Gott ist unkaputtbar — eine Buchkritik

Paul Bruderer
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Wer ein Buch als Vor­wort zu einer Tri­lo­gie von Tri­lo­gien schreibt, muss etwas ganz Gewich­ti­ges auf dem Her­zen haben. Chri­sti­an A. Schwarz lie­fert mit sei­nem Buch Gott ist unka­putt­bar (2020, Gerth Medi­en) einen Teaser zu ins­ge­samt neun (!) Büchern, die er in den näch­sten Jah­ren ver­öf­fent­li­chen will. Mit sei­nem Insti­tut für Natür­li­che Gemein­de­ent­wick­lung (NGE) hat sich Schwarz im deutsch­spra­chi­gen Raum viel Aner­ken­nung bei Pasto­ren und Kirch­ge­mein­den erwor­ben. Mit sei­nem neu­en Gross­pro­jekt will er uns in ein «neu­es Chri­sten­tum» beglei­ten. Grund genug, «Unka­putt­bar» zu Gemü­te zu füh­ren.

Beim Lesen von Unka­putt­bar erle­be ich ein stän­di­ges Wech­sel­bad der Gefüh­le. Einen Moment fin­de ich mich inner­lich nickend und stau­nend über wert­vol­le Ein­sich­ten und Weis­hei­ten zu christ­li­cher Gemein­de und Glau­ben. Weni­ge Sät­ze oder Wor­te spä­ter fra­ge ich mich per­plex, was Schwarz wirk­lich meint oder muss kopf­schüt­telnd fest­stel­len, wie fremd das «neue Chri­sten­tum» für mich ist, wel­ches er uns prä­sen­tiert. Eines muss ich Schwarz las­sen: Er hat den wohl cool­sten Buch­ti­tel im deut­schen Raum seit Jah­ren gefun­den!

Der Mehrwert liegt im Nicht-theologischen Bereich

Eini­ge Kapi­tel im Buch sind nicht so expli­zit theo­lo­gisch aus­ge­rich­tet. Die­se sind mit­un­ter rich­tig gut. Sie zei­gen die gesam­mel­ten Erfah­run­gen von Schwarz in sei­ner Bera­tung von Gemein­den, und soll­ten von Lei­tern in christ­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen und Kirch­ge­mein­den stu­diert wer­den!

Ins­be­son­de­re das Kapi­tel «Füh­rung neu defi­nie­ren» for­mu­liert unab­ding­ba­re Lei­tungs-Prin­zi­pi­en, wel­che unge­sun­den, mani­pu­lie­ren­den und miss­bräuch­li­chen Ent­wick­lun­gen vor­beu­gen oder die­se aus­rot­ten hel­fen. Über­grif­fe ver­schie­den­ster Art fin­den, so Schwarz, fast immer in Kon­tex­ten statt, die durch ein klar erkenn­ba­res Muster gekenn­zeich­net sind: «Ein Lei­ter, dem es nicht gelingt — oder dem es über­haupt kein Anlie­gen ist -, die eige­ne Macht dar­auf zu kon­zen­trie­ren, ande­re Men­schen zu bevoll­mäch­ti­gen.» Die Kunst der Bevoll­mäch­ti­gung ist «ein Mit­tel gegen emo­tio­na­len, geist­li­chen und kör­per­li­chen Miss­brauch». (Sei­te 30)

Das Kapi­tel über die «10/90 Rea­li­tät» zeigt, wie wich­tig es ist, Men­schen in Kir­chen­zu befä­hi­gen für ihren Dienst aus­ser­halb der Kir­che. Das emp­fin­de auch ich als sehr wich­tig.

Die Beto­nung in Kapi­tel 12 eines Pro­zes­ses fort­lau­fen­den geist­li­chen und per­sön­li­chen Wachs­tums ist ange­bracht, auch wenn ich mich da weni­ger opti­mi­stisch füh­le wie Schwarz. Ich erle­be in jahr­zehn­te­lan­ger Seel­sor­ge, wie Men­schen alle mög­li­chen Ideen, Prin­zi­pi­en und Prak­ti­ken anwen­den, um im Leben und Glau­ben zu wach­sen. Sie erfah­ren dabei rea­le Ver­än­de­rung! Dann kommt ein unge­wöhn­lich gros­ser Druck auf sie, und sie fal­len in die Muster zurück, die sie noch vor vie­len Jah­ren aus­leb­ten. Es gibt selbst­ver­ständ­lich Aus­nah­men. Ich fra­ge mich immer mal wie­der, wie viel Ver­än­de­rung Men­schen erfah­ren kön­nen. Des­halb mag ich Ansät­ze, wel­che auch mit dem Nicht-Wachs­tum von Chri­sten zurecht kom­men, ohne dass dabei unrei­fes oder sünd­haf­tes Ver­hal­ten gut­ge­heis­sen oder gerecht­fer­tigt wür­de.

Theologische Einsichten

Die mehr auf Theo­lo­gie aus­ge­rich­te­ten Kapi­tel und Tei­le füh­ren uns zu den span­nen­den und kon­tro­ver­sen Ele­men­ten des Buches. Ich ver­su­che hier zusam­men­zu­fas­sen, was mei­ne Auf­merk­sam­keit erregt hat.

Das Kon­zept der «Ener­gie Got­tes» hat seit der Ver­öf­fent­li­chung von Unka­putt­bar Inter­es­se und auch Wider­spruch geweckt. Schwarz loka­li­siert die­se Theo­lo­gie in der Bibel. Inspi­riert ist er dabei von der Ost­kir­che, wel­che sich im ersten Jahr­tau­send von der West­kir­che getrennt hat. Hier schlum­mern, so Schwarz, theo­lo­gi­sche Schät­ze, wel­che uns «im Westen» abhan­den gekom­men sei­en und uns hel­fen, den Weg ins «Chri­sten­tum 3.0» zu fin­den.

