Wie erle­ben inter­na­tio­na­le Men­schen die Bedeu­tung der mul­ti­kul­tu­rel­len Gemein­de? Ist es schwie­rig oder ein­fach, eine sol­che Kul­tur in den Gemein­den zu för­dern? Sind sie über­haupt offen für Men­schen ande­rer Ras­sen? In die­sem Arti­kel erzäh­len Nadou, Mile­na, Bri­git­te & Jim­my, Johan­nes und Kurt per­sön­lich aus ihrem Erle­ben und Den­ken!

In unse­rem Grund­satz-Arti­kel zei­gen wir, dass in der Gemein­de von Jesus Men­schen aus jeder Ras­se will­kom­men sind. Die­ser Wesens­zug gehört zur DNA der christ­li­chen Gemein­de, und muss unbe­dingt geför­dert wer­den und per­sön­lich erlebt wer­den! Geniess in die­sem Arti­kel die per­sön­li­chen Berich­te fol­gen­der Per­so­nen:

Kurt Beut­ler ist Schwei­zer evan­ge­li­scher Theo­lo­ge mit einer Ägyp­te­rin ver­hei­ra­tet, Pastor, Ara­bist, Islam­ken­ner und Buch­au­tor. Kurt hat erlebt, dass Hass zwi­schen Ras­sen über­wun­den wer­den kann.

Mile­na Šel­em­ba ist Schwei­ze­rin und mit Dado aus Bos­ni­en ver­hei­ra­tet, Pasto­rin und Mut­ter. Mile­na weiss aus eige­ner Erfah­rung, wie berei­chernd und gleich­zei­tig her­aus­for­dernd es ist, als aus­län­di­sche Per­son in einer Gemein­de zu sein.

Johan­nes Mül­ler aus der Schweiz, Dr. Agro­nom, war lang­jäh­ri­ger Mis­sio­nar in Afri­ka und ist Stra­te­ge für inter­kul­tu­rel­le Gemein­de-Ide­en. Johan­nes ist ermu­tigt durch die rasan­te Zunah­me an inter­kul­tu­rel­len Gemein­den in Deutsch­land und för­dert sie nun auch in der Schweiz.

Nadou Joy aus Hai­ti, Sän­ge­rin und Mut­ter, ist als Schwar­ze in Frank­reich bei Weis­sen auf­ge­wach­sen. Nadou erlebt in der Inter­na­tio­na­len Kir­che Thur­gau ein Stück Him­mel auf Erden.

Bri­git­te und Jim­my Fer­nan­dez Bri­git­te aus der Schweiz und Jim­my aus Boli­vi­en haben Sozi­al­wis­sen­schaf­ten und Elek­tro­in­ge­nieur stu­diert und sich 2011 in Boli­vi­en ken­nen­ge­lernt. Nach ihrer Hoch­zeit haben sie in Boli­vi­en zusam­men gedient. Sie woh­nen sie seit 2018 in der schö­nen Schweiz und bau­en hier an Got­tes Reich. Sie erle­ben, wie sie als Aus­län­der durch Teil­nah­me an einer loka­len Gemein­de in ihrem Glau­ben gewach­sen sind.

 

Kurt Beutler: Achtung, es wird scharf geschossen!

Kur­den, Chri­sten und Ara­ber sol­len im glei­chen Heim leben, Tür an Tür, mit gemein­sa­mer Küche und Toi­let­ten. Ist das mög­lich in der Schweiz, obwohl sie doch gera­de wegen die­sen Leu­ten ihre Hei­mat und gelieb­te Men­schen ver­lo­ren haben? Seit hun­der­ten von Jah­ren gehen die Krie­ge zwi­schen ihnen wei­ter und hören nicht mehr auf. Sie has­sen sich zutiefst, auch wenn sie bei jeder Gele­gen­heit das Gegen­teil beteu­ern.

Ein Palä­sti­nen­ser träumt, dass er in die Feri­en fliegt. Er sieht sich im Flug­zeug sit­zen und wun­dert sich, wohin es geht. Suchend rich­tet sich sein Blick nach oben. Da ent­deckt er plötz­lich die weiss-blaue Flag­ge mit dem Stern in der Mit­te. Nun wird ihm klar, dass er in einer Maschi­ne der El-Al sitzt und nach Isra­el fliegt! Dabei fühlt er sich aber sehr wohl. Als er auf­wacht, weint er vor Freu­de. Von da an ver­spürt er nicht mehr Hass, son­dern eine selt­sa­me Lie­be zum Volk der Juden.

Es ist ihm klar, dass nur Gott hin­ter die­sem Traum stecken kann. Doch sei­ne Freun­de ver­ste­hen sei­ne Ver­än­de­rung nicht. Sie hat­ten kei­nen der­ar­ti­gen Traum und alle sei­ne Ver­su­che, Brücken zu bau­en, füh­ren nur zu neu­en Ver­let­zun­gen. Es ist kei­nes­wegs ein­fach, Vor­ur­tei­le, genera­tio­nen­lan­gen Hass und geei­ter­te Ver­let­zun­gen zu über­win­den. Auch in der Kir­che nicht. Wer sich nicht bewusst ist, auf was er sich da ein­lässt, wird tief ent­täuscht wer­den.

Es ist viel ein­fa­cher, mono­kul­tu­rel­le Gemein­den zu bau­en – Gemein­den mit nur einer Kul­tur. Dazu braucht man auch viel weni­ger Hei­li­gen Geist. Die Leu­te pas­sen natür­li­cher­wei­se zusam­men und müs­sen sich auch nicht ver­än­dern. Die Ein­heit, die dabei ent­steht, ist aber eine ober­fläch­li­che, weil es nur eine eth­nisch und kul­tu­rell Ein­heit ist. Es ist kei­ne geist­li­che, son­dern eine äus­ser­li­che Schein­ein­heit ohne Tief­gang. Die Leu­te kön­nen wei­ter­hin die Vor­ur­tei­le und den alten Hass in ihren Her­zen pfle­gen und mit sich tra­gen. Sie kön­nen auch in die Kir­che kom­men, ohne zu lie­ben.

