Die unerwarteten Frauen im Stammbaum von Jesus

Paul Bruderer
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Keine Schön­fär­berei in der Ahnen­rei­he von Jesus! Kein Ver­tuschen von schwarzen Schafen in sein­er Fam­i­lie! Die Liste bein­hal­tet Frauen, die mitunter als gesellschaftlich aussen­ste­hend gegolten haben oder sog­ar als religiös gefährlich erachtet wor­den sind. Jesus würdigt sie und wertet sie auf, indem er öffentlich zu ihnen ste­ht. Er set­zt damit ein Zeichen für unseren Umgang mit Men­schen.

Im antiken Juden­tum war die Auflis­tung von Ahnen wichtig für das Anse­hen ein­er Per­son. Es kon­nte auch steuer­liche Vorteile haben, wenn man berühmte oder königliche Ahnen vor­weisen kon­nte. Frauen wur­den sel­ten in die Ahnen­rei­he aufgenom­men. Wenn man schon eine Ahnen­rei­he mit Frauen ergänzt hat­te, dann bes­timmt nur mit berühmten Frauen.

Ganz anders Matthäus, wenn er den Stamm­baum von Jesus Chris­tus auf­führt (Mt 1:1–17). Die Aufzäh­lung bein­hal­tet neben Maria, der Mut­ter von Jesus, gle­ich vier Frauen. Das ist für dama­lige Zeit­en ungewöhn­lich. Matthäus ‘kon­t­a­miniert’ also die Ahnen­rei­he von Jesus. Doch er macht etwas weit­eres, das ent­ge­gen jeglichen Kon­ven­tio­nen sein­er Zeit ist: Er inte­gri­ert nicht die berühmten Matri­archin­nen des Juden­tums (Sara, Rebek­ka, Rahel und Lea) in die Ahnentafel Jesu, son­dern aus­ländis­che Frauen mit teil­weise zweifel­haftem sex­u­alethis­chem Hin­ter­grund.

Damit zeigt Matthäus von allem Anfang an, dass die Gemeinde Jesu eine Bewe­gung sein soll, welche gesellschaftliche Gren­zen über­winden soll. Weit­er macht Matthäus klar, dass Jesus konkret diesen Frauen, und dadurch Frauen all­ge­mein, ihre Würde zurück­gibt.

Jede dieser span­nen­den und starken Frauen trägt etwas Spezielles zum Leben von Jesus bei.


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Tamar

Juda aber zeugte Perez und Ser­ach von der Tamar (Mt 1:3)

Das ekla­tante Ele­ment an diesem Satz ist die Tat­sache, dass Tamar nicht die Ehe­frau von Juda ist, son­dern seine mehrfache (!) Schwiegertochter.

Wie bitte?! Hat hier Juda seine Schwiegertochter geschwängert? Ja! 1. Mose 38:1–26 zeigt uns den Hin­ter­grund zu dieser Frau:

