Ravi Zacharias — eine Würdigung

Paul und Peter Bruderer
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Ein ganz Gros­ser ist von uns gegan­gen. Aus einer indi­schen Fami­lie mit hoch­ran­gi­gen Regie­rungs­man­da­ten stam­mend, mit Vor­fah­ren, die durch Schwei­zer Mis­sio­na­re zum Chri­sten­tum kon­ver­tiert sind, hat Ravi Zacha­ri­as wie nur weni­ge den christ­li­chen Glau­ben in die Welt getra­gen. Vor weni­gen Mona­ten noch auf den Büh­nen der Welt aktiv, ist er in den letz­ten Wochen durch einen sel­te­nen und aggres­si­ven Krebs lahm­ge­legt wor­den. Er ist am Diens­tag im Alter von 74 Jah­ren ver­stor­ben. 

Ravi wur­de bekannt durch sei­ne nicht-aka­de­mi­sche und gut zugäng­li­che Begrün­dung und Ver­tei­di­gung der Ratio­na­li­tät und Wahr­heit des christ­li­chen Glau­bens. Im Ver­lauf sei­nes fast 50-jäh­ri­gen Dien­stes berei­ste er über 70 Län­der, um auf die Fra­gen von Skep­ti­kern zu hören und Ant­wor­ten zu geben.

Ravi wuchs in Indi­en auf, im Land der vie­len Reli­gio­nen und Göt­ter. Sei­ne Urur­gross­mutter wur­de durch Schwei­zer Mis­sio­na­re der Bas­ler Mis­si­on vom Hin­du­is­mus zum Glau­ben an Jesus Chri­stus geführt. Wegen eines Cho­le­ra Aus­bruchs muss­te sie eini­ge Zeit unter Qua­ran­tä­ne auf der Mis­si­ons-Sta­ti­on ver­brin­gen. Hier kon­ver­tier­te sie trotz der Aus­sicht auf gros­se sozia­le Nach­tei­le zum Chri­sten­tum. Ravis Eltern besuch­ten die Angli­ka­ni­sche Kir­che in Indi­en. Sein Vater war ein hoch­ran­gi­ger Beam­ter in der Regie­rung.


Ravi 2016 am Young Lea­ders Gathe­ring der Lau­sanne Bewe­gung. Bild:
Lau­sanne Move­ment

Ravi beschrieb sich als einen, der Mühe hat­te, in der Schu­le aka­de­misch mit­zu­kom­men. Nach einem miss­lun­ge­nen Sui­zid­ver­such als Teen­ager las er wäh­rend der Gene­sung im Spi­tal die Bibel. Sein Namen­s­chri­sten­tum ver­wan­del­te sich in einen leben­di­gen Glau­ben und der Weg des Apo­lo­ge­ten Ravi Zacha­ri­as begann Kon­tu­ren anzu­neh­men. Im Alter von 20 Jah­ren emi­grier­te Ravi nach Kana­da, wo er Theo­lo­gie stu­dier­te und als Evan­ge­list leb­te.

1984 grün­de­te er sei­ne eige­ne Orga­ni­sa­ti­on «Ravi Zacha­ri­as Mini­stries» oder kurz RZIM, wel­che inzwi­schen auf allen Kon­ti­nen­ten Nie­der­las­sun­gen hat und im uni­ver­si­tä­ren Umfeld tätig ist — auch im deutsch­spra­chi­gen Raum.

Ravis Stil zeich­ne­te sich aus durch eine Nähe zu den Men­schen, die dem Glau­ben skep­tisch gegen­über­ste­hen. Er such­te den dia­lo­gi­schen Kon­takt mit ihnen in öffent­li­chen Dis­kus­sio­nen und per­sön­li­chen Begeg­nun­gen. Durch sei­ne indi­schen Wur­zeln war er auch ein Brücken­bau­er zu Men­schen aus ande­ren Reli­gio­nen. Wei­ter schaff­te es Ravi, gute Den­ker und Red­ner an sei­ne Sei­te zu holen, wel­che in neu­en The­men­fel­dern etwas zu sagen haben. Den­ken wir dabei an den Kul­tur­wis­sen­schaft­ler Os Gui­ness, den Oxford Mathe­ma­ti­ker John Lennox, den Pastor Sam All­ber­ry oder den vom Islam kon­ver­tier­ten Nabeel Qure­shi, der sel­ber 2017 an Krebs gestor­ben ist.


Ravi 2016 am Young Lea­ders Gathe­ring der Lau­sanne Bewe­gung. Bild:
Lau­sanne Move­ment

Ravi hat­te eine tie­fe Zuver­sicht, ein Ver­trau­en, dass die christ­li­che Welt­an­schau­ung wahr sein muss. Des­halb hat­te er kei­ne Angst vor Anfra­gen an den christ­li­chen Glau­ben. Sie wür­den bestimmt eine Ant­wort fin­den, da die christ­li­che Welt­an­schau­ung das Wesen der Wirk­lich­keit am Besten abbil­det. Sein Best­sel­ler «Can man live wit­hout God?» kam 1995 auf den Markt und ver­kauf­te sich über 500’000 Mal.

Ravi hat­te eine Gabe der Kom­mu­ni­ka­ti­on. Gera­de heu­te Mor­gen fiel uns beim Schau­en eines sei­ner Videobei­trä­ge die­ser Satz auf:

«In the Eyes of God, even a Guru needs a Savi­or. And That Savi­or is Jesus Christ.»
«In den Augen Got­tes braucht sogar ein Guru einen Ret­ter. Und die­ser Ret­ter ist Jesus Chri­stus.»

Anfang die­ses Jah­res hat­ten Ärz­te im Rah­men einer Rücken­ope­ra­ti­on einen aggres­si­ven Krebs bei Ravi ent­deckt, der nicht behan­del­bar war. So ver­brach­te Ravi sei­ne letz­ten Tage zuhau­se im Kreis sei­ner Fami­lie, wo er am 19. Mai 2020 starb.


Ravi 2016 am Young Lea­ders Gathe­ring der Lau­sanne Bewe­gung. Bild:
Lau­sanne Move­ment

Wir wür­di­gen Ravi als einen, der in einer Welt von reli­giö­ser Viel­falt mit Zuver­sicht für das Chri­sten­tum hin­ge­stan­den ist und es ver­ständ­lich erklä­ren konn­te. Wir wün­schen sei­ner zurück­ge­blie­be­nen Fami­lie, aber auch den Men­schen in RZIM, Got­tes Trost in die­ser Zeit. Ins­be­son­de­re hof­fen wir, dass vie­le Men­schen dem Bei­spiel von Ravi Zacha­ri­as fol­gen wer­den, mit der­sel­ben Zuver­sicht für den Glau­ben an Jesus Chri­stus ein­zu­ste­hen, damit die Plau­si­bi­li­tät des histo­ri­schen Chri­sten­tums von vie­len Men­schen erkannt wird.

Hier geht es zum Nach­ruf vom RZIM.

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