Inter­kul­tu­rel­le Gemein­den kann man nur bau­en, wenn man die Mör­der­gru­ben in den Her­zen aus­räu­chert, und dies als gros­sen Erfolg fei­ern kann. Das ist schwie­rig. Es ist wohl eines der Pro­ble­me die­ser Welt, die nur Jesus höchst­per­sön­lich lösen kann. Nur durch die Lie­be des Hei­lan­des kön­nen die Grä­ben zwi­schen den Völ­kern über­wun­den wer­den, denn er hat am Kreuz sein Leben sowohl für Ira­ner als auch Afgha­nen, für Hutus wie auch Tut­sis, für Ame­ri­ka­ner, aber auch Rus­sen und für Ange­hö­ri­ge aller indi­schen Kasten gege­ben. Aber ehr­lich gesagt: Es gibt Leu­te, die sich nie dar­auf ein­las­sen, auch wenn sie gläu­big wer­den. Auto­ma­tisch läuft das nir­gends ab. Es braucht enor­me Seel­sor­ge- und Ver­ge­bungs­ar­beit, um die Ver­ach­tung und den Hoch­mut der Völ­ker gegen­ein­an­der zu über­win­den. Doch die Chan­ce ist da. Wer es tut, der ist wirk­lich Salz für die­se Erde und tut etwas, was die Welt ver­än­dert. Und wenn wir alle mit Chri­stus gekreu­zigt sind, so gibt es kei­ne gra­vie­ren­den kul­tu­rel­len Unter­schie­de mehr.

Vor dem Thron Got­tes wer­den der­einst Men­schen aus allen Völ­ker ste­hen. Kei­ner bes­ser als der ande­re, denn sie sind alle erlö­ste Sün­der, und kön­nen dort nicht ste­hen, weil sie Schwei­zer sind oder aus nobler Fami­lie stam­men, son­dern weil sie durch das kost­ba­re Blut Jesu erkauft sind. Sie alle wer­den sich zu Boden wer­fen vor dem Lamm, das sie geret­tet hat. Wenn in unse­ren heu­ti­gen Gemein­den ein Stück davon erlebt und sicht­bar wer­den darf, ist das ein Stück Him­mel auf Erden!


Kurt Beut­ler

 

Milena Šelemba: Nach Bosnien und zurück

Schon die Anfän­ge der ersten Gemein­de sind mul­ti-eth­nisch. In Apo­stel­ge­schich­te 2 lesen wir davon, dass die zurück­ge­blie­be­nen Jün­ger Jesu mit dem Hei­li­gen Geist erfüllt wur­den und anfin­gen in Spra­chen zu reden, so dass die anwe­sen­den Fest­be­su­cher, die aus den ver­schie­den­sten Län­dern ange­reist waren (in den Ver­sen 8 – 12 lesen wir davon), ihre eige­ne Spra­che hör­ten. Got­tes Ziel mit der neu­en Gemein­de war von Beginn weg, alle Natio­nen zu errei­chen. In Apo­stel­ge­schich­te 1,8 lesen wir: «Ihr wer­det die Kraft des hei­li­gen Gei­stes emp­fan­gen, der auf euch kom­men wird, und wer­det mei­ne Zeu­gen sein in Jeru­sa­lem und in ganz Judäa und Sama­ri­en und bis an das Ende der Erde.» In Apo­stel­ge­schich­te 8 wird die­ser Vers bereits Rea­li­tät: Die Ver­fol­gung setzt ein und die Gemein­de in Jeru­sa­lem zer­streut sich. Spä­ter begin­nen die Mis­si­ons­rei­sen von Pau­lus – und das zu einer Zeit, wo Rei­sen weit­aus beschwer­li­cher war als für uns heu­te!

Wir heu­te erle­ben wir eine Gegen­be­we­gung wie noch nie zuvor – eine regel­rech­te Völ­ker­wan­de­rung, die zur Fol­ge hat, dass die Men­schen ande­rer Kul­tu­ren direkt vor unse­rer Haus­tü­re leben. Natür­lich bringt das vie­le Pro­ble­me mit sich und die Ent­wick­lung an und für sich ist extrem schwie­rig. Trotz­dem sehe ich, als ein Mensch, den ande­re Kul­tu­ren fas­zi­nie­ren, gros­se Chan­cen in unse­rer Zeit, nicht nur für die Men­schen, die zu uns kom­men, son­dern auch für uns als Chri­sten und Gemein­den.

Die grund­sätz­li­che Fra­ge, die sich dabei wohl stellt, ist die Fra­ge: Was lösen Men­schen aus ande­ren eth­ni­schen Hin­ter­grün­den und Reli­gio­nen bei uns aus? Machen sie uns Angst, weil wir ihr Den­ken, ihre Tra­di­tio­nen, ja ihre gan­ze Art zu leben nicht ver­ste­hen? Könn­te es viel­leicht sogar sein, dass es ihnen im Blick auf ihre Gast­kul­tur ähn­lich geht und dass wir genau dar­um Schrit­te auf sie zutun müs­sen, damit sie hier Fuss fas­sen, die Kul­tur ver­ste­hen und sich letzt­lich inte­grie­ren kön­nen?

Als ich vor mehr als 11 Jah­ren nach Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na zog, in die Hei­mat mei­nes Man­nes, fühl­te ich mich zuerst ein­fach mal fremd. Auf den ersten Blick schie­nen die kul­tu­rel­len Unter­schie­de gar nicht so gross zu sein, aber ich wur­de schnell eines Bes­se­ren belehrt und die Her­aus­for­de­run­gen began­nen. Ich war wohl noch nie zuvor in mei­nem Leben, so sehr mit mei­ner Iden­ti­tät als Schwei­ze­rin kon­fron­tiert, wie in den ersten Mona­ten in mei­ner neu­en Hei­mat. Das betraf mein gan­zes Sein: mei­ne Wahr­neh­mung der Din­ge, mein Den­ken und Füh­len, mei­ne Beur­tei­lun­gen, auch mein geist­li­ches Denk­sy­stem. Ich war plötz­lich auf mich sel­ber zurück­ge­wor­fen und muss­te mich mit mei­nen Wer­ten aus­ein­an­der­set­zen: Was ist für mich rich­tig? War­um ist es das? Woher kommt mei­ne Beur­tei­lung eigent­lich?

In die­ser Zeit wäre es am ein­fach­sten gewe­sen, mich zurück­zu­zie­hen, aber ich war froh um Ein­hei­mi­sche, die Zeit mit mir ver­brach­ten, die mir hal­fen, die Spra­che zu üben, die mir Situa­tio­nen erklär­ten und mir hal­fen, Din­ge ein­zu­ord­nen. Es war ein lan­ger Weg zum Punkt – nicht nur im Kopf, son­dern auch im Her­zen – an dem ich sagen konn­te: «Ja, man kann es auch anders machen. Und: Auch anders ist gut!» Und damit ist der Weg noch nicht zu Ende, son­dern er führt wei­ter zum Punkt: Anders ist nicht nur gut, anders berei­chert auch mein Leben, reisst neue Hori­zon­te auf und hilft, man­ches ganz neu zu ver­ste­hen – gera­de auch im Blick auf Got­tes Reich, auf die Gemein­de.