Die Ener­gie Got­tes bil­det gemäss Schwarz sozu­sa­gen ein gemein­sa­mes meta­phy­si­sches Fun­da­ment, das Chri­sten mit Nicht­chri­sten aller Art ver­bin­det. Auf die­ser Grund­la­ge soll es mög­lich sein, gemein­sa­me Lern­pro­zes­se und spi­ri­tu­el­le Erleb­nis­se zu ermög­li­chen, denn die Ener­gie ist…

… ein Schlüs­sel zu geist­li­chen Inter­ak­tio­nen zwi­schen Chri­sten und Nicht­chri­sten. Das Ener­gie­pa­ra­dig­ma ermög­licht bei­den Grup­pen, sich auf neue For­men der Kom­mu­ni­ka­ti­on ein­zu­las­sen. Es bie­tet eine Grund­la­ge, um gemein­sa­me spi­ri­tu­el­le Erfah­run­gen zu erkun­den. (Sei­te 66)

Sogar mit Athe­isten sol­len neue Kom­mu­ni­ka­ti­ons­op­tio­nen und spi­ri­tu­el­le Erleb­nis­se mög­lich sein. Die­se füh­ren zur Über­win­dung von destruk­ti­ven «Wir/Ihr» Unter­schei­dun­gen. Aber es müs­sen Athe­isten der nicht-fun­da­men­ta­li­sti­schen Vari­an­te sein! Denn: Mit fun­da­men­ta­li­sti­schen Athe­isten kann man nicht gemein­sam ler­nen. Auch nicht mit fun­da­men­ta­li­sti­schen Chri­sten. Über­haupt: fun­da­men­ta­li­sti­sche Ten­den­zen gehö­ren für Schwarz wohl zu den gröss­ten Sün­den, wel­che Men­schen bege­hen kön­nen und gehö­ren klar «aus­ge­trock­net» (ein emo­tio­na­les Wort im Titel von Kapi­tel 9). Schwarz hat dies­be­züg­lich so etwas wie eine Null­to­le­ranz, auch wenn er fai­rer­wei­se im eige­nen Leben das Poten­ti­al von Fun­da­men­ta­lis­mus ahnt:

Wenn ich mich mit Fun­da­men­ta­lis­mus beschäf­ti­ge, dann habe ich es nicht mit Men­schen in einem ande­ren ‹Camp› zu tun, son­dern ich beschäf­ti­ge mich mit Rea­li­tä­ten in mir selbst (Sei­te 118)

Das The­ma «Fun­da­men­ta­lis­mus» zieht sich durch das gan­ze Buch und wird als eine der gröss­ten Übel dar­ge­stellt. Dies kommt sicher bei vie­len Lesern gut an. Schwarz geht auf kla­re Distanz zu Chri­sten, die zu sehr fun­da­men­ta­li­stisch ticken. Lie­ber asso­zi­iert er sich mit nicht-fun­da­men­ta­li­sti­schen Agno­sti­kern und Athe­isten (z.B. Sei­ten 94 – 95) oder mit der «mün­dig gewor­de­nen Welt», wel­che der «unmün­di­gen Chri­sten­heit» viel bei­zu­brin­gen hat (Sei­ten 26 – 27).

Um der­ar­ti­ge Lern­pro­zes­se zu durch­lau­fen, muss gemäss Schwarz binä­res Den­ken über­wun­den wer­den. Binä­res «entweder-oder»-Denken hin­dert uns, bestimm­te für unse­re Zeit wich­ti­ge Wesens­zü­ge von Gott zu erken­nen. Zum Bei­spiel soll «er» nicht nur «per­so­nal», son­dern auch «trans­per­so­nal» sein. Dies merkt oder erkennt man aber erst, wenn man binä­res Den­ken ablegt.

Wei­ter müs­sen dazu anti­quier­te Ideen über den Wider­spruch von Glau­be und Wis­sen­schaft abge­legt wer­den. Glau­be hat mehr­heit­lich mit Din­gen zu tun, wel­che jen­seits der Reich­wei­te der Wis­sen­schaft sind (trans­em­pi­ri­sche Sachen). Umge­kehrt soll Wis­sen­schaft eine ver­läss­li­che Infor­ma­ti­ons­quel­le sein für Din­ge, die empi­risch zugäng­lich sind und über die der Glau­be infol­ge­des­sen nicht so viel zu sagen hat.

Schwarz begrün­det sei­ne Erkennt­nis­se oder Aus­sa­gen immer wie­der in Bezug auf zwei Auto­ri­tä­ten, wel­che im Buch wie­der­holt in Anspruch genom­men wer­den: Diet­rich Bon­hoef­fer und sei­ne Daten­bank mit empi­ri­schen Infor­ma­tio­nen aus 75’000 Gemein­den und über 2 Mil­lio­nen Chri­sten. So gerü­stet, möch­te Schwarz Wege auf­zei­gen, wel­che die Chri­sten­heit aus des­sen angeb­li­cher Rele­vanz­kri­se füh­ren kön­nen.