  • Juda gibt seinem ältesten Sohn die kanaani­tis­che Tamar zur Frau. Dieser älteste Sohn stirbt, ohne Kinder zu hin­ter­lassen. Der dama­lige Umgang mit solch ein­er Sit­u­a­tion ist, dass Tamar den näch­sten Brud­er ihres ver­stor­be­nen Ehe­manns heiratet, um ihrem ver­stor­be­nen Ehe­mann Nachkom­men zu ver­schaf­fen. Darum gibt Juda Tamar seinen zweit­en Sohn Onan zur Ehe­frau. Aber dieser will keine Kinder zeu­gen mit Tamar. Der Grund ist ver­mut­lich dieser: Das Kind, das er mit der ehe­ma­li­gen Frau seines Brud­ers zeugt, würde mehr erben als er selb­st. Deshalb lässt Onan beim Sex mit Tamar jedes Mal den Samen auf den Boden fall­en.
  • Gott ist unzufrieden mit Onan, weil sein Ver­hal­ten ego­is­tisch ist. Bald lebt auch Onan nicht mehr. Das waren noch Zeit­en!
  • Juda kriegt es inzwis­chen mit der Angst zu tun. Zwei sein­er Söhne sind in der Verbindung mit Tamar gestor­ben. Er muss Tamar nun seinem drit­ten Sohn geben, hat aber Angst um dessen Leben. Er han­delt tak­tisch, indem er Tamar ver­spricht, dass sie seinen drit­ten Sohn heirat­en wird, vol­lzieht jedoch die Hochzeit nie. Tamar hat aber nach dama­ligem Gebrauch Anrecht auf ein Kind von Judas’ Fam­i­lie und auch auf das entsprechende Erbe. Sie wartet und wartet und wartet darauf, dass Juda sein Ver­sprechen ein­löst und sie so zu ihrem Recht kommt.
  • Irgend­wann ver­ste­ht Tamar, dass Juda ihr nie einen weit­eren sein­er Söhne zum Mann geben wird. Sie greift deshalb zum let­zten ihr verbleiben­den Mit­tel und entschei­det sich, ihr Kind und damit ihr Erbe direkt von Juda selb­st zu holen. Sie tut dies, indem sie sich als Pros­ti­tu­ierte verklei­det und am richti­gen Ort wartet, wo Juda vor­bei kom­men wird. Das Krasse: Sie weiss, dass Juda anhal­ten und sie für Sex nehmen wird! So zeugt der Schwiegervater mit sein­er Schwiegertochter einen der Ahnen von Jesus!

Man kön­nte geneigt sein, Tamar für ihr Ver­hal­ten zu richt­en. Und genau das passiert damals auch. Als die ganze Sache auf­fliegt, will Juda Tamar richt­en lassen. Doch Tamar hat vorge­sorgt und ent­larvt ihren Schwiegervater als den Vater des Kindes. Juda sieht sich über­führt und muss sich der richti­gen Inter­pre­ta­tion dieser Geschichte stellen:

Sie ist gerecht, ich nicht; denn ich habe sie meinem Sohn Schela nicht gegeben. (Gen 38:26)

Was ist der Hin­ter­grund dieser ganzen Sit­u­a­tion?

Zum einen gab es damals keine Ver­sicherun­gen, welche im Leben­snot­fall für einen sorgten. Zum anderen ging es darum, dem ersten Ehe­mann eine Nachkom­men­schaft zu geben. Wir mögen diese Werte und Hand­lungsweise heutzu­tage als komisch, unan­genehm, unange­bracht oder falsch anse­hen — doch so waren die Gepflo­gen­heit­en damals. Es bestand schein­bar auch keine Gericht­barkeit, welche Tamar zu ihrem Recht ver­holfen hätte. Möglicher­weise war sie als Frau und erst recht als Aus­län­derin benachteiligt. Deshalb wehrt sich Tamar, han­delt und sorgt selb­st für ihr Recht. Die Beurteilung ihres Vorge­hens ist klar: Tamar hält sich an die damals wichti­gen Werte und han­delt nicht aus Ego­is­mus. Tamar han­delt gerechter als der jüdis­che Erz­vater Juda.

Es ist wichtig zu erwäh­nen, dass wir uns heute nicht wie Tamar ver­hal­ten soll­ten im Sinne von … naja, ihr ver­ste­ht schon! Aber wir sehen bei Tamar, dass Gottes Reich nicht nur ’nette’ Men­schen willkom­men heisst, son­dern auch solche, die mutig ihr Leben in die Hand nehmen und dafür ziem­lich aben­teuer­liche Wege beschre­it­en.