War­um tun wir, was wir tun, so wie wir es tun? Das wur­de für mich zur zen­tra­len Fra­ge. Weih­nach­ten liegt gera­de hin­ter uns. Die letz­ten 11 Jah­re leb­ten wir als Fami­lie in einer ethisch und kul­tu­rell sehr gemisch­ten Kul­tur. Auf den Kon­flikt, der die­sen Kul­tu­ren zugrun­de liegt, will ich gar nicht ein­ge­hen. Aber eine Kon­se­quenz die­ses Kul­tu­renge­mi­sches war, dass Weih­nach­ten, Ostern und auch typisch christ­li­che Sym­bo­le wie das Kreuz in unsern Gemein­den gar nicht vor­ka­men – einer­seits weil das ehe­mals kom­mu­ni­sti­sche Land die­se Tra­di­tio­nen gar nicht kennt, ande­rer­seits auch aus Rück­sicht­nah­me gegen­über den­je­ni­gen, die aus mus­li­mi­schem Hin­ter­grund stam­men und mit die­sen Sym­bo­len, Krieg, Mord und Hass ver­bin­den – Fol­gen eines Krie­ges im Namen der Reli­gio­nen.

Als Fami­lie erleb­ten wir 2019 zum ersten Mal die Weih­nachts­zeit in der Schweiz mit all ihren Bräu­chen und Tra­di­tio­nen, auch in unsern Gemein­den, die wir oft nicht hin­ter­fra­gen. Aber mein Mann hin­ter­fragt, ist kri­tisch, will wis­sen, was dahin­ter­steht! Er geht näm­lich zur Zeit gera­de durch die Pha­se, die ich in mei­ner Anfangs­zeit in Bos­ni­en-Her­zeg­wo­i­na erlebt habe. Und er hin­ter­fragt, wie ich fin­de zurecht! Das ist nicht immer ein­fach, weil wir Schwei­zer uns ange­grif­fen füh­len, aber es zwingt uns dazu, her­aus­zu­fin­den, wo wir tat­säch­lich Jesus­kul­tur leben und nicht ein­fach Tra­di­ti­on.

Unse­re tra­di­tio­nel­len Gemein­den in der Schweiz sind kul­tu­rell oft nicht sehr gemischt. Die Grün­de dafür mögen viel­fäl­tig sein und haben nicht zuletzt damit zu tun, dass sich Kul­tu­ren nicht so leicht mit­ein­an­der ver­bin­den und wir die oben beschrie­be­nen Pro­zes­se oft nicht bewusst durch­le­ben, son­dern bei uns sel­ber ste­hen­blei­ben und dem, was uns rich­tig erscheint. Es hat sicher auch damit zu tun, dass uns Frem­des Angst macht und damit, dass wir uns nicht ger­ne hin­ter­fra­gen las­sen. Wer­den wir hin­ter­fragt, braucht es gute Ant­wor­ten. Und ich behaup­te: Sie feh­len uns oft. Das weiss ich aus eige­ner Erfah­rung. War­um tun wir, was wir tun, so wie wir es tun? Die zen­tra­le Fra­ge!

Um in unse­rem Land, in dem so vie­le Kul­tu­ren behei­ma­tet sind, rele­vant zu wer­den, müs­sen wir neu­gie­rig wer­den und uns öff­nen für das, was wir nicht ken­nen. Per­sön­lich habe ich so viel Hori­zont­er­wei­te­rung erlebt und Impul­se bekom­men durch Chri­sten ande­rer Kul­tu­ren, die ihren Glau­ben anders leben, deren Anbe­tung anders geschieht als mei­ne. Plötz­lich ist im Lob­preis nicht mehr wich­tig, ob ein Lied alt oder neu ist, ob der Text eng­lisch oder deutsch ist und ich mit­sin­gen kann oder nicht, wenn ich mit­er­le­be, wie durch ein Lied in Urdu, Got­tes Gegen­wart plötz­lich den Raum füllt und ich mich hin­ein­neh­men las­se, obwohl ich kein Wort ver­ste­he und der Melo­die über­haupt nicht fol­gen kann. Dabei geht es nicht in erster Linie dar­um, dass sich die Men­schen aus andern Kul­tu­ren unse­rer Kul­tur anpas­sen, son­dern dass wir von­ein­an­der ler­nen und gemein­sam neue Wege beschrei­ten. Geist­li­che und per­sön­li­che Hori­zont­er­wei­te­rung durch das Mit­ein­an­der unter­schied­li­cher Kul­tu­ren – das wün­sche ich mir für unse­re Gemein­den.


Mile­na Sel­em­ba

 

Johannes Müller: Gemeinde im Mosaik der Kulturen

Mor­gens in der S‑Bahn – sofern man die Augen schon auf­kriegt – wird es offen­kun­dig: Men­schen von unter­schied­lich­ster Her­kunft leben mit uns zusam­men. Unse­re Gesell­schaft hat sich so stark diver­si­fi­ziert, dass sich eine auch nur annä­hernd homo­ge­ne Zusam­men­set­zung fast nir­gends mehr fin­det. Wir erle­ben ein regel­rech­tes Mosa­ik der Kul­tu­ren. Was bedeu­tet dies für christ­li­che Gemein­den?

Eine christliche Bewegung im Mosaik

Eine Bewe­gung in Deutsch­land zeigt, was in die­sem Umfeld ent­ste­hen kann. Vor gut 8 Jah­ren grün­de­te Ste­phen Beck, ein Dozent an der Frei­en Theo­lo­gi­schen Hoch­schu­le Gies­sen in Deutsch­land, zusam­men mit eini­gen sei­ner Stu­den­ten eine «Gemein­de für ande­re». In einer ersten Zeit erreich­ten sie nur ein­zel­ne Deut­sche und Migran­ten. Dann tauch­te ein Afgha­ne auf, der sich kurz zuvor für ein Leben mit Jesus ent­schie­den hat­te. Er lud immer mehr Lands­leu­te ein. Die Über­set­zungs­an­la­ge, die die Gemein­de zwar wegen ihrer Visi­on ange­schafft hat­te, aber noch nicht nut­zen konn­te, wur­de plötz­lich benö­tigt. Ein wei­te­rer Afgha­ne erzähl­te, dass er in der Nacht Jesus in einem gros­sen Licht gese­hen hat­te und von ihm den Auf­trag bekam, in die­se Gemein­de zu gehen.