Meine Fragen

Es ist kei­ne Fra­ge für mich, dass Chri­sti­an Schwarz ein gros­ses Anlie­gen für die Zukunft der Chri­sten­heit hat! Dafür hat er sein Den­ken, Schaf­fen und Leben hin­ge­ge­ben und tut es wei­ter­hin. Schwarz muss dafür gewür­digt wer­den. Immer wie­der «pop­pen» mir beim Lesen wich­ti­ge und wei­se Aus­sa­gen auf. Doch ins­ge­samt blei­ben mir vie­le Fra­gen offen und Din­ge, die ich anders sehe. Wenn ich in die­sem Kapi­tel vor allem die­se Ele­men­te beleuch­te, will ich damit die vie­len wirk­lich guten Aus­sa­gen im Buch nicht in den Schat­ten stel­len — auch jene nicht, die ich in die­sem Text gar nicht erwäh­ne.

Energie Gottes

Sein erstes wei­ter­füh­ren­des Buch the­ma­ti­siert die «Ener­gie Got­tes» und ist zu einem sat­ten Preis im Buch­han­del erhält­lich. Ich freue mich dar­auf, es bald zu lesen. Viel­leicht beant­wor­tet Schwarz dort fol­gen­de Fra­ge: Gibt es einen Zusam­men­hang von dem, was er «trans­per­so­na­le Ener­gie Got­tes» nennt, mit dem, was wir in der west­li­chen Kir­che die «erhal­ten­de Kraft» Got­tes nen­nen?

In der west­li­chen Kir­che redet man unge­fähr so: Gott allein hat die Eigen­schaft, aus eige­ner Kraft exi­stie­ren zu kön­nen. Alles ande­re besitzt die­se Eigen­schaft nicht, und muss des­halb von Gott in Exi­stenz erhal­ten sein. Wenn Gott irgend­wo in der Welt die­se erhal­ten­de Ener­gie zurück­zie­hen wür­de, wäre die­se Gegend des Uni­ver­sums sofort im abso­lu­ten Nichts auf­ge­löst. Ange­nom­men, die­ses Got­tes­bild ist eini­ger­mas­sen wahr, ist es auch wahr, dass alle Men­schen die­se Ener­gie erle­ben, egal wel­cher Reli­gi­on sie ange­hö­ren. Über­haupt «erlebt» alles, was erschaf­fen ist, die­se erhal­ten­de Kraft Got­tes — Bäu­me, Ster­ne, Natur­kräf­te, etc. Meint Schwarz die­se Kraft/Energie? Wenn ja, wäre die Ener­gie-Theo­lo­gie von Schwarz nicht so neu oder revo­lu­tio­när, wie er zu glau­ben meint.

Aber ganz abge­se­hen von der Ant­wort auf obi­ge Fra­ge, beschäf­tigt mich etwas ande­res viel mehr. War­um soll die Erkennt­nis nötig sein, dass eine sinn­lich nicht erfahr­ba­re, aber uni­ver­sell vor­han­de­ne Kraft/Energie exi­stiert, um gemein­sa­me Lern­pro­zes­se von Men­schen ver­schie­de­ner Reli­gio­nen zu ermög­li­chen? Für trans-reli­giö­se Lern­pro­zes­se braucht es aus mei­ner Sicht nicht so etwas wie eine «ener­ge­ti­sche kos­mi­sche Hin­ter­grund­strah­lung», son­dern ein uni­ver­sel­les Men­schen­bild, das die Begeg­nung von Men­schen unter­schied­li­cher Reli­gio­nen mög­lich macht. Die­ses Men­schen­bild fin­den wir gemäss der jüdisch-christ­li­chen Welt­an­schau­ung in der Got­tes-Eben­bild­lich­keit jedes Men­schen (vgl. 1. Mose 1:26). Ins­ge­samt habe ich mich beim Lesen stän­dig gefragt, ob Schwarz mit der ‹Ener­gie Got­tes› wirk­lich etwas Neu­es bringt oder ob ich ein­fach noch nicht ver­stan­den habe, was er meint.

Ich hin­ter­fra­ge auch den Wert der angeb­li­chen spi­ri­tu­el­len Erfah­rung von Men­schen ande­rer Reli­gio­nen, die auf­grund der Ener­gie Got­tes mög­lich sein soll. Nicht­chri­sten sind gemäss Schwarz…

… auf­ge­schlos­sen, ein Got­tes­bild in nicht-per­so­na­len Kate­go­rien (z.B. einer akti­ven Kraft, einem lei­ten­den Prin­zip oder einer schöp­fe­ri­schen Ener­gie) zu erkun­den, auch wenn sie selbst ande­re Begrif­fe als «Gott» benut­zen wür­den, um die­se Rea­li­tät zu beschrei­ben. (Sei­te 68)

Fast jede Woche bin ich mit nicht­christ­li­chen Freun­den und Men­schen im Gespräch über reli­giö­se Din­ge. Nicht weni­ge sind begei­stert von der Idee einer nicht­per­so­na­len gött­li­chen Kraft und Anwe­sen­heit. Aber sobald ich mit dem per­so­na­len «Teil» Got­tes (= Jesus) kom­me, win­ken sie ab. Sie wol­len aus ver­schie­den­sten Grün­den etwas Gött­li­ches, das aus­schliess­lich trans­per­so­nal, oder bes­ser gesagt unper­so­nal ist.

