Zwei Thesen anlässlich von The Magician’s Nephew
Schon Monate vor dem Kinostart spaltet Greta Gerwigs Narnia-Verfilmung The Magician’s Nephew die Narnia-Fans. Die eine Fraktion beklagt die uns derzeit bekannten ästhetischen Entscheidungen – insbesondere die Besetzung von Meryl Streep als Synchronsprecherin für Aslan –, während andere entweder unverhohlen begeistert von der neuen Verfilmung sind.
Die Versuchung ist, dies alles nun auf unterschiedliche Geschmäcker zurückzuführen. Vielleicht aber sollten wir nicht so vorschnell sein. Denn die christliche Philosophie von C. S. Lewis selbst legt nahe, dass die Schönheit von Kunstwerken viel objektiver ist als gemeinhin gedacht.
Dieser Artikel nimmt deshalb Greta Gerwigs Film zum Anlass, um zwei Lewissche Thesen zu erörtern:
1) Die Unterscheidung zwischen zwei grundlegenden Erfahrungsweisen: looking at und looking along[1]. Diese beiden Erfahrungsweisen werden auf Greta Gerwigs Rolle als Regisseurin eines Narnia-Films angewendet. Es wird argumentiert, dass Gerwig in Bezug auf das Christentum der epistemische Zugang des looking along fehlt, weshalb sie trotz bester Absichten ohne externe Hilfe nicht in der Lage ist, einem christlichen Werk gerecht zu werden.
2) Lewis’ Theorie der Ästhetik. Lewis war ein ästhetischer Objektivist. Er vertrat die Ansicht, dass Meinungsverschiedenheiten bei ästhetischen Urteilen keine rein subjektive “Geschmacksfragen” sind, sondern durch die unterschiedliche Empfänglichkeit der Menschen für Schönheit zu erklären seien. Diese Empfänglichkeit wiederum ist laut Lewis auf geschulte Emotionen und eine Selbsthingabe an die Kunst zurückzuführen. Diese Theorie wird sowohl auf Greta Gerwig als auch auf Fans angewendet, die über die Vorzüge des Films diskutieren (basierend auf dem, was nach der Veröffentlichung des ersten Trailers bekannt ist).
„Meditation in a Toolshed“: Warum das Christentum nur von innen heraus erfasst werden kann
In seinem kurzen Essay „Meditation in a Toolshed“ (Lewis 2000b) vergleicht C. S. Lewis zwei Arten, die Realität zu erleben: looking at und looking along. Lewis fordert uns auf, uns vorzustellen, wir stünden in einem dunklen Geräteschuppen, dessen einziges Licht durch einen Spalt in der Tür fällt. Der Sonnenstrahl ist deutlich zu erkennen. Wir können ihn ansehen (looking at) und den Strahl wahrnehmen; oder wir können entlang des Strahlsblicken (looking along) und die Aussenwelt sehen. Looking at besteht für Lewis vor allem in der wissenschaftlichen Methode. Zum Beispiel messen (“betrachten”) Neurowissenschaftler Gehirnwellen, oder Anthropologen beschreiben und kategorisieren die Rituale indigener Völker. Looking along hingegen ist die „Perspektive von innen“ oder von “mittendrin”. Der junge Mann, der verliebt ist, kann uns aus eigener Erfahrung erzählen, was es bedeutet, verliebt zu sein; der tanzende Schamane wird uns versichern, dass er den Gott des Regens und der Ernte anruft.
Lewis’ Ziel ist es, die (nach wie vor weit verbreitete) Annahme zu widerlegen, dass looking at irgendwie der wahrhaftigere und „objektivere“ Zugang zur Realität sei. Es ist zum Beispiel ziemlich offensichtlich, dass der Neurowissenschaftler, der Gehirnscans betrachtet, auf diese Weise niemals herausfinden kann, was es wirklich bedeutet, verliebt zu sein; tatsächlich kann er auf diese Weise nicht einmal herausfinden, was etwas so Grundlegendes wie Schmerz ist. Das bedeutet laut Lewis jedoch nicht, dass looking at immer die minderwertigere Erkenntnisweise ist. Im Fall des Schamanen beispielsweise könnte eine sorgfältige wissenschaftliche Untersuchung, die zeigt, dass kein kausaler Zusammenhang zwischen seinem Tanz und dem Wetter besteht, mehr Wahrheit zutage fördern als seine innere Perspektive, dass er im Kontakt mit dem Regengott ist. Lewis besteht jedoch darauf, dass wir von Fall zu Fall entscheiden müssen:
One must look both along and at everything. In particular cases we shall find reason for regarding the one or the other vision as inferior. (ebd.)