Gehen wir zurück in die Zeit von Jesus. Warum fügt der Autor des Matthäus-Evan­geli­ums Tamar in die Ahnen­rei­he von Jesus ein anstatt eine der berühmten Matri­archin­nen? Seine jüdis­chen Leser sollen ver­ste­hen, dass es ‘da draussen’ bei den Hei­den Men­schen gibt, die möglicher­weise gerechter sind als die Men­schen im eige­nen Volk — und das selb­st, wenn ihr Leben von aussen gese­hen ziem­lich unmoralisch aussieht. Solche kön­nen einen Platz im Volk Gottes haben, ja sog­ar in der Ahnen­rei­he des Mes­sias Jesus Chris­tus selb­st!

Jesus beken­nt sich gerne zu Tamar, ein­er aus­ländis­chen, nicht berühmten Frau mit dubiosem Ruf, die gerechter lebt als der jüdis­che Stam­m­vater Juda. Jesus sagt: Tamar ist Teil mein­er Fam­i­lie!


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Rahab

Salmon zeugte Boas mit der Rahab (Mt 1:5)

Die aus­ländis­che Frau namens Rahab ste­ht mit ihrer Biografie im Kon­trast zum jüdis­chen Mann namens Achan aus dem Stamm Juda (Josua Kapi­tel 1–7).

Rahab ist im Unter­schied zu Tamar eine wirk­liche Pros­ti­tu­ierte. Sie ver­steckt unter ihrem Dach die Spi­one von Israel, welche die Stadt Jeri­cho auskund­schaften wollen. Damit zeigt sie, dass sie dem Gott Israels mehr ver­traut als den Göt­tern ihres eige­nen Volkes. Was für ein Kon­trast in dieser Geschichte! Während die Nicht-Jüdin Rahab dem Volk Gottes mit dem Ver­steck­en sein­er Kund­schafter dient, erweist sich der Jude Achan als Ver­räter am Volk Gottes, indem er nach dem Sturm der Stadt Jeri­cho ver­botene Beute unter seinem Zelt ver­steckt. Seine Fam­i­lie weiss davon und bezahlt zusam­men mit ihm den entsprechen­den Preis. Das Faz­it der Geschichte: Die aus­ländis­che Pros­ti­tu­ierte Rahab hat mehr Glauben als der Jude Achan.

Diese Ereignisse zeigen den ursprünglichen Empfängern des Matthäus-Evan­geli­ums eine unge­mein wichtige Tat­sache. In der Phase Israels, in welch­er die Kanaan­iter aus dem Land ver­trieben wur­den, waren Kanaan­iter, die dem Gott Israels ver­traut­en, willkom­men als Teil des Volkes Gottes. Dies war möglich, egal, wie die ethis­che Lebens­führung dieser Per­son bis dahin aus­sah. Gle­ichzeit­ig waren Juden, die sich durch ihr Ver­hal­ten als defak­to ‘ungläu­bige’ Men­schen zeigten, in ihrer Beteili­gung am Volk Gottes gefährdet.

Jesus würdigt seine Ahnin, indem er sich zu ihr beken­nt, der nicht-jüdis­chen Pros­ti­tu­ierten, welche dem Gott Israels mehr ver­traut hat, als manche Juden es tat­en. Jesus gibt Rahab ihre Würde zurück indem er sagt: Rahab ist eine mein­er Ahnen!

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Ruth

Boas zeugte Obed mit der Ruth (Mt 1:5)

Ruth ist eine Moabi­terin. Frauen aus Moab waren für Juden ein absolutes No-Go, weil sich der Präze­den­z­fall aus der frühen Geschichte Israels tief in die nationale Seele einge­bran­nt hat­te!

