­den. Lass uns den Reich­tum in den Ande­ren neu ent­decken und sie nicht ein­fach in unse­re ‘Scha­blo­nen’ pres­sen!

Fehlansatz 2: «Ich kann so bleiben wie ich bin»

Der christ­li­che Glau­be stellt sich gegen eine belie­bi­ge Beja­hung jeg­li­cher kul­tu­rel­len Eigen­hei­ten, son­dern möch­te ihre ‘Hei­li­gung’, also ihre Ent­wick­lung hin­ein in ihre wah­re, gott­be­stimm­te Iden­ti­tät.

Das war zu Zei­ten der ersten Chri­sten so, als die­se ange­hal­ten waren, destruk­ti­ve kul­tu­rel­le Gepflo­gen­hei­ten abzu­le­gen. Der Aspekt der ‘Hei­li­gung’ der Kul­tur ist wesent­lich, damit zwi­schen den Kul­tu­ren auch Ver­söh­nung, Frie­den und berei­chern­de Gemein­schaft Gestalt anneh­men kann.

Auch in der Zukunft des Neu­en Jeru­sa­lem fin­den wir das gehei­lig­te Leben als wesent­li­che Grund­la­ge für das Mit­ein­an­der der Men­schen aus ver­schie­de­nen Völ­kern (Offb. 21:27).

Ein wich­ti­ger Teil des Pro­zes­ses der Hei­li­gung war bei den ersten Chri­sten der inten­si­ve Aus­tausch und das gemein­sa­me Rin­gen in Ein­zel­fra­gen. Das Neue Testa­ment doku­men­tiert zum Bei­spiel die Span­nun­gen zwi­schen Juden­chri­sten und Hei­den­chri­sten in den ersten Jahr­zehn­ten der christ­li­chen Gemein­de. Wäh­rend bei den Juden die Gefahr bestand, auf die Sei­te des «Du musst so wer­den wie ich» zu kip­pen, stan­den die Hei­den­chri­sten in der Gefahr eines Ver­har­rens in alten destruk­ti­ven Gewohn­hei­ten, eines «Ich kann so blei­ben wie ich bin».

Die­se schwe­len­den Kon­flik­te zwi­schen Juden­chri­sten und Hei­den­chri­sten wur­den gelöst durch offe­nes Benen­nen (kei­ne Unter­drückung der Kon­flikt­punk­te), inten­si­ve Gesprä­che und Dis­kus­sio­nen unter den Gläu­bi­gen und den Apo­steln und im gemein­sa­men, geord­ne­ten Rin­gen nach guten Lösun­gen auf der Basis der Schrift.

Einen sol­chen gut doku­men­tier­ten  Fin­dungs­pro­zess fin­den wir im ersten Apo­stel­kon­zil (Apg. 15). Die­ses hat­te dann auch Vor­bild­cha­rak­ter für die diver­sen wei­te­ren Kon­zi­le (z.B. Nicäa, Cal­ce­don usw.), wo die wach­sen­den christ­li­chen Gemein­schaf­ten anste­hen­de Fra­gen for­mu­lier­ten und gemein­sa­me Über­zeu­gun­gen fan­den.