Was bringt es, wenn die Men­schen nur das Trans- oder Unper­so­na­le wol­len und das Per­so­na­le bewusst ableh­nen? Aus mei­ner Sicht nicht son­der­lich viel, weil sie damit bewusst oder unbe­wusst Jesus Chri­stus ableh­nen. Ich mei­ne, es kann sogar kon­tra­pro­duk­tiv sein, wenn eine angeb­lich gemein­sa­me spi­ri­tu­el­le Erfah­rung als genü­gend ver­stan­den wird. Ein «spi­ri­tu­el­ler Fort­schritt» hin zum per­so­na­len Gott der Bibel wür­de dann als unnö­tig betrach­tet wer­den. Dies wäre aus christ­li­cher Sicht mehr als nur scha­de. Es wäre ein «Fort­schritt» am Zen­trum des christ­li­chen Glau­bens vor­bei. Es droht ein chri­stus­frei­es Chri­sten­tum. Schwarz muss uns zei­gen, wie spi­ri­tu­el­le Erfah­run­gen auf­grund der uni­ver­sell erfahr­ba­ren Ener­gie Got­tes zu einer Hin­füh­rung zu Chri­stus bei­tra­gen kön­nen.

Fundamentalismus

Bei die­sem The­ma emp­fin­de ich Schwarz beim Lesen weni­ger inter­es­sant, dafür umso fru­strie­ren­der. Zwei Grün­de dafür. Erstens fehlt mir eine sau­be­re Defi­ni­ti­on davon, was Fun­da­men­ta­lis­mus aus sei­ner Sicht genau ist. Zwei­tens gren­zen sei­ne Aus­sa­gen an ein «Fun­di Bashing», was für sich wie­der­um einem ganz eige­nen Fun­da­men­ta­lis­mus nahe­kommt. Damit baut der, der behaup­tet, er wol­le «Wir/Ihr» Unter­schie­de abbau­en, schon fast wie­der so etwas wie ein «Wir alle» gegen «Ihr Fun­da­men­ta­li­sten» auf. Zum Bei­spiel zeich­net er Grup­pen mit posi­ti­ven Eigen­schaf­ten und fun­da­men­ta­li­sti­sche Grup­pen als deren Geg­ner (star­kes Wort, sie­he z.B. Sei­ten 97 und 99 ). Ich weiss, dass Schwarz die fun­da­men­ta­li­sti­schen Ten­den­zen nicht pri­mär als Eigen­schaf­ten bestimm­ter Grup­pen sehen will, son­dern als Ten­den­zen in jedem Mensch. Trotz­dem: Schwarz mag «Fun­dis» par­tout nicht lei­den. Und es scheint eines sei­ner pri­mä­ren Zie­le zu sein, eine Reli­gi­on zu beschrei­ben, die frei von «Fun­da­men­ta­lis­mus» ist.

Weil ich kei­ne kla­re Defi­ni­ti­on fand, habe ich ver­schie­de­ne Merk­ma­le zusam­men­ge­tra­gen, die Schwarz mit Fun­da­men­ta­lis­mus in Ver­bin­dung bringt:

  • Bekeh­ren wol­len, damit die ande­ren so sind wie ich selbst bin (Sei­te 87).
  • Men­schen hin­dern, in ihrer Frei­heit, Mün­dig­keit und Ver­ant­wor­tung zu wach­sen (Sei­te 97).
  • Fun­da­men­ta­lis­mus als eine Bril­le, wel­che vor­be­stimmt, wie wir die Welt deu­ten und sogar die Bibel lesen (Sei­te 111).
  • Ein Haupt­merk­mal von fun­da­men­ta­li­sti­schen Ten­den­zen ist «binä­res Den­ken» (Sei­ten 111 und 112).
  • Es beinhal­tet auto­ri­tä­re Füh­rung, von Mit­ar­bei­tern for­dern statt sie zu för­dern, gesetz­li­ches Kli­ma, sta­ti­sches Den­ken, Fokus auf Kon­trol­le (Sei­te 115).

So wie Schwarz es beschreibt, ist das alles wirk­lich sehr nega­tiv. Kein Wun­der, dass er Fun­da­men­ta­lis­mus wie­der­holt als etwas bezeich­net, das geheilt wer­den muss — also so etwas wie eine Krank­heit.

Ich hat­te beim Lesen stän­dig den Ver­dacht, dass Schwarz mich als jemand mit star­ken fun­da­men­ta­li­sti­schen Ten­den­zen sehen wür­de, weil ich in theo­lo­gi­schen Belan­gen doch in so Vie­lem nicht ein­ver­stan­den bin mit ihm. Nicht ein­ver­stan­den bin ich zum Bei­spiel mit sei­ner Unter­schei­dung von «binä­rem Den­ken» im Kon­trast zu «kom­ple­men­tä­rem Den­ken» — also aus­ge­rech­net etwas, was er als Schlüs­sel zur Über­win­dung von Fun­da­men­ta­lis­mus betrach­tet. Die­se Unter­schei­dung hal­te ich für nicht durch­dacht. Kom­ple­men­tä­res Den­ken brau­chen wir tat­säch­lich, aber das kom­ple­men­tä­re Den­ken ruht selbst auf der Grund­la­ge von binä­rem Den­ken. Schwarz kann «binä­res Den­ken» nur zugun­sten von «kom­ple­men­tä­rem Den­ken» able­gen, indem er ‹binä­res Den­ken› ablehnt, was selbst ein Akt von «binä­rem Den­ken» ist. «Nicht-binä­res Den­ken» ist erkennt­nis­theo­re­tisch also selbst­wi­der­le­gend und jeder Ver­such, «binä­res Den­ken» aus der Welt zu schaf­fen, ist zum Schei­tern ver­ur­teilt.