Als das Volk bei Schit­tim lagerte, began­nen die Män­ner, sich mit moabitis­chen Frauen einzu­lassen. Die Moabi­terin­nen luden die Män­ner Israels auch zu den Opfer­festen ein, die sie zu Ehren ihres Gottes feierten. Die Män­ner aßen von dem Opfer­fleisch und war­fen sich anbe­tend vor dem Moabiter­gott zu Boden. (Num 25:1–2)

Moabitis­che Frauen waren nicht nur ver­führerisch in ihrer Schön­heit, son­dern auch in Bezug auf den Glauben. Doch Jesus hat eine Moabi­terin in sein­er Ahnen­rei­he! Sie wird ein Vor­fahre von Jesus, weil sie mit Leib und Seele dem Gott Israels anhängt:

Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. (Rt 1:16)

Dieses Beken­nt­nis ist erstaunlich, denn von diesem Gott ihrer jüdis­chen Schwiegermut­ter Noo­mi hat Ruth bis zu jen­em Zeit­punkt nur Ent­täuschen­des erlebt. Ruths Ehe­mann und Schwiegervater sind bei­de gestor­ben, ohne dass der HERR einge­grif­f­en hätte. Es ist also wed­er ein ‘Wohl­stand­se­van­geli­um’, welch­es Ruth zu Gott zieht, noch eine gute Lösung auf das Prob­lem des Lei­des in der Welt, welche diesen tiefen Glauben an Gott in Ruth weckt, noch ein pos­i­tiv stim­mender Glaube von Noo­mi, denn diese klagt depres­siv den Gott Israels an:

Der HERR hat sein Urteil gegen mich gesprochen; er, der Allmächtige, hat mir bit­teres Leid zuge­fügt. (Rt 1:21)

Vielle­icht kön­nte Ruth eine Inspi­ra­tion sein für Men­schen wie Bart Cam­po­lo oder Michael und Lisa Gun­gor, die auf­grund von Leid den Glauben an den Gott der Bibel aufgegeben haben — Leid, das sie zum Teil nicht ein­mal selb­st erlebt haben. Ruth, die poten­tiell religiös irreführende und sex­uell ver­führerische Aus­län­derin, glaubt dem Gott Israels total trotz der Tat­sache, dass er das grosse Leid in ihrem Umfeld nicht aus der Welt schafft.

Jesus ist stolz, diese Schön­heit aus Moab als seine Ahnin zu haben, welche gegen jede Erfahrung im eige­nen Leben den Gott Israels als einen ver­lässlichen Gott erken­nt und würdigt. Ein Gott, dem sie sich anver­trauen und zu dessen Volk sie gehören will! Jesus beken­nt sich öffentlich zu Ruth als eine sein­er Ahnen!

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Batseba

David zeugte Salo­mo mit der Frau des Uria. (Mt 1:6)

Die ‘Frau des Uria’ ist Bat­se­ba, die Frau, mit der David seinen berühmten Seit­en­sprung hat. Bleibt Bat­se­ba über­haupt eine Wahl? Was fühlt sie, als sie ihren Mann ver­liert, weil David — ihr König und Lieb­haber — diesen ermor­den lässt? Hat sie davon gewusst? Wie sich­er fühlt sie sich als neue Frau von David, wenn dieser bere­it ist, über eine Leiche zu gehen, um seine Lei­den­schaft mit ihr ausleben zu kön­nen? Liebt sie David über­haupt, mit dem sie Zeit ihres Lebens ver­bun­den bleibt?

Es gibt viele Fra­gen, die unbeant­wortet bleiben. Doch eines will Matthäus klar­ma­chen: Bat­se­ba ist die Frau eines Aus­län­ders. Deshalb nen­nt er sie ‘die Frau des Uria’ anstatt bei ihrem Namen. Ver­mut­lich war Bat­se­ba eine Jüdin, die einen loyalen Aus­län­der geheiratet hat­te, der am Hof Davids diente und möglicher­weise zum Glauben des Volkes Gottes kon­vertiert war. (2Sam 11:11)

Jesus ver­tuscht die Tat­sache nicht, dass er Bat­se­ba als Vor­fahrin hat. Im Gegen­teil. Bat­se­ba erhält ihre ganze Würde zurück, indem Jesus selb­st sich öffentlich zu ihr beken­nt, der jüdis­chen Frau eines aus­ländis­chen Dieners am jüdis­chen Volk. Trotz ihrer zweifel­haften Geschichte bringt sie den Sohn zur Welt, aus dessen Abstam­mung eines Tages der Ret­ter der Welt geboren wird.

