Raus aus den Höhlen der Angst

Peter Bruderer
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“Mal sehen was unser grossar­tiger Gott so alles vorhat”- schreibt ein guter Fre­und meinem Brud­er Paul und mir vor eini­gen Tagen. Ja — was hat Gott wohl vor? Ein Jahr, ja ein ganzes Jahrzehnt neigt sich dem Ende zu. Wir bilanzieren und resümieren — und wir spekulieren auf die von uns erhoffte oder befürchtete Zukun­ft. Wer sein Ver­trauen auf Gott set­zt, der hat allen Grund für einen pos­i­tiv­en Blick in die Zukun­ft und darf sich auf das eine oder andere Aben­teuer freuen.

Ich bin kein beson­ders mutiger Men­sch. Es fällt mir oft schw­er, Entschei­dun­gen zu tre­f­fen. Meine schw­er­mütige Seite lässt mich manch­mal lieber untätig sein als aktiv, lässt mich lieber grü­beln anstatt die Ini­tia­tive zu ergreifen. Darum bin ich Gott dankbar, dass ich als Tee­nie Zuver­sicht find­en durfte durch sein ‘Ja’ zu mir. Und in der Ein­samkeit mein­er Jugend, während meine besten Fre­unde sich von Gott abwandten, wurde Gott mein Gesprächspart­ner und meine Zuflucht.

Anschliessend ergaben sich erstaunliche Aben­teuer für Einen, der Mut oft in anderen Men­schen gese­hen, aber kaum in sich sel­ber gefun­den hat. Vor 20 Jahren durfte ich einen erweck­lichen Auf­bruch unter der Jugend mein­er Region miter­leben und mit­gestal­ten. Die Godi-Jugen­dar­beit in Frauen­feld war eine Reak­tion auf eine Not­si­t­u­a­tion und Jahre des zahlen­mäs­si­gen Rück­gangs der christlichen Jugend­grup­pen in der Region. Diese Jugend-Basis­be­we­gung war keine auf dem Reiss­brett von Kirchen­strate­gen ent­wor­fene Sache. Wir waren gän­zlich unvor­bere­it­et. Das Wach­s­tum war explo­sion­sar­tig. Die Leitun­gen und Pas­toren unser­er Kirchen waren mehr oder weniger über­fordert. Wir als Ini­tia­toren waren es eigentlich auch. Aber wir hat­ten Gott auf unser­er Seite und die Zuver­sicht war gren­zen­los.

Auch wenn die dama­lige Jugend­be­we­gung ihr Ende fand, haben die vie­len Erleb­nisse von damals mich geprägt. Ich sel­ber durfte damals schmeck­en, was es heisst, mit Gott etwas zu wagen und sein Wirken und Ein­greifen zu erleben: Erstaunlich­es kann geschehen, wenn Men­schen sich im Ver­trauen und in der Hoff­nung auf Gottes Wirken auf­machen. Kön­nte in den näch­sten Jahren etwas Ähn­lich­es geschehen? Wer weiss! Dazu etwas Inspi­ra­tion von ein­er der Geschicht­en der Bibel, welche uns damals begeis­tert hat und uns vom ein­gangs erwäh­n­ten Fre­und vor weni­gen Wochen zuge­spielt wurde.


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Mut, im Wissen um Gottes Möglichkeiten.

Die Geschichte, die uns damals als ‘junge Wilde’ begeis­tert hat, ist die Geschichte von Jonathan und seinem Waf­fen­träger (1.Sam 14:1–23). Kein Wun­der! Jonathan verkör­pert in dieser Geschichte per­fekt die — sagen wir es mal fre­undlich — grosse Eigenini­tia­tive, welche auch unsere dynamis­che Jugen­dar­beit kennze­ich­nete. Ohne Rück­sprache mit seinem Vater Saul, immer­hin der Ober­be­fehlshaber der Armee, geht er auf seinen eige­nen kleinen Feldzug gegen den Feind seines Volkes: die Philis­ter.