Ich sehe mich also als jemand, der binär denkt. Dies macht mich gemäss der Beschrei­bung von Schwarz zu einem ziem­lich fun­da­men­ta­li­sti­schen Men­schen. Will ich des­halb, dass die Men­schen sich zum Chri­sten­tum bekeh­ren, ein­fach nur, damit sie gleich sind wie ich? Kei­nes­falls! Hin­de­re ich die Men­schen mei­ner Gemein­de des­halb auch in ihrem Wachs­tum, ihrer Ent­wick­lung in die Mün­dig­keit? Man müss­te sie mal fra­gen! Ist mein Den­ken unbe­weg­lich und sta­tisch, weil ich mich nicht auf sei­ne neue Art von Chri­sten­tum ein­las­se? Nun ja, ich hof­fe nicht… Muss ich mei­ne men­ta­le Beweg­lich­keit bewei­sen, indem ich Glau­bens­über­zeu­gun­gen anneh­me, die ich bis­her für falsch ange­se­hen habe? Hof­fent­lich nicht!

Inter­es­sant fin­de ich, dass Schwarz nir­gends über die Geschich­te der Ent­wick­lung von «Fun­da­men­ta­lis­mus» zu reden scheint. Vor ca. 100 Jah­ren war der Begriff die Selbst­be­zeich­nung einer Bewe­gung kon­ser­va­ti­ver Theo­lo­gen. Die­se woll­ten fest­stel­len, was ihrer Mei­nung nach die «Fun­da­men­te» des christ­li­chen Glau­bens sind. Das wären also jene Über­zeu­gun­gen oder Wahr­hei­ten, die der­mas­sen wesent­lich sind, dass man sie nicht auf­ge­ben kann, ohne gleich­zei­tig das Chri­sten­tum auf­zu­ge­ben. Das wäre ein «theo­lo­gisch-phi­lo­so­phi­scher Fun­da­men­ta­lis­mus». Die­se Art von Fun­da­men­ta­lis­mus fin­den wir mei­ner Mei­nung nach über­all, und zwar zurecht. Auch das libe­ra­le Chri­sten­tum hat eine Sicht davon, was unauf­gebba­re und grund­le­gen­de Über­zeu­gun­gen sind. Sowohl der Soft-Athe­is­mus als auch der aggres­si­ve, lau­te Athe­is­mus haben der­ar­ti­ge Grund­über­zeu­gun­gen. Ich glau­be, so defi­niert sind alle Ideo­lo­gien oder Welt­an­schau­un­gen letzt­end­lich auch «fun­da­men­ta­li­stisch».

Mei­ne Ver­mu­tung ist, dass Schwarz den Fun­da­men­ta­lis­mus eher als eine Art «sozio­lo­gi­schen Fun­da­men­ta­lis­mus» sieht. Ich ahne aber, dass er eine grös­se­re Anzahl theo­lo­gisch-phi­lo­so­phi­scher Über­zeu­gun­gen sieht, wel­che sei­ner Mei­nung nach «sozia­len Fun­da­men­ta­lis­mus» för­dern. Das mit dem «binä­ren Den­ken», wel­ches eine erkennt­nis­theo­re­ti­sche Über­zeu­gung ist, wäre so etwas. Es wäre hilf­reich zu sehen, wel­che ande­ren Glau­bens­über­zeu­gun­gen er als Fun­da­men­ta­lis­mus-för­der­lich sieht (im Sin­ne eines «sozio­lo­gi­schen Fun­da­men­ta­lis­mus»).

Per­sön­lich den­ke ich: Eben gera­de weil ich gewis­se wich­ti­ge theo­lo­gi­sche Über­zeu­gun­gen für zutiefst wahr hal­te, sind mir Gren­zen gesetzt in mei­nem Umgang mit Men­schen all­ge­mein und mit Men­schen ande­rer Reli­gio­nen kon­kret. Bei­spiels­wei­se ist es mir, gera­de weil ich zutiefst an den Gott der Bibel glau­be und mich an der jüdisch-christ­li­chen Welt­an­schau­ung ori­en­tie­re, ver­wehrt, Men­schen zu mani­pu­lie­ren. Gera­de des­halb ist es mir ver­bo­ten, sie bekeh­ren zu wol­len, ein­fach nur, damit sie so sind wie ich. Die­se Art «theo­lo­gisch-phi­lo­so­phi­scher Fun­da­men­ta­lis­mus» schützt mich also vor einem «sozio­lo­gi­schen Fun­da­men­ta­lis­mus».

Die Fra­ge, vor der wir ste­hen, ist die­se: Wel­che Vari­an­te von «theo­lo­gisch-phi­lo­so­phi­schem Fun­da­men­ta­lis­mus» brau­chen wir, um «sozio­lo­gi­schen Fun­da­men­ta­lis­mus» zu ver­hin­dern? Die Defi­ni­ti­ons-Unge­nau­ig­keit von Schwarz führt zu fru­strie­ren­der Kon­fu­si­on zwi­schen die­sen Kate­go­rien und damit zu einer pau­scha­len Ver­ur­tei­lung von Fun­da­men­ta­lis­mus, wel­che ich als unfair und poten­ti­ell gefähr­lich erach­te.

Wissenschaft und Glaube

Im Kapi­tel 10 bringt Schwarz viel Gutes. Es gibt tat­säch­lich die von ihm genann­ten Kate­go­rie-Feh­ler: Die Bibel ist nun mal nicht pri­mär ein auf natur­wis­sen­schaft­li­che Prä­zi­si­on bedach­te­tes Buch und auch die Wis­sen­schaft muss ihre Gren­zen ken­nen. Wir müs­sen auch auf­pas­sen, Gott nicht als ‹Lücken­büs­ser-Gott› zu ver­ste­hen, um alles zu erklä­ren, was die Wis­sen­schaft bis jetzt nicht erklä­ren konn­te. Und es stimmt: Ratio­na­li­tät (nicht mit Ratio­na­lis­mus zu ver­wech­seln) ist auch ein Kenn­zeich­nen mün­di­gen Glau­bens.