Aus die­sen Anfän­gen ent­stand eine rich­tig­ge­hen­de Wel­le. Mit dem Zustrom von Flücht­lin­gen im Jahr 2015 tauch­ten immer mehr Mus­li­me auf, die nach Isa (Jesus) frag­ten und mit ihm leben woll­ten. In die­ser über­ra­schen­den Situa­ti­on muss­te das Gemein­de­grün­dungs­team sei­ne Arbeit ganz neu über­den­ken. Es for­mu­lier­te das Kon­zept der «mono-mul­ti­kul­tu­rel­len Gemein­de», die aus­ge­hend von einer deut­schen Basis­kul­tur Men­schen aus ande­ren Kul­tu­ren Platz bie­tet. Ver­schie­de­ne der Stu­die­ren­den began­nen nach Abschluss ihrer Aus­bil­dung wei­te­re Gemein­den mit der­sel­ben DNA zu grün­den. Inner­halb der fol­gen­den Jah­re ent­stan­den so über 15 Gemein­den im Gross­raum Frank­furt, die sich zur soge­nann­ten Mosa­ik-Bewe­gung zäh­len. In sei­nem Buch «Mis­si­on Mosa­ik­kir­che. Wie Gemein­den sich für Migran­ten und Flücht­lin­ge öff­nen» erzählt Ste­phen Beck die­se Geschich­te und gibt mehr Hin­ter­grün­de, wie die­se Gemein­den geprägt sind.

Die erste kulturell gemischte, christliche Gemeinde

Blen­den wir knapp 2000 Jah­re zurück. Die Welt, in der die ersten Chri­sten leb­ten, kann­te eini­ge Migra­ti­ons­be­we­gun­gen und war kul­tu­rell stark durch­mischt. Doch erst in der Gross­stadt Antio­chia kamen Chri­sten, die bereits über inter­kul­tu­rel­le Erfah­rung ver­füg­ten, auf den Gedan­ken, das Evan­ge­li­um über Kul­tur­gren­zen hin­weg zu ver­kün­den – mit durch­schla­gen­dem Erfolg: Durch die trans­kul­tu­rel­le Evan­ge­li­sa­ti­on wuchs die Gemein­de stark. Die Gemein­de in Jeru­sa­lem sand­te Bar­na­bas um die­ses Phä­no­men zu über­prü­fen. Dank einem vom Hei­li­gen Geist gelei­te­ten Unter­schei­dungs­ver­mö­gen erkann­te er die Gna­de Got­tes in die­ser Ent­wick­lung (Apo­stel­ge­schich­te 11,19 – 26).

Bar­na­bas und die Gemein­de in Antio­chia schei­nen sich nicht die Fra­ge gestellt zu haben, ob die Migra­ti­on der Men­schen berech­tigt war. Ihr Anlie­gen war, dass Men­schen mit unter­schied­li­chen kul­tu­rel­len Hin­ter­grün­den von Jesus hören kön­nen.

Die aktu­el­le Aus­gangs­la­ge in unse­rer Gesell­schaft ist nicht total ver­schie­den und es stellt sich die­sel­be Fra­ge wie damals: Wie kön­nen christ­li­che Gemein­den mit der kul­tu­rel­len Durch­mi­schung umge­hen?

Situation in der Schweiz

Im März 2018 war ich mit Ste­phen Beck wäh­rend zwei Tagen in Grau­bün­den und in der Ost­schweiz unter­wegs. An zwei regio­na­len Aus­tausch­tref­fen lies­sen sich etwa 50 Lei­ter und inter­kul­tu­rel­le Ver­ant­wort­li­che aus ver­schie­de­nen Gemein­den von Ste­phens Erzäh­len über die Ent­ste­hung der Mosa­ik-Bewe­gung begei­stern. Beson­ders beein­druckt waren sie von Got­tes Timing, wie er alles Not­wen­di­ge bereit­stell­te, bevor mit der Flücht­lings­wel­le von 2015 vie­le Men­schen in Deutsch­land ein­tra­fen, die nicht nur eine neue Hei­mat, son­dern Gott such­ten.

Im anschlies­sen­den Grup­pen­aus­tausch tauch­te eine Fra­ge immer wie­der auf: Die Schweiz hat von der Flücht­lings­wel­le nur klei­ne Aus­läu­fer mit­be­kom­men. Im Jahr 2015 kamen gera­de ein­mal 10’000 Asyl­su­chen­de mehr als im Vor­jahr. Was wir sehr viel mehr spü­ren, ist eine lang­sam stei­gen­de Flut – und das schon seit vie­len Jah­ren. Was kön­nen wir von der Mosa­ik-Bewe­gung ler­nen, wenn wir nicht auf einer Wel­le sur­fen, son­dern in der stei­gen­den Flut schwim­men ler­nen müs­sen?

Schwimmen lernen

In der Schweiz ent­stand bis­her kei­ne Bewe­gung von kul­tu­rell gemisch­ten Gemein­de­neu­grün­dun­gen. In ein paar Regio­nen wur­den inter­kul­tu­rel­le Got­tes­dien­ste gestar­tet, aber es ist noch offen, ob sich aus die­sen monat­li­chen oder vier­tel­jähr­li­chen Ange­bo­ten eigen­stän­di­ge Gemein­den ent­wickeln wer­den.

Die zuneh­men­de Zahl von Migran­tin­nen und Migran­ten, die aus christ­li­chem Hin­ter­grund stam­men oder sich neu für den Glau­ben an Jesus inter­es­sie­ren, macht sich in den bestehen­den frei­kirch­li­chen Gemein­den bemerk­bar. Ein beacht­li­cher Teil bie­tet Pro­gram­me für Geflüch­te­te und ande­re Ein­wan­de­rer an. Auch in den Got­tes­dien­sten tau­chen immer mehr Men­schen aus die­sen Hin­ter­grün­den auf.