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Die ‘kontaminierte’ Ahnenreihe von Jesus

Jüdis­che Ahnen­lis­ten bein­hal­teten meis­tens nur Män­ner. Matthäus ‘kon­t­a­miniert’ die Ahnen­rei­he von Jesus mit Frauen und zwar mit solchen von zweifel­haftem Ruf, die entwed­er selb­st Aus­län­derin­nen waren oder mit Aus­län­dern liiert waren.

Der Autor des Matthäus-Evan­geli­ums will seinen Lesern hier Wichtiges klar­ma­chen: Diese Frauen hat­ten mitunter den stärk­eren Glauben und gerechteren Lebensstil als Juden und wur­den auf­grund dessen Teil von Gottes Volk. Matthäus klärt damit, dass wed­er Geschlecht, eth­nis­che Herkun­ft, gesellschaftlich­er Ruf noch voraus­ge­hende moralis­che Lebens­führung darüber entschei­det, wer Teil von Gottes Volk wer­den kann.

Die Ver­mu­tung ist stark, dass die ursprünglichen Empfänger des Matthäus-Evan­geli­ums jüdis­chstäm­mige Chris­ten waren, die (zum Teil berechtigte) Vor­be­halte hat­ten gegenüber nicht-jüdis­chen Men­schen. Matthäus ent­geg­net am Anfang seines Buch­es mit der genial gestal­teten Ahnen­rei­he von Jesus den Vor­be­hal­ten sein­er Leser gegenüber Men­schen, die es aus ihrer Sicht zu ver­acht­en und zu mei­den galt. Matthäus zeigt seinen Lesern, dass sie ihre Vor­be­halte abbauen müssen gegenüber Men­schen, die nicht zu ihrer sozial­re­ligiösen Gruppe gehören, denn diese leben mitunter gerechter und haben mehr Glauben an den Gott der Bibel, als sie selb­st.

Matthäus baut im Ver­lauf seines Buch­es dies­bezüglich immer mehr Momen­tum auf, um am Ende seine Leser mit dem grossen Liebe­sauf­trag Jesu an ihnen zu kon­fron­tieren:

Darum geht zu allen Völk­ern und macht die Men­schen zu meinen Jüngern (Mt 28:19)

Jesus ruft die jüdis­chen Chris­ten von damals dazu auf, zu Men­schen aus allen Völk­ern zu gehen und sie für ein Leben in der Nach­folge von Jesus zu gewin­nen. Nochmals präzis­er gesagt: Sie sollen ihre Vor­be­halte able­gen und zu jenen Men­schen gehen, gegenüber welchen sie religiöse Vor­be­halte haben oder die sie sog­ar als religiös ‘gefährlich’ oder ‘ver­führerisch’ betra­cht­en, um sie für Jesus zu gewin­nen. Sie sollen Men­schen, die an Jesus glauben, als voll­w­er­tige Glieder im Volk Gottes sehen und damit als Teil ihrer Gemein­schaft aufnehmen, unab­hängig von deren Geschlecht, eth­nis­ch­er Herkun­ft, gesellschaftlichem Ruf oder voraus­ge­hen­der moralis­ch­er Lebens­führung. Diesen Men­schen, gegenüber denen sie mitunter grosse Vor­be­halte haben, sollen sie helfen, als Jünger von Jesus Chris­tus zu leben!