Schlussgedanken

  • Eine Kir­che, die kul­tu­rel­le Viel­falt lebt, ist ein Spie­gel der zukünf­ti­gen Kir­che im Him­mel, wes­halb wir die­se bewusst auch aktiv suchen und leben sol­len.
  • Ent­schei­dend, dass kul­tu­rel­le Viel­falt in Kir­chen posi­tiv erlebt wird, ist die kla­re gemein­sa­me Mit­te. Die kul­tur­über­brücken­de Kraft liegt in der Aus­rich­tung der Chri­sten auf ihren gemein­sa­men Erlö­ser Jesus Chri­stus, der sein Blut für alle Men­schen ver­gos­sen hat (Eph. 2:13).
  • Eben­falls ent­schei­dend ist die klä­ren­de und sta­bi­li­sie­ren­de Kraft der gemein­sa­men Schrift­ba­sis, wel­che Men­schen aller Kul­tu­ren und Län­der in Hei­li­gung und gegen­sei­ti­gem Dienst anlei­tet. Das gemein­sa­me Fun­da­ment ist auch die Grund­la­ge für eine gros­se Frei­heit in For­men, Details und auch Struk­tu­ren einer kul­tur­über­grei­fen­den christ­li­chen Gemein­schaft.
  • Christ­li­che Gemein­den und Kir­chen kön­nen durch die geleb­te Ver­söh­nung zwi­schen den Kul­tu­ren und der freu­di­gen Auf­nah­me von Fremd­län­dern als voll­wer­ti­ge Glie­der ihrer Gemein­schaf­ten Modell­cha­rak­ter haben für unse­re Gesell­schaft. Inte­gra­ti­on ist ein The­ma, womit die christ­li­chen Kir­chen sich seit 2000 Jah­ren beschäf­ti­gen und nicht erst seit der Migra­ti­ons­wel­le 2015. Das ist auch eine Beru­fung und ein Auf­trag an uns Chri­sten. Das ist die christ­lich moti­vier­te Inte­gra­ti­ons-Zuwen­dung, die ich als Kind bei mei­ner Rück­kehr in die Schweiz erlebt habe.
  • Das Mit­ein­an­der der Kul­tu­ren in der christ­li­chen Kir­che brauch­te eine gemein­sa­me Mit­te und ein Fun­da­ment an gemein­sa­men Wer­ten und Über­zeu­gun­gen. Auch wenn unse­re west­li­chen Gesell­schaf­ten meist säku­lar und ohne Glau­bens­ba­sis sind, so machen die Erkennt­nis­se aus der Kir­chen­ge­schich­te doch klar, dass die Dis­kus­sio­nen um die Wer­te­ba­sis einer Gesell­schaft (Stich­wort: ‘Leit­kul­tur’) berech­tigt sind. Eine mul­ti­kul­tu­rel­le Gesell­schaft ohne gemein­sa­men Kon­sens wird kaum gelin­gen, respek­ti­ve sie wird der inva­siv­sten Kul­tur anheim­fal­len.
  • Las­sen wir uns als Chri­sten nicht von den bei­den Fehl­kon­zep­ten («Du musst so wer­den wie ich bin» und «Ich kann so blei­ben wie ich bin») ein­neh­men. Gesetz­lich­keit erschwert das Zusam­men­fin­den aus unter­schied­li­chen kul­tu­rel­len Hin­ter­grün­den durch unnö­ti­ge Vor­schrif­ten in unwe­sent­li­chen Detail­fra­gen. Reli­giö­ser Libe­ra­lis­mus ist eben­so destruk­tiv für die mul­ti­kul­tu­rel­le christ­li­che Gemein­schaft, weil sie letzt­lich das gemein­sa­me Fun­da­ment unter­gräbt und in die Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit führt.

In zwei ergän­zen­den Arti­keln zei­gen wir, wie Men­schen die Schön­heit der mul­ti­kul­tu­rel­len Gemein­de von Jesus erle­ben und wie Gemein­de­bau in einem Mul­ti­kul­tu­rel­len Umfeld gelin­gen kann.

2 Comments
  1. Peter Bruderer
    Peter Bruderer 7 Monaten ago
    Reply

    Vie­len Dank Rahel. Das ermu­tigt mich grad sehr. Im Arti­kel muss­ten diver­se lose Gedan­ken­fä­den in mei­nem Kopf zu einem Gan­zen zusam­men­fin­den. Das hat eini­ges an Schweiss geko­stet, hab aber sel­ber viel pro­fi­tiert. Dir alles Gute und Got­tes Segen!

  2. Avatar
    Rahel Strahm 7 Monaten ago
    Reply

    Hal­lo Peter,
    vie­len Dank für dei­nen span­nend geschrie­be­nen Arti­kel. Du schreibst das, was mich zutiefst bewegt und antreibt: Got­tes Ziel ist es, dass Men­schen aus allen Kul­tu­ren ihn erken­nen und ihn anbe­ten. Jesu Gemein­de soll und muss eine kul­tu­rel­le Viel­falt spie­geln! Da gibt es so vie­le Chan­cen und Her­aus­for­de­run­gen! Ich bin mit SAM glo­bal und koor­di­nie­re die inter­kul­tu­rel­le Arbeit Pro­CON­NECT in der Schweiz. In mei­ner Hei­mat­ge­mein­de sind wir im Pro­zess eine kul­tu­rell durch­misch­te Gemein­de zu wer­den. In mei­nem Enga­ge­ment in der sozi­al­dia­ko­ni­schen Arbeit Lin­de in Zürich üben ein syri­scher Christ und ich das gemein­sa­me Lei­ten. Ich ler­ne viel und bin begei­stert, was Jesus dadurch ermög­licht. Dan­ke für den mut­ma­chen­den Arti­kel!

Schreibe einen Kommentar zu Rahel Strahm Antworten abbrechen

Your email address will not be published.

You may like

In the news