Gelungene Mischung – interkulturell

An eini­gen Orten gelingt es Schwei­zer Gemein­den, Men­schen von sehr unter­schied­li­chem Hin­ter­grund zu inte­grie­ren. Die kul­tu­rel­le Durch­mi­schung nimmt zu, aber es bil­den sich kei­ne Grup­pen oder Haus­krei­se ande­rer Spra­che. In ihrer Funk­ti­ons­wei­se stellt sich die Gemein­de zwi­schen die Kul­tu­ren, sie ist in die­sem Sinn inter­kul­tu­rell. In der Pra­xis beein­flus­sen die Her­kunfts­kul­tur des Lei­ters und die Gast­kul­tur die gemein­de­ei­ge­ne Mischung am stärk­sten.

Kulturelle Vielfalt – multikulturell

Ande­re Gemein­den spre­chen geziel­ter Geflüch­te­te und Migran­ten aus einer oder einer klei­nen Zahl von Her­kunfts­re­gio­nen an und kön­nen so spe­zi­fi­sche Haus­krei­se oder Got­tes­dien­ste anbie­ten. Es gibt Platz für kul­tu­rel­le Viel­falt, die Gemein­de ist in die­sem Sinn mul­ti­kul­tu­rell. Bei den gemein­sa­men Got­tes­dien­sten prägt oft die Gast­kul­tur den Rah­men. Die Mosa­ik-Bewe­gung lebt und pro­pa­giert eine Vari­an­te die­ses Modells.

Den eigenen Weg suchen

Sobald christ­li­che Gemein­den Men­schen ande­rer kul­tu­rel­ler Prä­gung inte­grie­ren, bewe­gen sie sich auf das eine oder ande­re die­ser bei­den Model­le zu. Je nach Ent­wick­lung kann sich der Schwer­punkt auch ver­schie­ben. Dabei ist es hilf­reich, die Unter­schie­de zwi­schen den bei­den Model­len zu ken­nen und die jewei­li­gen Stär­ken und Her­aus­for­de­run­gen bei den näch­sten Schrit­ten zu berück­sich­ti­gen. Inter­kul­tu­rel­le Sen­si­bi­li­tät und Kom­pe­ten­zen wer­den auf jeden Fall benö­tigt. Wie die­se Dyna­mi­ken ablau­fen kön­nen, habe ich in ande­ren Arti­keln beschrie­ben (www.africanlink.ch#literatur).

focusC in Chur

Eines der bei­den oben erwähn­ten regio­na­len Aus­tausch­tref­fen vom Früh­jahr 2018 fand bei focusC (FEG Chur) statt. Schon damals hat­te die Gemein­de eini­ge inter­na­tio­na­le Got­tes­dienst­be­su­cher aus ver­schie­de­nen Län­dern. Ange­lei­tet von Glo­bal Focus (www​.glo​bal​fo​cus​.ch) schärf­te die Gemein­de ihre mis­sio­na­le Aus­rich­tung, unter ande­ren auch im inter­kul­tu­rel­len Bereich vor Ort.

Inzwi­schen hat die Zahl der Far­si- und Kur­disch-spre­chen­den Got­tes­dienst­be­su­cher stark zuge­nom­men. Somit stellt sich die Fra­ge, wel­che Gefäs­se sich für sie am besten eig­nen. Aktu­ell beschäf­tigt das Lei­tungs­team die Fra­ge, wie Chri­sten mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund in die Lei­tung der Gemein­de ein­be­zo­gen wer­den kön­nen. Der Gemein­de ist sich bewusst, dass es kei­ne ein­fa­chen Lösun­gen gibt. Ein ent­schei­den­der Fak­tor für die Ent­wick­lung sind genü­gend per­so­nel­le Res­sour­cen für den inter­kul­tu­rel­len Bereich, die lei­der nicht immer zur Ver­fü­gung ste­hen.

Auch die Kon­tak­te zu drei inter­na­tio­na­len Gemein­den (eri­tre­isch, bra­si­lia­nisch, tami­lisch), die in den Räu­men von focusC ihre eige­nen Got­tes­dien­ste fei­ern, ent­wickeln sich wei­ter. Kürz­lich wur­de ein gemein­sa­mer Tag mit den eri­trei­schen Chri­sten zusam­men gefei­ert.

Als ein High­light hat focusC im letz­ten Jahr das «Per­si­sche Wochen­en­de» erlebt. Wäh­rend drei Tagen beher­berg­te die Gemein­de gläu­bi­ge Per­ser aus der Regi­on Ost­schweiz. Die bei­den ersten Tage gal­ten der geist­li­chen Stär­kung und Ermu­ti­gung. Die Gemein­de selbst erleb­te den Sonn­tag als den Höhe­punkt. Der Got­tes­dienst mit kur­zen Lebens­be­rich­ten ira­ni­scher Chri­sten hat­te eine nach­hal­ti­ge Wir­kung und hat die Blick­rich­tung vie­ler Schwei­zer Chri­sten ver­än­dert.

Perspektiven

Aus heu­ti­ger Sicht kann man davon aus­ge­hen, dass die kul­tu­rel­le Durch­mi­schung der Schweiz wei­ter zuneh­men wird. Christ­li­che Gemein­den sind gefor­dert, sich immer wie­der auf die aktu­el­le Migra­ti­ons­si­tua­ti­on ein­zu­stel­len, damit sie in der Gesell­schaft mis­sio­nal blei­ben bzw. wer­den. Ent­schei­dend wird dabei sein, die bereits ein­ge­wan­der­ten Chri­sten ein­zu­be­zie­hen. Dazu gehört es auch, das Poten­zi­al der Migra­ti­ons­kir­chen und inter­na­tio­na­len Gemein­den durch Zusam­men­ar­beit stär­ker zu nut­zen.

Eine beson­de­re Schlüs­sel­rol­le kommt jun­gen Leu­ten der zwei­ten Migra­ti­ons­ge­nera­ti­on zu. Sie haben Erfah­rung mit dem Schwei­zer Leben und mit der Kul­tur und mit der Her­kunfts­kul­tur ihrer Eltern. Damit sich die­se Brücken­funk­ti­on ent­fal­ten kann, braucht es ein beson­de­res Augen­merk auf die­se jun­gen Men­schen. Eini­ge von ihnen füh­len sich in den mono­kul­tu­rel­len Gemein­den ihrer Eltern nicht mehr voll zu Hau­se füh­len, fin­den aber auch nicht ohne Wei­te­res in Ange­bo­te von Schwei­zer Kir­chen und Gemein­den hin­ein. Kul­tu­rell gemisch­te Gemein­den kom­men sol­chen Bedürf­nis­sen am ehe­sten ent­ge­gen.