Was hat das mit Gerwigs Verfilmung von The Magician’s Nephew zu tun? Lassen Sie mich zunächst ein Argument vorbringen und dann erläutern, wo „Meditation in a Toolshed“ ins Spiel kommt.
P1: Es ist für eine Person, die eine andere Weltanschauung als das Christentum vertritt, nicht möglich, ein eindeutig christliches Kunstwerk angemessen zu adaptieren, es sei denn, sie unterwirft sich der Aufsicht eines christlichen Art Directors.
P2: Greta Gerwig ist keine praktizierende Christin.
C: Daher ist sie selbst mit den besten Absichten nicht in der Lage, The Magician’s Nephew angemessen zu adaptieren.
Natürlich kommt in Prämisse 1 der Unterschied zwischen looking at und looking along ins Spiel. Jemand, dessen Weltanschauung nicht wirklich christlich ist, gleicht jemandem, der entlang eines anderen Lichtstrahls blickt. Er mag das Christentum zwar mit wissenschaftlicher Präzision und Ehrfurcht betrachten, aber er kann niemals “mit den Augen eines Christen” blicken, es sei denn, er wird selbst Christ. Denn das Christentum ist nicht bloss eine Philosophie, die man einfach annehmen kann, indem man an ihre grundlegenden Lehren glaubt (und selbst Philosophien können Perspektiven haben, die man nur “von innen” heraus erfassen kann). Das Christentum ist zwar ein Glaubenssystem, aber es ist weit mehr als das. Es beinhaltet eine persönliche Beziehung zu Gott durch Jesus Christus, so wie die Kinder in Narnia eine persönliche Beziehung zu Aslan aufbauen. Und das führt uns zurück zum vorherigen Beispiel des verliebten jungen Mannes[2].
Jemand, dessen Weltanschauung nicht wirklich christlich ist, ist wie jemand, der entlang eines anderen Lichtstrahls blickt.
In Prämisse 1 steckt noch eine zweite Behauptung, und diese ist vielleicht die umstrittenere. Sie besagt, dass jemand, der sich in einer nichtchristlichen Erkenntnishaltung befindet, ein christliches Kunstwerk nicht angemessen adaptieren kann. Reicht es denn nicht aus, dem Ausgangsmaterial gründlich treu zu bleiben? Dies scheint keinen persönlichen Glauben zu erfordern. Vielleicht nicht, aber wird das Ergebnis dasselbe sein, als hätte ein echter Christ das Kunstwerk inszeniert? Ich glaube nicht: Es wird etwas fehlen. Doch das ist nicht einmal die Situation, mit der wir im Fall von Gerwig konfrontiert sind. Zuvor habe ich die Formulierung „durch eine andere Weltanschauungslinse blicken“ verwendet. Der nichtchristliche Regisseur, der dem christlichen Ausgangsmaterial gerecht werden will, gleicht jemandem, der nicht entlang des christlichen Lichtstrahls blicken kann, der aber alles, was ihm jemand, der dazu in der Lage ist, diktiert, getreu niederschreibt oder zeichnet. Gerwig erscheint mir eher als eine Person, die behauptet, mit christlichen Augen zu sehen, ohne dies tatsächlich zu tun. Was sie uns also als christlich verkauft, ist es in Wirklichkeit nicht.