Trotz viel Gutem emp­fand ich die­ses Kapi­tel aber als eines der schwäch­sten des Buches. Dass der Glau­be kei­nen Ein­fluss haben soll auf die For­schungs­me­tho­dik (Sei­te 132) hal­te ich für falsch. Wis­sen­schaft­li­che Inter­pre­ta­ti­on von Daten ist aus mei­ner Sicht mehr geprägt von welt­an­schau­li­chen Grund­an­nah­men, als Schwarz wahr­ha­ben will. Das gilt auch für sei­ne Inter­pre­ta­ti­on sei­ner gros­sen und empi­ri­schen Daten­bank über christ­li­che Gemein­den. Es ist nun mal so: Der Glau­be will und muss eine meta­phy­si­sche Grund­per­spek­ti­ve defi­nie­ren, von der aus wis­sen­schaft­li­che Daten ver­stan­den wer­den kön­nen. Dies gilt sowohl für den christ­li­chen Glau­ben, als auch für den athe­isti­schen oder bud­dhi­sti­schen (etc.) Glau­ben.

Alvin Plan­tinga hat schon vor Jahr­zehn­ten dazu auf­ge­ru­fen, Wis­sen­schaft aller Art zu betrei­ben, selbst­be­wusst aus­ge­hend von der Annah­me des The­is­mus (hier eine Über­set­zung des Arti­kels ins Deut­sche). Wich­tig ist aus mei­ner Sicht nicht, eine welt­an­schau­lich neu­tra­le Wis­sen­schaft zu haben (eine Unmög­lich­keit), son­dern sich der eige­nen welt­an­schau­li­chen Vor­aus­set­zun­gen bewusst zu sein und die­se offen­zu­le­gen.

Es stimmt natür­lich, dass in bestimm­ten Wis­sen­schafts­be­rei­chen der welt­an­schau­li­che Hin­ter­grund weni­ger ein­fluss­reich ist als in ande­ren. Doch sobald es zum Bei­spiel in die Human­wis­sen­schaf­ten geht, wer­den anthro­po­lo­gi­sche Grund­an­nah­men enorm ein­fluss­reich sein, und Anthro­po­lo­gie (die Leh­re des Men­schen) ist eine zutiefst welt­an­schau­lich bestimm­te Grös­se.

In der Tabel­le auf S. 127 macht Schwarz Auf­tei­lun­gen, die viel zu ver­ein­facht sind und des­halb fal­sche Kon­tra­ste impli­zie­ren. In der einen Hälf­te beschreibt er die Merk­ma­le der empi­ri­schen Wirk­lich­keit (imma­nent, kau­sal, erklär­bar, beweis­bar etc). Hier sei die «Wis­sen­schaft» allein (oder pri­mär) zustän­dig. In der ande­ren Hälf­te befin­det sich die trans­em­pi­ri­sche Wirk­lich­keit (tran­szen­dent, teleo­lo­gisch, Bedeu­tun­gen der Din­ge, etc.). Hier darf der Glau­be sein, wo es kei­ne Beweis­bar­kei­ten gibt, son­dern nur Mög­lich­kei­ten. Ich zitie­re aus einem Brief eines Freun­des, der die­ses Kapi­tel las. Er arbei­tet zur Zeit an sei­ner Dok­tor­ar­beit in Wis­sen­schafts­theo­rie und zieht fol­gen­des Fazit: «Die Auf­tei­lung hät­te er ger­ne so. Die Gren­zen ver­lau­fen aber anders. Kau­sa­li­tät gibt es auf bei­den Sei­ten, Theo­lo­gie viel­leicht auch, oder viel­leicht auf gar kei­ner (wenn die tran­szen­den­te Ebe­ne imper­so­nal ist!)… Phy­sik und Meta­phy­sik so auf­zu­tei­len, ist ein wei­te­res Sym­ptom sei­ner unre­flek­tier­ten Wis­sen­schafts­phi­lo­so­phie. Kei­ne Phy­sik kommt letzt­lich ohne Meta­phy­sik aus (aus­ser viel­leicht die Kopen­ha­ge­ner „Shut up and cal­cu­la­te“ Quan­ten­phy­si­ker)»

Könn­te es sein, dass Schwarz selbst ver­haf­tet ist in alt­her­ge­brach­ten Zusam­men­hän­gen von Glau­be und Wis­sen­schaft?

Verbundenheit mit allem Möglichen, ausser mit ‹fundamentalistischen Christen›

Chri­sti­an Schwarz berät über sein Insti­tut welt­weit vie­le Gemein­den, Pasto­ren und und Chri­sten, die ähn­lich ticken wie ich. Er geht aber — so scheint mir — auf deut­li­che Distanz zu vie­len von ihnen. Unser «Chri­sten­tum 2.0» ist gemäss Schwarz so sehr in Schief­la­ge und der­mas­sen irrele­vant, dass wir (s)eine Ver­si­on 3.0 brau­chen. Nicht 2.1 oder 2.2, son­dern eine signi­fi­kant ande­re Ver­si­on, also 3.0:

Die­ses Buch han­delt von einer neu­en Form des Chri­sten­tums (Sei­te 13)