Mein Wunsch für die Zukunft der Schwei­zer Kir­chen­land­schaft ist, dass sich immer mehr Gemein­den für kul­tu­rel­le Durch­mi­schung und Viel­falt öff­nen. Sie wer­den eini­ge Her­aus­for­de­run­gen zu bewäl­ti­gen haben, aber auch ech­te Berei­che­rung und – vor allem – Got­tes Gna­de wie zu Zei­ten der Apo­stel­ge­schich­te erle­ben.


Johan­nes Mül­ler

Johan­nes Mül­ler lei­tet Afri­can Link (www​.afri​can​link​.ch), einen Dienst von «MEOS Inter­kul­tu­rel­le Dien­ste» (www​.meos​.ch), der mit von Afri­ka­nern gelei­te­ten Gemein­den in der Schweiz arbei­tet. Er gehört auch zum Kern­team der  Arbeits­ge­mein­schaft inter­kul­tu­rell der Schwei­ze­ri­schen Evan­ge­li­schen Alli­anz (www​.inter​cul​tu​rel​.info).

Seminartag zum Thema

Am Mitt­woch 6. Mai bie­tet Johan­nes Mül­ler in Aar­au einen Semi­nar­tag über Gemein­de­le­ben im Mosa­ik der Kul­tu­ren an. Infor­ma­tio­nen und Link zur Anmel­dung: https://​inter​cul​tu​rel​.info/​v​e​r​a​n​s​t​a​l​t​u​n​g​/​t​a​g​e​s​s​e​m​i​n​a​r​_​e​i​n​h​e​i​t​_​i​n​_​v​i​e​l​f​alt.

 

Nadou Joy: Die internationale Gemeinde gab mir Heimat

I was born in Hai­ti and was adop­ted in Fran­ce at the age of 8. I am black and my first name is Ner­lan­de. The Lord bap­ti­zed me Joy.

I strugg­led to talk about my faith with my par­ents, self-pro­c­lai­med athe­ists. I enjoy­ed the com­pa­ny of one of my grand-mother very much. She knew God and would talk to me about the bible despi­te of my par­ents. I desi­red them to under­stand and sha­re the love I have for my hea­ven­ly Father, for God wan­ted the Gos­pel brought to every nati­on, belie­vers and non belie­vers. He is a source of hope to all. And I wan­ted them to be saved. Ulti­mate­ly God used me at some point to bring the gos­pel Good News to my mother. What I mean is bet­ter illu­stra­ted in Act 11 (1 – 24). We are cal­led to unite under Jesus lea­dership and our one Sheppard, our only chan­ce for redemp­ti­on.

God’s crea­ti­ons are full of colors and reli­efs, with many varie­ties of plants land­s­capes and ani­mals. Man­kind I belie­ve is crea­ted the same way with dif­fe­rent per­so­na­li­ty and cha­rac­ters, value, cul­tu­re… and through the Holy Spi­rit, many dif­fe­rent lan­guages. In every nati­on peop­le are able to teach and learn from each other, and under­stand the Word of God in their own lan­guage. While gro­wing up, rai­sed by white peop­le, I had a hard time appre­cia­ting and com­ing to term with the fact that I was black in a white “world”, with no one loo­king like me. I used to ask my mother: “if I drink lots of milk, could I be white like you?”She laug­hed while loo­king a litt­le bit puz­zled. I under­s­tood over the years that color made no dif­fe­rence in my fami­ly for all black, white, Lati­na and even Asia­tic con­ti­nent are rep­re­sen­ted. We look all dif­fe­rent with dif­fe­rent histo­ry but we under­stand that we were all the same wit­hout being able to put words into it. I am mar­ried to an Afri­can man. And even so I am a black woman, the French edu­ca­ti­on in me has brought some­ti­mes inter­cul­tu­ral ten­si­on for not quiet under­stan­ding one ano­t­her. But thank to God that has soon pas­sed. He is also a child of God.  In my local church, at the begin­ning I felt regar­ded curious­ly; I was one of so few black one. But they all accep­ted me so warm­ly and total­ly that I felt soon at home becau­se they show inte­rest and in turn they teach me a lot about the cul­tu­re I live in.

I belie­ve that we are all the church of God, having Jesus as the Head. This church is the body of Christ, and like a well oiled machi­ne, we all have a task to car­ry out. And it is very important that all nati­ons are invol­ved so the Word of God spread more wild­ly. When I go to an assem­bly whe­re I see a varie­ty of cul­tu­re and hear many dif­fe­rent lan­guages, I am filed with emo­ti­on kno­wing that this is as God has inten­ded it. This inter­cul­tu­ral cult brings peop­le clo­ser tog­e­ther, forces respect and pro­ne tole­ran­ce and accep­tan­ce. The­re are so many things we can learn from each other. Regard­less of diver­se back­grounds, we are one. I encou­ra­ge non belie­vers to plea­se see the movie “the lion King” and you can under­stand ful­ly what I mean. And with one same heart, gui­ded by one Spi­rit, hea­ding on the same path toward the House of the Lord, our voices rai­se as one to prai­se and wor­ship the One and only King that we all know and have in com­mon. That com­mu­ni­on is so strong. We do not speak the same lan­guage… but in one momen­tum we all under­stand each other, no bor­ders. For a tiny moment I don’t care whe­re you are from. I only know that I have a new bro­ther or sister in Christ and it is beau­ti­ful. We are all pri­celess to the eyes of God. We all belong to Him and are His child­ren. His love and tole­ran­ce pre­vail above hat­red or rejec­tion of this world as we know it. Sin­ce a young age, some of my fel­low human being has been pre­ju­di­ce, hurt­ful or unkind to me becau­se of whe­re I came from or becau­se of the way I look or may­be being afraid of what they didn’t know… I for­gi­ve them kno­wing that on doing so, they were not awa­re that diver­si­ty in all “things” is God’s will. We are to be and to look dif­fe­rent, to enrich his King­dom.