Jemand wies mich darauf hin, dass die von Disney zwischen 2005 und 2010 produzierten Narnia-Filme ein Gegenbeispiel zu Prämisse 1 seien. Aber sind sie das wirklich? Bei allen drei Filmen fungierte Douglas Gresham, Lewis’ Stiefsohn, als „christlicher Berater“. Auch wenn die anderen Mitglieder des Drehbuch- und Produktionsteams keine oder zumindest keine eindeutig praktizierenden Christen waren, führten Greshams Einfluss sowie deren offensichtliche Bereitschaft, den Filmen ihre eigenen nichtchristlichen Weltanschauungen nicht aufzuzwingen, zu Kunstwerken, die nicht nur den Büchern zumindest im Geiste (wenn auch nicht immer wörtlich) treu bleiben, sondern auch von der Fangemeinde allgemein geliebt werden. Meine Formulierung von Prämisse 1 erfasst solche Konstellationen.
Damit bleiben wir bei Prämisse 2. Ist es gerechtfertigt, Gerwig als keine echte Christin zu bezeichnen? Greta Gerwig hat wiederholt ihre Bewunderung und sogar Zuneigung für den Katholizismus zum Ausdruck gebracht (zum Beispiel hier, siehe auch ihren Film „Lady Bird“). Das „Konzept der Gnade“, so sagte sie, habe sie schon immer fasziniert. Sie bezeichnete sogar das Buch Little Women, auf dem ihr gleichnamiger Film aus dem Jahr 2019 basiert, als eine „zutiefst christliche“ Geschichte. Darüber hinaus brachte sie tiefe Ehrfurcht vor Lewis zum Ausdruck und bezeichnete ihn als „so facettenreich und so gelehrt“. In einem ganz aktuellen Interview behauptet sie sogar, „alles gelesen oder wieder gelesen zu haben, was Lewis geschrieben hat“[3]. Allerdings stellte sie auch klar, dass sie die theologischen Überzeugungen ihrer katholischen Schule nicht teile. Es gibt weitere Anzeichen dafür, dass ihre Sicht auf das Christentum selektiv ist. Sie betont die Gnade und erwähnt niemals deren Gegenstück, das Gericht. Zudem spricht sie von „Busse durch Liebe“. Dies scheint zu implizieren, dass jemand „durch Liebe zur Busse bewegt“ werden könne. Der biblische Begriff der Busse (μετάνοια) ist jedoch ganz klar Ausdruck einer aus dem Inneren kommenden Willensbewegung und erfordert ein inneres Bekenntnis der eigenen Sünde, nicht jedoch unbedingt Liebe von aussen. Es bestehen daher erhebliche Zweifel daran, dass Gerwig in der Lage ist, aus der Perspektive einer persönlichen, biblischen Beziehung zu Gott zu blicken.
Lewis’ Ästhetiktheorie und Gerwigs Film
Darüber hinaus mahnt Lewis’ eigene Ästhetiktheorie zur Vorsicht gegenüber dem bevorstehenden Film, noch bevor dieser überhaupt erschienen ist. Als Erstes ist anzumerken, dass Lewis ein ästhetischer Objektivist war. Das bedeutet, dass er glaubte, Schönheit liege tatsächlich im Objekt selbst[4]. Obwohl Lewis keine spezifische Theorie über das Wesen der Schönheit entwickelte, macht diese Passage aus The Abolition of Man seinen ästhetischen Objektivismus (allgemeiner gesprochen, Wertobjektivismus) ziemlich deutlich:
Der Schüler, der diese Passage in The Green Book liest, wird zwei Aussagen glauben: erstens, dass alle Sätze, die ein Wertprädikat enthalten, Aussagen über den emotionalen Zustand des Sprechers sind, und zweitens, dass alle derartigen Aussagen unwichtig sind. Es stimmt, dass Gaius und Titius keines dieser Dinge wörtlich gesagt haben. Sie haben nur ein bestimmtes Wertprädikat (erhaben) als ein Wort behandelt, das die Emotionen des Sprechers beschreibt. Es bleibt den Schülern überlassen, diese Herangehensweise auf alle Wertprädikate auszuweiten: Und es wird ihnen kein noch so geringes Hindernis in den Weg gelegt, dies zu tun. (Lewis 2001, 4, meine Übersetzung)
Lewis kritisiert die Behauptung, dass Aussagen über den ästhetischen Wert eines Objekts Aussagen über die eigenen Gefühle seien. Seiner Ansicht nach sind sie Aussagen über das Objekt. Dies steht im Gegensatz zum intellektuellen Klima unserer Zeit, in dem ästhetische Urteile typischerweise als subjektive Geschmacksangelegenheiten abgetan werden.