Sam All­ber­ry hat am 22. Dezem­ber 2019 auf Face­book dies auf den Punkt gebracht:

Die Ahnen­rei­he von Chris­tus bei Matthäus bein­hal­tet die Aussen­seit­er, die Skan­dalösen und die Aus­län­der. Die Fam­i­lie, von der Jesus kommt, antizip­iert die Fam­i­lie, für die er gekom­men ist. (Eigene Über­set­zung)

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Ermutigung

Es gibt hier eine grosse Ermu­ti­gung. Sie hat mit unserem Gottes­bild zu tun. Wie sehen wir Gott? Die Ahnen­liste von Jesus zeigt uns sein Wesen deut­lich. Er liebt Men­schen und ruft sie dazu auf, Teil seines Volkes zu wer­den unab­hängig von ihrem Geschlecht, ihrer eth­nis­chen Zuge­hörigkeit, ihrem sozialen Ruf und der ‘Qual­ität’ ihres moralis­chen Lebens. Der Gott der Bibel liebt und ruft jeden von uns, an ihn zu glauben, auch dich!

Vielle­icht siehst du dich nicht als Teil der ‘In-Gruppe’. Bist du Aus­län­der? Macht dein Geschlecht dir zu schaf­fen? Ist dein gesellschaftlich­er Ruf ruiniert, ohne dass du etwas dafür kannst? Ist er zer­stört, weil du einen grösseren ‘Bock’ geschossen hast? Ist deine bish­erige moralis­che Lebens­führung nicht so, wie sie vor Gott eigentlich sein sollte? Dann erkenne an Wei­h­nacht­en Gottes Wesen! Er hat seine lei­den­schaftliche Liebe für dich bewiesen, indem er an Wei­h­nacht­en Men­sch gewor­den ist. Er ruft dich dazu auf, an ihn zu glauben, Teil seines Volkes zu wer­den und anz­u­fan­gen, als Nach­fol­ger von Jesus Chris­tus zu leben:

All denen jedoch, die ihn auf­nah­men und an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Gottes Kinder zu wer­den. (Joh 1:12)

Zum Gottes­bild gehört auch, wie Gott mit ver­schiede­nen Kul­turen umge­ht. Meine eigene Mut­ter ist Englän­derin. Sie lebt schon seit vie­len Jahrzehn­ten mit uns in der Schweiz und hat den wun­der­schö­nen Namen Mar­i­on. Sie meinte kür­zlich, dass Ruth auch nach ihrem Ein­gang in Israel weit­er­hin ‘Ruth die Moabi­terin’ genan­nt wird. Ihre Aus­sage stimmt. Auch wenn meine Mut­ter ganz Teil unser­er schweiz­erischen Gemein­schaft gewor­den ist, wird sie wegen ihres leicht englis­chen Akzents immer noch als ‘Mar­i­on die Englän­derin’ wahrgenom­men. Dies ist ein wichtiger Punkt: Die eigene Ursprungskul­tur bleibt immer ein Stück der eige­nen Iden­tität, und das ist gut so!

Auch Ruth hat sich ganz in ihre neue Gemein­schaft eingegeben und den Gott Israels samt dem Ord­nun­gen, welche Gott seinem Volk gegeben hat­te, als ihre eige­nen angenom­men. Und doch blieben viele kul­turelle Eigen­heit­en und Gepflo­gen­heit­en ihrer Herkun­ft erhal­ten. Und das ist gut so! Ruth gehörte samt ihrer Herkun­ft ganz zur Gemeinde Israels.

Das ist ermuti­gend für dich, wenn du in einem frem­den Land als Aus­län­der Teil der Fam­i­lie Gottes wirst! Gott radiert deine kul­turelle Herkun­ft nicht aus, son­dern sieht sie als Bere­icherung! Deine Kul­tur bere­ichert seine Gemeinde so sehr, dass die Bibel vom Ende der Zeit sagt, dass die Kul­turen ihre Schätze ins Neue Jerusalem brin­gen wer­den (Off 21:26).