We are to cul­ti­va­te our inter­cul­tu­ral dif­fe­ren­ces, which is a won­der on its own and use it to ser­ve the Lord. I do not belie­ve that color or the cloths of peop­le or their way to eat is rele­vant in the church com­pa­red to the puri­ty of one’s heart. We are all made stron­ger when we unite tog­e­ther to wor­ship God. We are all our own Bar­na­bas or Paul, in the pur­po­se of ser­ving our Master. For Him we are one, but He loves every one of His child­ren equal­ly. Cul­tu­re, color, tra­di­ti­on or lan­guages… is to be trea­su­red and not to be afraid of. Man­kind is one of God’s crea­ti­on and per­fect­ly done, as ever­ything else He does. And we shall all live to see His glo­ry. For our heart bit the same way, the same red-colo­red blood runs through every one of us. We wor­ship the same God, our final desti­na­ti­on is hea­ven. For me cul­tu­ral plu­ra­li­ty is a beau­ti­ful can­vas of shape, color, histo­ry, reli­ef crea­ted and signed by the hand of God. I am proud to be a part of that crea­ti­on and been able to bring God’s good News to my new found fami­ly in Hai­ti for examp­le or to folks in Switz­er­land, and to sim­ply be a child of God.


Nadou Joy

Brigitte und Jimmy Fernandez: Können und sollen Kirchen multikulturell sein?

Ich erin­ne­re mich noch gut, vor fast zehn Jah­ren betrat ich zum ersten Mal eine Kir­che in Boli­vi­en. Ich war damals erst weni­ge Tage im Land und noch völ­lig über­wäl­tigt von all den neu­en Ein­drücken. Alles war anders; die Land­schaft, das Essen, das Stras­sen­le­ben und eben auch die Kir­che.

Ich hat­te gros­sen Respekt vor der Kir­che, denn ich hat­te schon viel dar­über gehört, wie kon­ser­va­tiv boli­via­ni­sche Kir­chen sein kön­nen. Frau­en müs­sen Röcke und ein Kopf­tuch tra­gen, die Musik ist oft schlecht, die Pre­dig­ten ober­fläch­lich und noch vie­les mehr. Die Kir­che, von der ich ein Teil wer­den soll­te, hat­te den Ruf, sehr kon­ser­va­tiv und auch sehr gesetz­lich zu sein. Ich befass­te mich inten­siv mit der Fra­ge, wie ich mit sol­chen kon­ser­va­ti­ven Vor­stel­lun­gen umge­hen soll­te. Wie konn­te ich mich sein, wenn mir so vie­le Din­ge vor­ge­schrie­ben wür­den? Konn­te ich Gott in einem sol­chen Umfeld fin­den? Wie konn­te ich mei­ne Bezie­hung zu Gott leben, wenn mir vor­ge­schrie­ben wür­de, was ich anzie­hen, essen, trin­ken, wie ich mei­ne Zeit ver­brin­gen, wie ich spre­chen und wohin ich gehen soll­te?

Eine Kir­che, die die­sem Ruf ent­spricht, wird kaum eine erfolg­rei­che mul­ti­kul­tu­rel­le Kir­che wer­den. Mit die­ser Fra­ge wol­len wir uns in die­sem Arti­kel beschäf­ti­gen: Was ist eine mul­ti­kul­tu­rel­le Kir­che und was braucht es, damit sie zum Segen wird?

Was ist eine interkulturelle Kirche?

Eine inter­kul­tu­rel­le Kir­che, auch mul­ti­kul­tu­rell oder mul­ti­eth­nisch genannt, ist eine Kir­che, in der nicht eine bestimm­te Kul­tur vor­herrscht, son­dern in der es Mit­glie­der aus ver­schie­de­nen kul­tu­rel­len Hin­ter­grün­den hat und die­se auch in das Gemein­de­le­ben ein­flies­sen. In der Schweiz kön­nen das zum Bei­spiel Kir­chen sein, in denen es Schwei­zer, aber auch Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund hat. Die Lei­tung wür­de in die­sem Bei­spiel nicht nur aus Schwei­zern bestehen und der Got­tes­dienst wäre nicht klas­sisch schwei­ze­risch, son­dern hät­te Ele­men­te aus den ver­schie­de­nen Kul­tu­ren der Mit­glie­der.

Bevor wir ganz in das The­ma ein­tau­chen, möch­ten wir aber fest­hal­ten, dass nicht alle Kir­chen inter­kul­tu­rell sein kön­nen oder sogar sein müs­sen. Es gibt Orte, an denen es kaum Aus­län­der gibt, wie zum Bei­spiel im Bünd­ner­land. Dann ist es nicht nötig eine mul­ti­eth­ni­sche Gemein­de zu sein. Aber auch an Orten, an denen es Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund hat, müs­sen nicht alle Kir­chen inter­kul­tu­rell sein. Jede Kir­che ist ver­schie­den, hat einen spe­zi­fi­schen Kon­text und ist des­halb auch ein­zig­ar­tig.

Welche Kultur ist richtig?

Welt­weit gibt es rie­si­ge Unter­schie­de, wie das Gemein­de­le­ben und das Leben als Nach­fol­ger Jesus gestal­tet wird. Die einen wol­len lau­te, leb­haf­te Musik, die ande­ren mögen es lie­ber lei­se. Für eini­ge muss der Pre­di­ger unbe­dingt ein Mann sein, für ande­re darf es auch eine Frau sein. Eini­ge geben sich extra Mühe beim Aus­su­chen der Klei­der für den Got­tes­dienst, ande­re kom­men so, wie es gera­de bequem ist. Es gibt Kir­chen, da sit­zen Män­ner und Frau­en getrennt und in ande­ren wol­len Paa­re zusam­men­sit­zen. An eini­gen Orten dür­fen alle am Abend­mahl teil­neh­men, in ande­ren Kir­chen nur die­je­ni­gen, die zei­gen, dass sie Jesus aus gan­zem Her­zen nach­fol­gen. Ein­heit­lich ist eigent­lich nur, dass es sehr schwie­rig ist, einen gemein­sa­men Kon­sens der ver­schie­de­nen Sti­le und Vor­stel­lun­gen zu fin­den.

Wenn wir es aber schaf­fen, uns so zu arran­gie­ren, dass ver­schie­de­ne Kul­tu­ren in unse­ren Kir­chen Platz haben, kön­nen wir viel von­ein­an­der ler­nen. Migran­ten, die neu in der Schweiz sind, kön­nen bes­ser inte­griert wer­den und mehr über das Leben in der Schweiz ler­nen. Schwei­zer kön­nen ler­nen, fle­xi­bler und offe­ner zu sein. Wir alle kön­nen neue Per­spek­ti­ven gewin­nen und neue Ide­en bekom­men, wie wir Gott mit unse­ren Leben ehren kön­nen.