Ich bin ein­ver­stan­den mit Schwarz, dass im 2.0 nicht alles gut läuft. Ich bin eben­so ein­ver­stan­den, dass wir von ande­ren Pha­sen der Chri­sten­heit etli­ches oder gar vie­les ler­nen kön­nen oder sogar müs­sen. Es wäre arro­gant zu den­ken, wir müss­ten das nicht tun. Aber es ist eben­so arro­gant zu behaup­ten, dass 2.0 der­mas­sen schief liegt, dass wir 2.0 de fac­to ganz über Bord wer­fen müs­sen? Ich bin ein­fach skep­tisch, wenn jemand daher kommt und ver­ein­facht gesagt «ein nahe­zu ganz ande­res Para­dig­ma» brin­gen will. Im Fall von Schwarz umso mehr, weil er — so kommt es jeden­falls bei mir an — für eine Form von Chri­sten­tum plä­diert, in der die Ver­bind­lich­kei­ten ent­lang einer völ­lig neu­en Linie ver­lau­fen: Der Linie zwi­schen stark fun­da­men­ta­li­sti­schen Gläu­bi­gen (aller Reli­gio­nen?) und von Fun­da­men­ta­lis­mus mehr von weni­ger geheil­ten Gläu­bi­gen (aller Reli­gio­nen?).

Viel­leicht ver­ste­he ich Schwarz falsch oder bin … eben ein­fach zu fun­da­men­ta­li­stisch. Aber ich hal­te mich ger­ne an das, wie Jesus sei­ne Fami­lie defi­niert hat und es von sei­nen Jün­gern wei­ter­ge­tra­gen wur­de:

All denen jedoch, die ihn auf­nah­men und an sei­nen Namen glaub­ten, gab er das Recht, Got­tes Kin­der zu wer­den. (Joh 1:12)

Und er streck­te die Hand aus über sei­ne Jün­ger und sprach: Sie­he da, das ist mei­ne Mut­ter und das sind mei­ne Brü­der! Denn wer den Wil­len tut mei­nes Vaters im Him­mel, der ist mir Bru­der und Schwe­ster und Mut­ter. (Mt 12:49 – 50)

Ihr Her­ren, was muss ich tun, dass ich geret­tet wer­de? Sie spra­chen: Glau­be an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig! (Apg 16:30 – 31)

Ich lie­be jeden Athe­isten und jeden Men­schen einer ande­ren Reli­gi­on. Ich mani­pu­lie­re nie­man­den, wenn ich ihnen von Jesus Chri­stus erzäh­le. Aber ich kann mich nicht freu­en, wenn sie eine spi­ri­tu­el­le Erfah­rung machen, wel­che nicht in einer glau­ben­den und gehor­sa­men Bezie­hung mit dem per­so­na­len Jesus Chri­stus mün­det! Ich lie­be sie auch nach­her, genies­se wei­ter das Gespräch, den Dis­kurs oder auch die ech­te Aus­ein­an­der­set­zung mit ihnen. Ich akzep­tie­re immer ihre Ent­schei­dung. Aber mein Wunsch ist, dass sie Jesus so erle­ben dür­fen, wie ich Jesus erlebt habe. Sie müs­sen nicht Chri­sten wer­den, nur um so zu wer­den wie ich. Aber ich wün­sche mir, dass sie Jesus erle­ben in der glau­ben­den und gehor­sa­men Bezie­hung mit ihm!

Fami­li­en hal­ten zusam­men, auch wenn dis­funk­tio­na­le Bezie­hun­gen vor­han­den sind. Ich sehe in der Bibel die Nach­bar­schaft aller Men­schen. Alle Men­schen sind zuein­an­der Nach­barn auf­grund der Tat­sa­che, dass Gott der Schöp­fer aller Men­schen ist (z.B. Apg 17:28) und sei­ne Eben­bild­lich­keit in sie alle gelegt hat. So soll­ten alle Men­schen zuein­an­der auch respekt­voll nach­bar­schaft­lich umge­hen. Aber Gott ist Vater derer, die an Chri­stus glau­ben (Joh 1:12). In die­ser Fami­lie gibt es — dum­mer­wei­se für Schwarz — eini­ge «dis­funk­tio­na­le» Brü­der und Schwe­ster, die etwas mehr fun­da­men­ta­li­stisch (wie auch immer defi­niert) unter­wegs sind als ande­re, die da «mün­di­ger» sind. Sie gehö­ren durch ihren Glau­ben an Chri­stus trotz­dem zur Fami­lie. Zu ihnen zu ste­hen mag nicht Allen ein­fach fal­len. Aber tun soll­ten wir es trotz­dem. Auf jeden Fall soll­ten wir unse­re pri­mä­re, fami­liä­re Ver­bind­lich­keit mit Chri­stus und mit ihnen sehen und nicht mit «mün­di­gen» und sozi­al erträg­li­che­ren Per­so­nen, die sich nicht zu Chri­stus beken­nen. Letz­te­re sind unse­re Nach­barn, unse­re Freun­de, wir lie­ben sie! Aber sie gehö­ren nicht zur Fami­lie von Jesus, wenn sie nicht an Jesus Chri­stus glau­ben. Damit habe ich ver­mut­lich die «Wir/Ihr» Sün­de began­gen. Nun, Jesus und die ersten Jün­ger begin­gen sie (davon bin ich über­zeugt) auch, dann bin ich ja in guter Gesell­schaft.

Fazit

Schwarz behaup­tet, ein recht umfas­send neu­es und ande­res Chri­sten­tum zu prä­sen­tie­ren. Mag er noch so erfah­ren und bele­sen sein — an die­sem Anspruch ist schon so man­cher geschei­tert. Ja — Gott ist unka­putt­bar. Mensch­li­che Kon­zep­te und Ideen jedoch ver­ge­hen.