Die Philis­ter. Das waren die über­mächti­gen Feinde des Volkes Israel und wohl mit ein Grund, warum die Stämme Israels einen König woll­ten. In der Hoff­nung auf einen men­schlichen Anführer, der das Volk im Kampf gegen die Feinde Israels einen kön­nte, wurde Saul zum ersten König über die Stämme Israels gesalbt (1.Sam 10:1). Doch die Über­legen­heit der Philis­ter ist erdrück­end. Sie kön­nen im Gegen­satz zu den Israeliten aus befes­tigten Städten her­aus operieren. Sowohl in Aus­rüs­tung als auch in Per­so­nen­zahlen sind sie den Trup­pen Sauls weit über­legen (1.Sam 13:5). Ihr Monopol auf Eisen­ver­ar­beitung hat­ten die Philis­ter geschickt genutzt, um den Israeliten eine Bewaffnung zu erschw­eren und sich an ihnen auch noch zu bere­ich­ern (1.Sam 13:19–22).

Der Kampftruppe Sauls man­gelt es an Organ­i­sa­tion, Erfahrung und brauch­baren Waf­fen. Vor allem aber man­gelt es dieser Truppe an Moral. Während die Philis­ter sich auf dem Vor­marsch befind­en (1.Sam 13:17–18) und strate­gis­che Posi­tio­nen ein­nehmen (1. Sam 13:23) scheint sich die Kampftruppe um Saul zunehmend zu ver­flüchti­gen. Dre­itausend hat­ten sich ihm ihn den Dienst gestellt (1.Sam 13:2), nun ste­hen ihm noch sechs­hun­dert Mann als Kampftruppe zur Seite (1.Sam 14:2). Das Volk hat sich nach ersten Offen­siv­en der Phillis­ter entwed­er in die ‘Höhlen und Klüfte und Felsen und Gewölbe’ verkrochen oder sich auf die ‘bessere Seite der Geschichte’ geschla­gen — und ist zu den über­mächti­gen Philis­tern überge­laufen (1.Sam 13:6–7).

Wie erfrischend ist da das mutige Han­deln von Jonathan und seinem Waf­fen­träger! Allen Umstän­den zum Trotz ergreift Jonathan die Ini­tia­tive und durch­bricht damit die Angst­starre von Volk und König:

“Komm, lass uns zu dem Posten dieser Unbeschnit­te­nen hinüberge­hen! Vielle­icht wird der HERR durch uns wirken; denn es ist dem HERRN nicht schw­er, durch viele oder durch wenige zu ret­ten!” (1.Sam 14:6)

Wom­öglich hat Jonathan bei der erst kür­zlich erfol­gten Stab­süber­gabe Samuels an seinen Vater Saul bess­er zuge­hört als dieser. Denn diese feier­liche Gele­gen­heit hat­te der altge­di­ente Prophet weniger genutzt um dem ersten König Israels den Rück­en zu stärken, als um dem Volk noch ein­mal das viel Wesentlichere klarzu­machen: nicht von einem irdis­chen König hat­ten sie ihre Hil­fe let­ztlich zu erwarten, son­dern vom himm­lis­chen König:

Nur fürchtet den HERRN und dient ihm treu von ganzem Herzen; denn seht doch, wie große Dinge er an euch getan hat. (1.Sam 12:24)

Wenn der HERR in der Ver­gan­gen­heit Men­schen wie Mose und Aaron als seine Hil­fe fürs Volk Israel geschickt hat­te (1.Sam 12:8), warum kön­nte er dann nicht ihn, Jonathan, für seine ret­ten­den Pläne ver­wen­den? Der Mut von Jonathan, sich der Real­ität der Bedro­hung des Volk Israels zu stellen, liegt darin begrün­det, dass er um Gott und seine Möglichkeit­en weiss. Dieser Gott kann auch ‘durch Wenige’ helfen. Und so ger­at­en Jonathan und sein Waf­fen­träger ins Aben­teuer ihres Lebens und erleben, wie von ihnen aus­ge­hend die ganze Dynamik der Kon­fronta­tion zwis­chen Israeliten und Philis­tern eine andere Rich­tung nimmt. Ja, Gott hat darauf gewartet dass ein­er auf­ste­ht für die Ehre des Höch­sten. Und mit Diesem ste­ht er sel­ber auch auf und greift mit seinen über­natür­lichen Mit­teln ein (1.Sam 14:15).