Zum Gottes­bild gehört auch seine Gerechtigkeit. Gott misst nicht mit unter­schiedlichen Ellen:

Ihr sollt beim Richt­en nicht die Per­son anse­hen, son­dern sollt den Kleinen hören wie den Großen und vor nie­mand euch scheuen; denn das Gericht ist Gottes. (5. Mose 1,17)

Petrus aber tat seinen Mund auf und sprach: Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Per­son nicht ansieht; son­dern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und Recht tut, der ist ihm angenehm. Er hat das Wort dem Volk Israel gesandt und Frieden verkündigt durch Jesus Chris­tus, welch­er ist Herr über alles. (Apos­telgeschichte 10,34–36)

Wenn du Ungerechtigkeit erlebt hast, wird Gott im Zuge der Zeit für dein Recht sor­gen. Er sieht dein gerecht­es Han­deln!

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Ermahnung

Wir mögen dieses Wort nicht. Trotz­dem will ich es hier benutzen, denn die Ahnen­liste von Jesus Chris­tus ist eine Ermah­nung an alle, die sich Chris­ten nen­nen und meinen, sie kön­nten auf Men­schen her­ab­schauen, die sich ausser­halb ihrer Kirche oder ihrer Gemein­schaft bewe­gen.

Täuschen wir uns nicht: Gott sucht und liebt Men­schen jeden Geschlechts, jed­er eth­nis­chen Zuge­hörigkeit, jeden sozialen Rufes und jed­er moralis­chen Lebens­führung. Er will sie alle zu einem Teil seines Volkes machen. Er will, dass sie alle Nach­fol­ger von Jesus Chris­tus wer­den. Es ist sog­ar so, dass manche von ihnen, die schein­bar nicht ‘zu uns’ gehören, in den Augen Gottes gerechter leben und mehr Glauben haben, als wir. Sie sind in den Augen Gottes möglicher­weise unsere Vor­bilder und nicht wir ihre!

Lassen wir uns an Wei­h­nacht­en diesen Fra­gen stellen:

  • Sehe ich herab auf Men­schen anderen Geschlechts, eth­nis­ch­er Zuge­hörigkeit, anderen sozialen Sta­tus oder ange­blich ‘min­der­w­er­tiger moralis­ch­er Lebens­führung’?
  • Gibt es Grup­pen von Men­schen, gegenüber denen ich nicht nur Vor­be­halte habe, son­dern vor denen ich Angst habe oder die ich als der­massen unmoralisch anse­he, dass ich sie als ‘Gott-Ver­lorene’ betra­chte, als hoff­nungslose Fälle, die wir ihrem Schick­sal über­lassen sollen?
  • Was kön­nte ich tun, um meine Äng­ste und Ablehnung abzule­gen? Wo kön­nte ich auf eine Per­son dieser Gruppe zuge­hen und sie ein Stück der lei­den­schaftlichen Liebe Gottes erfahren lassen?
  • Richte ich mit unter­schiedlichen Ellen je nach­dem, wer vor mir ste­ht? Wie kann ich sicherge­hen, dass ich nach Gottes Gerechtigkeit han­dle, welche die Per­son nicht ansieht?
  • Gibt es Nach­fol­ger von Jesus unter diesen Men­schen, welche mir ein Vor­bild sein kön­nten?
  • Zeigt sich mein eigenes, ange­blich­es Gottver­trauen in meinen Entschei­dun­gen und Hand­lun­gen? Han­dle ich als Christ gerecht in dieser Welt?
2 Comments
  1. Avatar
    Manuela Marthaler 1 Monat ago
    Reply

    Wauw!
    Das geht echt tief, so wun­der­bar!
    Für mich echte befreiung, genau das was ich schon lange füh­le wahrnehme, so fundiert belegt. Immer wieder sehr bere­ich­ernd was ihr hier in danieloption.ch veröf­fentlicht! Ein von ganzem Herzen Her­zlich­es Dankeschön für eure Arbeit👍👏. Weit­er so, fühl mich pos­i­tiv her­aus­ge­fordert 🤗💃🙌🙏.
    Mit Her­zlichen Grüßen
    Manuela Marthaler

    • Paul Bruderer
      Paul Bruderer 1 Monat ago
      Reply

      Her­zlichen Dank Manuela!

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