Einige Ideen, damit es funktioniert

Was machen wir nun, damit die Her­aus­for­de­run­gen zum Segen wer­den? Wir glau­ben, dass eine mul­ti­eth­ni­sche Kir­che nur funk­tio­niert, wenn alle bereit sind nach­zu­ge­ben. Es wird nicht funk­tio­nie­ren, wenn wir sagen: «Wir sind in der Schweiz und in der Schweiz macht man es so». Zen­tral ist nicht, wie wir es schon immer gemacht haben, son­dern was die Bibel dazu sagt. Nie­mand soll­te in sei­nen Tra­di­tio­nen erstar­ren, son­dern wir alle müs­sen unse­re Wer­te und Bräu­che mit der Bibel abglei­chen.

Gesprä­che und gemein­sa­mes Bibel­stu­di­um sind also ent­schei­dend. Dabei kön­nen Men­schen aus ver­schie­de­nen Kul­tu­ren erklä­ren, wes­halb sie etwas auf eine bestimm­te Art und Wei­se machen. Alle, die an sol­chen Gesprä­chen teil­neh­men, soll­ten mit Offen­heit dabei sein. Das Ziel ist nicht, ande­re von der eige­nen Ansicht zu über­zeu­gen, son­dern von­ein­an­der zu ler­nen. So begin­nen wir, nicht eine Schwei­zer Kul­tur zu leben, son­dern die Kul­tur des Rei­ches Got­tes. Wir schüt­zen uns auch vor Gesetz­lich­keit, denn wir wer­den unse­re Vor­stel­lun­gen und Richt­li­ni­en immer wie­der über­den­ken und ana­ly­sie­ren müs­sen.

Es wird Fra­gen geben, die nicht in einem ein­ma­li­gen Gespräch gelöst wer­den kön­nen. Eini­ge müs­sen immer wie­der gestellt und um Lösun­gen muss immer wie­der gerun­gen wer­den. Es wird auch Fra­gen geben, auf die wir nie eine ein­heit­li­che Ant­wort fin­den wer­den.  Man­che Fra­gen müs­sen und sol­len offen­blei­ben.

Dabei kann uns das fol­gen­de Zitat lei­ten:

Im Not­wen­di­gen Ein­heit, im Nicht-Not­wen­di­gen Frei­heit, in bei­dem Lie­be — Ruper­tus Mel­de­ni­us

Wel­che Ant­wor­ten sind not­wen­dig und müs­sen dar­um gefun­den wer­den und wo müs­sen wir üben, damit zu leben nicht einer Mei­nung zu sein?

 «…die größte aber von diesen ist die Liebe» (1. Korinther 13:13)

Aber das Wich­tig­ste, das Zen­tral­ste ist, wie es das Zitat sagt, die Lie­be. Wenn wir mit­ein­an­der im Gespräch blei­ben und gemein­sam Lösun­gen suchen, soll immer die Lie­be zum Näch­sten an erster Stel­le ste­hen. Es ist so schnell pas­siert, dass wir mei­nen, uns auf unser Recht beru­fen zu kön­nen.

Mit­te Janu­ar haben wir in der gan­zen Schweiz die Alli­anz­wo­che gefei­ert. Am Sonn­tag zum Abschluss der Woche haben wir ande­re Kir­chen zu uns in den Got­tes­dienst ein­ge­la­den. Der Got­tes­dienst begann eigent­lich ganz gut, wir haben uns viel Mühe gege­ben, damit sich unse­re Gäste will­kom­men füh­len. Doch dann, nach den ersten Pre­digt­sät­zen, steht ein Gast auf und beschwert sich dar­über, dass vor ihm über­setzt wird. Das Geräusch einer zwei­ten Stim­me, die als unre­gel­mäs­si­ges Echo wahr­ge­nom­men wur­de, stör­te ihn in sei­ner Kon­zen­tra­ti­on auf die Pre­digt. Wir hat­ten an die­sem Sonn­tag auch Besuch von jeman­dem, der kein Deutsch spricht und für ihn wur­de auf Spa­nisch über­setzt. Ich habe mich wie ein Koch­topf gefühlt, der gleich über­spru­delt, ich war so auf­ge­bracht. Ich habe mir Din­ge, wie die fol­gen­den Sät­ze gedacht: «Wie wagt er es, sich als Gast zu beschwe­ren?» und «Wie kann man nur so ego­istisch sein?» Doch gleich dar­auf hat Gott mich ange­stupst und ich habe gemerkt, wie ich mich auf mei­ne Tra­di­ti­on und mein Recht beru­fe. Ent­schei­dend ist nicht, was ich will oder rich­tig fin­de, son­dern die Lie­be soll regie­ren. Viel­leicht brauch­te die­ser Mann genau die­se Pre­digt für sein Leben. Oder er hat sich für jemand ande­ren ein­ge­setzt. Ich habe gemerkt, wie vor­schnell ich geur­teilt habe, genau, was ich eigent­lich nicht machen will.

Nun zurück zu mei­nem Anfang in Boli­vi­en. Wie gesagt, es sah gar nicht rosig aus, doch es kam ganz anders als erwar­tet. Begrüsst wur­de ich von sehr lie­be­vol­len Men­schen, die mich sofort in ihr Herz geschlos­sen hat­ten, obwohl ich noch gar nichts gemacht hat­te. Ich konn­te kaum mehr sagen als «Hola». Die Kir­che, die mich so herz­lich auf­ge­nom­men hat­te, wur­de zu einem rie­si­gen Geschenk für mich, die Pre­dig­ten waren rele­vant und tief­grün­dig und die Musik super! Obwohl «mei­ne» Kir­che in Boli­vi­en tat­säch­lich zu den kon­ser­va­tiv­sten gehört, blüh­te mei­ne Got­tes­be­zie­hung rich­tig auf. Ich merk­te schnell, dass vie­le der Regeln und Vor­stel­lun­gen Sinn mach­ten. Es waren auch gar nicht wirk­lich Regeln, son­dern Din­ge, die ich anfing, aus Lie­be zu Gott und mei­nen Mit­men­schen zu tun oder eben nicht. Und klar gibt es Über­zeu­gun­gen, die ich bis heu­te nicht tei­le oder nicht ver­ste­he. Eini­ge Din­ge lebe ich bewusst anders, um ein Vor­bild zu sein und ande­re respek­tie­re ich aus Lie­be zu mei­nen Mit­men­schen.

Bri­git­te und Jim­my Fer­nan­dez