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Gottes Alternative zu Rückzug und Anpassung.

Was für eine Inspi­ra­tion ist der Mut von Jonathan und seinem Waf­fen­träger! Kein Wun­der hat seine Geschichte uns damals vor 20 Jahren motiviert. Damals war unser jugendlich­er Auf­bruch ein Ruf aus den ‘Höhlen’ unser­er Jugend­grup­pen-Keller her­vorzukom­men und Gott in aller Öffentlichkeit mit einem Jugend­gottes­di­enst zu beken­nen.

Aber auch heute inspiri­ert mich diese Geschichte von Jonathan. Denn sie zeigt beispiel­haft die drei Möglichkeit­en eines Volkes Gottes, welch­es durch eine ihr ‘feindlich’ gesin­nte Kul­tur her­aus­ge­fordert wird.

Wie damals viele Israeliten (1.Sam 13:6) wählen manche Chris­ten in unseren Tagen eine Strate­gie des ‘Rück­zugs in die Höhlen’ und ver­suchen den aktuellen kul­turellen Sturm der Säku­lar­isierung und Neo-Pagan­isierung in ihrem Ver­steck auszusitzen. Diese Strate­gie set­zt darauf, jeglichen Kon­takt mit der Bedro­hung zu ver­mei­den. Irgend­wann — so scheint die Hoff­nung zu sein — wird der Sturm vorüberziehen und ein besser­er Tag kom­men.

Aber auch das Andere lässt sich in zunehmen­dem Mass fest­stellen: dass Chris­ten in der Hoff­nung “auf der richti­gen Seite der Geschichte zu ste­hen”, mit ein­stim­men in die lautesten Sprechchöre unser­er Zeit. Genau­so haben manche Israeliten zu Zeit­en von Jonathan sich auf die Seite der Philis­ter geschla­gen, wohl in ‘weis­er Voraus­sicht’ des zu erwartenden Aus­gangs (1.Sam 13:6). Viele Chris­ten, die sich heute ‘pro­gres­siv’ nen­nen, meinen damit fak­tisch eine Strate­gie der nahezu beliebi­gen Anpas­sung an die dom­i­nante Gegen­wart­skul­tur. Diese Strate­gie des Über­lebens durch Anpas­sung bringt die Pro­tag­o­nis­ten aber let­ztlich in Kon­flikt mit Gott sel­ber, der für sein Volk kämpft.

Es gibt aber auch die dritte Option. Das ist die des muti­gen Auf­ste­hens für den HERRN, für seine Ehre, seine Werte. Diese Werte sind let­z­tendlich jen­seits von kon­ser­v­a­tiv oder pro­gres­siv. Sie sind, wie Alisa Childers es in einem unser­er let­zten Artikel for­muliert hat, ewig. Und so heisst Treue zu Gott (1.Sam 12:24) auch nicht Rück­zug oder Anpas­sung, son­dern beherztes Ein­ste­hen für diese Werte. Die Strate­gie ist mit Risiko ver­bun­den. Man zeigt sich, macht sich angreif­bar. Aber es gibt auch Aben­teuer, die Zusage der Gegen­wart Gottes und die begrün­dete Hoff­nung auf sein Ein­greifen.

Diese dritte Strate­gie braucht nicht die beson­ders Muti­gen. Sie braucht nur Men­schen, die im Ver­trauen zu Gott einen Schritt ins Ungewisse machen und dabei ihre Hoff­nung auf ihn set­zen. Es braucht für diese Strate­gie die ‘Esel’ der Bileam-Geschichte.

Genau deshalb gibt es auch unseren Blog, die Daniel Option. Auch im kom­menden Jahr möcht­en wir diese Men­tal­ität weit­er beschreiben, welche Jonathan und seinen Leib­wächter, oder eben auch Daniel und seine Fre­unde, gekennze­ich­net hat.