Werturteile können entweder angemessen oder unangemessen sein.
C. S. Lewis (paraphrasiert)
Aus Lewis’ Objektivismus (oder aus irgendeiner Form von differenziertem ästhetischem Objektivismus) folgt jedoch nicht, dass es keine Meinungsverschiedenheiten über ästhetische Urteile geben kann. Lewis etwa glaubte auch, dass die Art und Weise, wie man die Schönheit eines Objekts wahrnimmt, von bestimmten epistemischen Bedingungen auf der Seite des Subjekts abhängt. Nennen wir diese Sichtweise „ästhetischen objektivistischen Dispositionismus“, da das Subjekt die richtige Disposition benötigt, um Schönheit wahrzunehmen. Die beiden Hauptbedingungen scheinen zu sein: 1) richtig geschulte emotionale Reaktionen und 2) Aufgeschlossenheit gegenüber dem Kunstwerk.
Was emotionale Reaktionen betrifft, macht er in The Abolition of Man deutlich, dass Werturteile (einschliesslich ästhetischer Urteile) entweder angemessen oder unangemessen sein können:
Das kleine menschliche Wesen wird zunächst nicht die richtigen Reaktionen zeigen. Es muss darauf trainiert werden, Freude, Zuneigung, Ekel und Hass gegenüber jenen Dingen zu empfinden, die tatsächlich angenehm, liebenswert, ekelerregend und verabscheuungswürdig sind. (ebd., 16, meine Übersetzung)
Das Interessante daran ist nicht nur, dass Lewis glaubte, es gäbe richtige und falsche Reaktionen, sondern auch, dass Gefühle eine wichtige Rolle bei der korrekten Erkennung von Werten spielen. Das soll nicht heissen, dass Lewis Emotionen mit rationalen Urteilen gleichsetzte. Ganz im Gegenteil, er betont, dass Emotionen als solche uns keine Orientierung in der Realität geben:
Keine Emotion ist an sich ein Urteil; in diesem Sinne sind alle Emotionen und Gefühle unlogisch. (ebd., 19, meine Übersetzung)
Er fügt jedoch sofort hinzu:
Aber sie können vernünftig oder unvernünftig sein, je nachdem, ob sie der Vernunft entsprechen oder nicht. Das Herz tritt niemals an die Stelle des Verstandes: Aber es kann und sollte ihm gehorchen. (ebd., 19, meine Übersetzung)
Das sich abzeichnende Bild ist folgendes: Die Emotionen müssen durch Schulung (die auch intellektuelle Bildung beinhaltet) kalibriert werden; sind sie einmal kalibriert, sind sie verlässliche Wegweiser zum Guten, Wahren und Schönen. Es sollte jedoch hinzugefügt werden, dass nicht jede Schulung tauglich ist. Wir müssen offen sein für die Möglichkeit, dass manche Formen der Schulung, so rigoros sie auch sein mögen, den “Wertekompass” der Menschen eher verzerren. Eine ganz aktuelle griechisch-norwegische Studie zeigt, dass normale Menschen traditionelle Architektur gegenüber zeitgenössischeren Gebäuden bevorzugen, selbst wenn diese mit Fachpreisen ausgezeichnet wurden (Mouratidis 2026). Natürlich stellt sich die Frage, wer als Massstab herangezogen werden soll: die professionellen Kritiker (was Laien als ästhetisch ungebildet erscheinen lässt) oder die ungeschulten Studienteilnehmer (was zeigt, dass die Ausbildung der Kritiker ihren Sinn für das Schöne irgendwie verzerrt hat)? Ich werde in Kürze auf diesen Punkt zurückkommen.