Auch mei­ne Refle­xio­nen über Unka­putt­bar müs­sen pro­vi­so­ri­schen Cha­rak­ter haben. Denn die drei Tri­lo­gien wer­den ja erst in den näch­sten Jah­ren ver­öf­fent­licht. Wer weiss, viel­leicht liest Chri­sti­an Schwarz die­sen Text und sieht, wie ein Typ wie ich sei­nen Teaser ver­stan­den hat. Viel­leicht kann er in sei­nen Büchern zei­gen, wo und war­um ich ihn miss­ver­stan­den habe. Tau­sen­de von Sei­ten ste­hen ihm dafür zur Ver­fü­gung 🙂

8 Comments
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    Moses 4 Tagen ago
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    Hal­lo Paul,
    Dan­ke für dein Buch­kri­tik! ich hab mich in vie­len Punk­ten die du nach dei­ner Sicht benennst, mich wie­der gefun­den.
    Ich muss­te das Buch für mein Stu­di­um lesen. Die­ses Buch ist nicht per­fekt, aber hat in eini­gen Kapi­tel sehr gute Gedan­ken.

    Beste Grü­ße,
    Moses

  2. Avatar
    Vintor Pfister 1 Woche ago
    Reply

    Auch ein Chri­sten­tum 3.0 bringt nicht das Heil, nicht all die nöti­gen und ersehn­ten Ver­bes­se­run­gen. Ich mei­ne, am mei­sten Fort­schritt, Ver­än­de­rung, Her­aus­for­de­rung und Dyna­mik bringt mein per­sön­li­ches lebens­lan­ges «Ver­trau­en auf Gott-Ler­nen». Ich mei­ne den Gott, der in Jesus Chri­stus Mensch gewor­den ist. Da erle­be ich, wie aus dem Vik­tor 1.0 ein Vik­tor 1.1, 1.2, 1.21, … (never ending sto­ry) wird. Es bleibt aber immer der Vik­tor, der als sol­ches Eben­bild Got­tes geschaf­fen wur­de mit all sei­nen Stär­ken, Gaben, Schwä­chen, Ecken und Kan­ten. Er bleibt bei und von Gott so heiss geliebt wie es nie­mand anders kann. Und die­ser Vik­tor darf end­los gedei­hen. Stark, sack­stark die­se hei­li­ge, leben schaf­fen­de Kraft (Ener­gie) Got­tes in mei­nem mensch­li­chen Leben.

  3. Avatar
    Ackerknecht W 2 Wochen ago
    Reply

    Paul. Span­nend wäre ein Buch von dir/euch über den Fun­da­men­ta­lis­mus.… da hast du wich­ti­ge Erkennt­nis­se! und Erklä­run­gen

    • Paul Bruderer
      Paul Bruderer 2 Wochen ago
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      Dan­ke Wolf­gang. Wenn ich nur wüss­te, woher die Zeit dafür neh­men… 🤪

  4. Avatar
    Jean-Daniel von Lerber 2 Wochen ago
    Reply

    Per­sön­lich fin­de ich die­ses Buch aus­ge­zeich­net. Nicht per­fekt, aber in vie­ler­lei Hin­sicht ein Anstoss, bekann­te The­men neu zu den­ken. Das scheint mir in der heu­ti­gen, sich so stark im Umbruch befind­li­chen Zeit wich­tig.

    Nicht ver­ges­sen darf man, dass es sich bei «Gott ist Unka­putt­bar» im Grun­de um einen «Teaser» für die ange­kün­dig­ten, ver­tie­fen­den Bücher han­delt. Dar­in wer­den jetzt z.Teil noch unkla­re oder miss­ver­ständ­li­che Stel­len aus­führ­lich behan­delt und erfah­ren Klä­rung.
    Was in die­ser Rezen­zi­on unter­geht, ist das Gewicht, das Chri­sti­an A. Schwarz auf Diet­rich Bon­hoef­fer und sei­ne chri­stus­zen­trier­te Theo­lo­gie legt. Bon­hoef­fer ist für Schwarz einer der Aus­lö­ser, wes­halb er die­ses Buch über­haupt geschrie­ben hat.

    Auf jeden Fall eine Rezen­si­on, die zeigt, dass es sich um ein «denk­wür­di­ges» Buch han­delt. Ich emp­feh­le es ger­ne zur Lekü­re!

    • Paul Bruderer
      Paul Bruderer 2 Wochen ago
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      Dan­ke Jean-Dani­el! Es ist tat­säch­lich ein Teaser — etwas Vor­läu­fi­ges. Den­noch legt Schwarz die Spu­ren für dei­ne aus­ste­hen­den Bücher. Ich hof­fe, er liest die­se Rezen­si­on und justiert allen­falls noch sei­ne Tex­te um Din­ge zu klä­ren. Bon­hoef­fer geht unter in der Rezen­si­on. Das stimmt. Ein Stück­weit ist Bon­hoef­fer jemand, den so vie­le ‹für sich› bean­spru­chen, dass es schon fast wie­der schwie­rig ist zu wis­sen, was wir mit Bon­hoef­fer sol­len. Bin gespannt auf die näch­sten Bücher von Schwarz!

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    Zoe 2 Wochen ago
    Reply

    Fin­de ich mee­ega star­ke Rezen­si­on und christ­li­che Posi­tio­nie­rung. Hof­fent­lich liest er sie und bringt sie ihn zum Nach­den­ken. Dan­ke!

    • Paul Bruderer
      Paul Bruderer 2 Wochen ago
      Reply

      Dan­ke Zoe!

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