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Wo versteckst du dich?

“So half der HERR Israel an jen­em Tage.” (1.Sam 14:23), stellt der Chro­nist des 1. Samuel-Buch­es am Schluss der Erzäh­lung fest. Und ein klein­er aber nicht unwesentlich­er Teil dieser Hil­fe waren zwei junge mutige Män­ner: Jonathan und sein Waf­fen­träger. Ihr Ein­satz stand am Anfang eines bemerkenswerten Turn­arounds in der Geschichte des Volkes Gottes. Ihr Mut nötigte schlussendlich auch den von Angst gelähmten König Saul zum Han­deln (1Sam 14:20) und lock­te das Volk Gottes aus seinen falschen Ver­steck­en (1.Sam 14:21–22).

Ich muss es mir sel­ber sagen: Um es in die Geschichts­büch­er Gottes zu schaf­fen muss man wed­er beson­ders mutig ver­an­lagt sein, noch beson­ders aus­gerüstet sein. Man muss nicht an die eigene Grösse glauben son­dern an einen grossen Gott:

Nur fürchtet den HERRN und dient ihm treu von ganzem Herzen; denn seht doch, wie große Dinge er an euch getan hat. (1Sam 12:24)

Ich fordere dich und mich her­aus: Lass uns als Chris­ten neu aus unseren wie auch immer geart­eten Höhlen und Ver­steck­en her­vorkom­men. Lass uns zurück­kehren aus unser­er Kon­spir­a­tion mit dem Geg­n­er. Lass uns neu auf­ste­hen ohne uns für unseren Gott zu schä­men. Schliessen wir uns der Rebel­lion des muti­gen Vetrauens in Gott und seine Möglichkeit­en an! Falsche Kom­pro­misse sind da genau­so wenig am Platz wie falsche Über­he­blichkeit. Ich bin mir sich­er: wir wer­den zurückschauen und sagen:

“So hat der Herr uns an jen­em Tag geholfen”

Ich wün­sche dir zusam­men mit dem Team von Daniel Option ein mutiges 2020. Gebor­gen in der Zuflucht die wir bei Gott find­en. Getra­gen von der Zuver­sicht welche auf seine Möglichkeit­en set­zt.

3 Comments
  1. Avatar
    Daniel Kleger 10 Monaten ago
    Reply

    Sehr her­aus­fordernd, ich möchte auch in diesem Jahr zum Jonathan wer­den.

    Danke für all eure Arbeit

  2. Peter Bruderer
    Peter Bruderer 10 Monaten ago
    Reply

    Danke. liebe Reg­u­la, für deine guten Ergänzun­gen.
    Ja bei aller Eigenin­ni­tia­tive wollte sich Jonathan auch von Gott leit­en lassen. Wir soll­ten nicht mit dem Kopf durch die Wand gehen, aber mutig los­ge­hen und die Türen durch­schre­it­en, die Gott dabei auf­tut.
    Die Bibel scheint mir voller Biografien von Men­schen, welche so einen wesentlichen Unter­schied gemacht haben: Josua, Kaleb, David vor Goliath, Esther, Nehemia…
    Einen geseg­n­teten Start ins neue Jahr wün­sche ich Dir!
    Peti

  3. Regula Lehmann
    Regula Lehmann 10 Monaten ago
    Reply

    Span­nend, dass Ihr genau diese Geschichte hier bringt. Unser Pas­tor hielt dazu kür­zlich eine Predigt.
    meine Kurz­fas­sung:
    — man kann Wun­der pas­siv geschehen lassen
    — man kann ver­trauensvoll um Wun­der bit­ten
    — man kann Wun­der “provozieren”
    Provozieren in dem Sinn, dass man wie Jonathan los­ge­ht und etwas wagt, und dann auf Gottes Zeichen achtet.
    (In Jonathans Fall: Ganz hin­aufge­hen oder wieder umkehren ?)
    Ich möchte im neuen Jahr immer wieder mal bei denen sein, die Wun­der “provozieren”…

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