Es gibt noch ein zweites Kriterium für ein korrektes ästhetisches Urteil: die Empfänglichkeit für das Kunstwerk. Damit meint Lewis, dass wir uns davon zurückhalten müssen, unsere subjektiven Vorstellungen und Vorlieben auf das Kunstwerk zu projizieren:
Wahre Wertschätzung erfordert den umgekehrten Prozess. Wir dürfen unsere eigene Subjektivität nicht auf die Bilder loslassen und sie zu deren Trägern machen. Wir müssen damit beginnen, all unsere eigenen Vorurteile, Interessen und Assoziationen so vollständig wie möglich beiseite zu legen. (Lewis 2015, Kap. 3, meine Übersetzung)
Und:
Die erste Forderung, die jedes Kunstwerk an uns stellt, ist Hingabe. Schau hin. Höre zu. Nimm wahr. Tritt beiseite. (Ebd., meine Übersetzung)
Lewis erklärt den Unterschied auch folgendermassen: Falsche ästhetische Wertschätzung zielt darauf ab, das Kunstwerk (für die eigenen Zwecke) zu nutzen, während richtige Wertschätzung das „Sich-Hingeben“ an das Kunstwerk und damit an die Absichten des Künstlers voraussetzt. Auch hier beeilt sich Lewis, das Missverständnis auszuräumen, dass dies den Betrachter passiv mache. Weit davon entfernt – die Vorstellungskraft kann und sollte aktiv sein, jedoch innerhalb der Grenzen dessen, was das Kunstwerk präsentiert (ebd., Kap. 3).
Wo stehen wir nun in Bezug auf Gerwigs neuen Kinofilm? Einerseits gibt uns Lewis’ Erkenntnistheorie der Schönheit einen Anhaltspunkt dafür, warum es unter Narnia-Fans so heftige Meinungsverschiedenheiten über den neuen Film gibt. Ist es möglich, dass ein Teil der Fangemeinde über geschulte Emotionen verfügt und der andere nicht? Und wenn ja, welche Fraktion hat Recht: diejenigen, die Gerwigs ästhetische (und narrative) Entscheidungen verabscheuen, oder diejenigen, die einfach nur begeistert sind, den Film zu sehen? Zumindest lässt sich sagen: Wenn Lewis’ ästhetischer dispositionaler Objektivismus zutrifft, muss die eine Seite Unrecht haben und die andere Recht. Wir könnten nun versuchen, unter Berufung auf intellektuelles Wissen über Lewis’ Werk zu entscheiden. Das wirklich Interessante ist jedoch, dass die Kluft nicht zwischen Experten und Gelegenheitslesern verläuft. In meinem Social-Media-Netzwerk gibt es sowohl Fans als auch Kritiker von Gerwigs Ansatz unter sehr gut informierten Menschen (einschliesslich Lewis-Gelehrten). Gelehrsamkeit in Sachen Lewis ist also mit sehr unterschiedlichen ästhetischen Urteilen über Lewis-Adaptionen kompatibel.
Wir können dieselben beiden Kriterien auf Gerwig selbst anwenden. Gerwig ist eine selbsternannte Feministin (wiewohl auch keine extreme). Es ist daher zweifelhaft, ob ihre emotionale Einstellung sie dazu befähigt, Lewis’ Weltanschauung – wie sie in seinen Werken zum Ausdruck kommt und sicherlich nicht feministisch ist – richtig zu erkennen. In einem Interview über ihren Film „Barbie“ aus dem Jahr 2023 sagte sie, sie wünsche sich eine Welt, in der beide Geschlechter absolut gleich behandelt werden. Das entspricht weder der biblischen noch der Lewis’schen Sichtweise auf die Geschlechter1. Und wie sieht es mit der Aufgeschlossenheit aus? Der Trailer deutet stark darauf hin, dass Gerwig ihre eigenen Ideen in The Magician’s Nephew einfliessen lässt: Rockmusik, die Aslans gesungene Erschaffung von Narnia begleitet, David-Bowie-Ästhetik in Bezug auf den Grossen Löwen und eine Handlung, die in den 1950er (statt den 1900er) Jahren spielt – all das mag ihren eigenen stilistischen Vorlieben entsprechen, stellt jedoch eine massive Abweichung von Lewis’ Werk dar. Man könnte einwenden, dass es auf die Ideen ankommt und die „Verpackung“ unterschiedlich sein kann. Lewis weist diese Ansicht vehement zurück:
Es sind nicht nur unsere eigenen „Ideen“ über, sagen wir, Mars und Venus, die beiseitegeschoben werden müssen. Das würde nur Platz für Botticellis „Ideen“ schaffen, im gleichen Sinne des Wortes. Wir würden somit nur jene Elemente seiner Schöpfung aufnehmen, die er mit dem Dichter teilt. Und da er schliesslich ein Maler und kein Dichter ist, reicht dies nicht aus. Was wir aufnehmen müssen, ist seine spezifisch bildnerische Schöpfung: das, was aus vielen Massen, Farben und Linien die komplexe Harmonie der gesamten Leinwand entstehen lässt. (ebd., Kap. 3, meine Übersetzung)
Es gibt noch einen weiteren Lewis’schen Massstab, der darauf hindeutet, dass Gerwigs Adaption keine gute ist. In „Christianity and Culture“ schreibt Lewis: „Man kann kein Kunstwerk beurteilen, ohne es so zu nutzen, wie es beabsichtigt war“ (Lewis 2000a). Nutzt Greta Gerwig das Ausgangsmaterial so, wie es beabsichtigt war? Wie oben dargelegt, haben wir gute Gründe zu der Annahme, dass dies nicht der Fall ist.
Dennoch bleibt eines bestehen: Um Gerwigs Werk umfassend und gründlich beurteilen zu können, müssen wir den Film sehen. Und selbst dann werden wir etwas Geduld aufbringen müssen, um abzuwarten, welche Auswirkungen der Film haben wird. Lewis war der Ansicht, dass Schönheit und Güte zwar unterschiedlich sind, aber eng miteinander verbunden sind. Gute Kunst oder schlichtweg Schönheit hat eine transformative Wirkung, so Lewis (siehe seine ästhetischen Begegnungen in Surprised by Joy). So fasst er prägnant zusammen, wie man ein Kunstwerk auf lange Sicht beurteilen sollte:
Die einzigen beiden Fragen, die man sich langfristig über ein Kunstwerk stellen sollte, sind erstens, ob es interessant, unterhaltsam und ansprechend ist, und zweitens, ob dieser Genuss Bestand hat und einem bei all den anderen Dingen hilft oder im Weg steht, die man geniessen, tun oder sein möchte. (Lewis 2006, 119–120, meine Übersetzung).
Die Bibel sagt: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“. Mal sehen, welche Früchte Gerwigs Film hervorbringen wird.
Bibliografie
Lewis, C. S. 2000b. “Meditation in a Toolshed.” In Essay Collection & Other Short Pieces, Kindle.
Lewis, C. S. 2015. An Experiment in Criticism. HarperOne.
Lewis, C. S.. 2006. A Preface to Paradise Lost. Atlantic Publishers & Dist.
Lewis, C. S. 2000a. “Christianity and Culture.” In Essay Collection & Other Short Pieces, Kindle.
[1] Ich habe die Begriffe im Englischen Original belassen. Eine vernünftige deutsche Übersetzung schein mir kaum möglich.
[2] Nicht, dass eine persönliche Beziehung zu Gott viel oder notwendigerweise dem Verliebtsein in eine Frau oder einen Mann ähneln würde.
[3] Eine Behauptung, die schwer zu glauben ist, angesichts des umfangreichen Werkes von Lewis, das nicht nur seine Belletristik, sondern auch Essays, persönliche Briefe, Gedichte und wissenschaftliche Arbeiten umfasst.
[4] Dies ist ein etwas vereinfachtes Bild. Die präzisere Formulierung wäre, dass die Eigenschaft der Schönheit im Objekt verkörpert ist. Es gibt jedoch mindestens noch eine weitere Möglichkeit, eine Form des ästhetischen Objektivismus zu vertreten, nämlich wenn die Eigenschaft der Schönheit in der Anordnung von Subjekt, Objekt, der Veranlagung des Objekts, ästhetische Reaktionen hervorzurufen, und der Veranlagung des Subjekts, solche Reaktionen zu zeigen, sowie in den Umständen, unter denen die Wahrnehmung von Schönheit stattfindet, verkörpert ist.
- Zweifellos glaubte Lewis an die biblische Lehre, dass Männer und Frauen vor Gott gleichwertig sind, nicht jedoch, dass sie gleichartig sind, was vom Feminismus eingefordert wird. ↩︎





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