Gewissheit finden

Paul Bruderer
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«Ich möch­te so ger­ne glau­ben, aber ich schaff› es nicht!» pro­te­stiert mein Stu­di­en­freund kürz­lich, als wir uns zum Kaf­fee tref­fen. Ich kann ihm nur zu gut nach­füh­len. Sei­ne Wor­te beschrei­ben per­fekt, was ich in mei­ner Zwei­fels-Pha­se erlebt habe. Wie kommt es dazu, dass wir Glau­bens-Gewiss­heit fin­den?

Wie in jedem Arti­kel, schnei­den wir gros­se The­men an. Und wie in jedem Arti­kel kön­nen wir letz­lich nur einen klei­nen Aus­schnitt beleuch­ten. Für die­sen Blog­post gren­ze ich die Fra­ge der Gewiss­heit mit einem Vers der Bibel, der mich froh wer­den lässt, ein :

Lasst euch nicht durch man­cher­lei und frem­de Leh­ren umtrei­ben, denn es ist ein köst­lich Ding, dass das Herz fest wer­de, wel­ches geschieht durch Gna­de, nicht durch Spei­se­ge­bo­te, von denen kei­nen Nut­zen haben, die danach leben. (Hebrä­er 13,9)

Unser Herz darf fest werden

Dür­fen wir zu festen Glau­bens-Über­zeu­gun­gen gelan­gen? Oder soll­ten wir sol­chen nicht bes­ser mit einer gros­sen Por­ti­on Skep­sis begeg­nen? Bereits in unse­rem letz­ten Arti­kel haben wir am Bei­spiel der ersten Goten-Chri­sten auf­ge­zeigt, was für eine posi­ti­ve Kraft tie­fe Glau­bens­über­zeu­gun­gen in einem Men­schen bewir­ken kön­nen.

Ja — unser Herz darf fest wer­den! Es geht hier aber nicht um eine unbe­weg­li­che Stur­heit der See­le, nicht um dog­ma­ti­sche Ortho­do­xie. Viel­mehr soll unser Herz Boden unter die Füs­se bekom­men, sta­bil wer­den, inner­lich ver­wur­zelt im Glau­ben. Der Glau­be soll im Her­zen ‹eta­bliert› sein, sodass wir in der Begeg­nung mit nicht-bibli­scher Leh­re nicht sofort aus der Bahn gewor­fen wer­den. Eben die­se inne­re Gewiss­heit erlaubt es einem Gläu­bi­gen, geist­lich beweg­lich zu blei­ben ohne dabei wind­wen­de­risch zu sein.

Es geschieht durch Gnade

Der Kon­trast in die­sem Bibel­vers ist zwi­schen Got­tes Wir­kung am Inne­ren (Herz) und dem äus­ser­li­chen Befol­gen von Gebo­ten (Spei­se­ge­bo­te). Das Neue Testa­ment lehrt, dass äus­se­re Fak­to­ren durch­aus wich­tig sind, wenn im inne­ren Her­zen eines Men­schen Glau­be ent­ste­hen soll:

Denn »wer den Namen des Herrn anruft, wird selig wer­den«  Wie sol­len sie aber den anru­fen, an den sie nicht glau­ben? Wie sol­len sie aber an den glau­ben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sol­len sie aber hören ohne Pre­di­ger? (Römer 10,13 – 14)

Wir brau­chen also auch von aus­sen kom­men­de, gute Leh­re, um zum Glau­ben zu fin­den. Aber was von aus­sen an den Men­schen her­an­ge­tra­gen wird, kann allei­ne kei­nen Glau­ben wecken oder das Herz fest wer­den las­sen. Got­tes Gna­de muss das Sei­ne dazu­tun.

Der Phi­lo­soph Imma­nu­el Kant hat im Den­ken unse­rer west­li­chen Welt einen Gra­ben geöff­net zwi­schen dem Nou­me­non (die äus­se­re Welt an sich) und dem Phä­no­me­non (die Welt wie wir sie wahr­neh­men und sich uns prä­sen­tiert). Unse­re Lösungs­an­sät­ze konn­ten die­sen Gra­ben nie über­win­den und las­sen uns in der Unge­wiss­heit, ob wir die Welt, geschwei­ge denn Gott, wirk­lich ken­nen kön­nen.

Als Schöp­fer der Welt, steht Gott über allem, was in der Schöp­fung ist: Über der äus­se­ren objek­ti­ven Rea­li­tät der Welt UND der inne­ren Sub­jek­ti­vi­tät des Men­schen. Gott kann bei­de Berei­che in sinn­vol­le Ver­bin­dung brin­gen zu ein­an­der. ER allein kann uns Gewiss­heit geben über das, was ‹da draus­sen› ist. Er kann in unse­rem Inne­ren Erkennt­nis geben über das, was real ist. Aber ER muss es tun. Wir kön­nen nicht selbst den ‹Kant­schen Gra­ben› über­win­den. Gott muss sei­ne Gna­de an uns wir­ken las­sen.

Letztlich ist es Gott der wirkt

Hebrä­er 13,9 bekennt also, dass jede Selbst­erlö­sung des Men­schen zum Schei­tern ver­ur­teilt ist. Das zu erken­nen ist so ent­la­stend!

Ich habe über die Jah­re wohl hun­der­te (wenn nicht tau­sen­de) von Gesprä­chen mit Zweif­lern geführt, Athe­isten, Men­schen aller Art von reli­giö­ser Cou­leur. Bei man­chen ist der Glau­be ent­stan­den, ihr Herz wur­de fest im Glau­ben an Jesus Chri­stus. Bei ande­ren ist das nicht gesche­hen. Immer wenn das pas­siert, weiss ich: Es bleibt eine Gna­de, wenn im Inne­ren eines Men­schen Gewiss­heit des Glau­bens ent­steht.

Bei mir per­sön­lich war das so, als ich nach meh­re­ren Jah­ren von Zwei­fel und inne­rer Not (ich hät­te ger­ne geglaubt, konn­te aber nicht!) plötz­lich fest­stell­te: Es glaubt wie­der in mir! Hal­le­lu­ja! Bis heu­te ist dies mein gröss­tes und kost­bar­stes Gut, für das ich Gott unend­lich dank­bar bin! Mein Glau­be ent­stand nicht blind, son­dern in der Aus­ein­an­der­set­zung mit Fra­gen, Wahr­heits­an­sprü­chen, phi­lo­so­phi­schen und histo­ri­schen Beweis­füh­run­gen. Doch die­se äus­se­ren Fak­to­ren allein reich­ten nicht aus. Es brauch­te Got­tes Gna­de die hin­zu­kam.

War­um dau­er­te das eini­ge Jah­re? Ich weiss es nicht! Hät­te Gott es bit­te schön schnel­ler gehen las­sen kön­nen? Damals emp­fand ich so. Heu­te bin ich nicht mehr so sicher, denn heu­te darf ich wis­sen: Ich ver­traue Gott dass er weiss, wann im Her­zen eines Men­schen die Gna­de zum Durch­bruch kom­men soll. Und ich weiss auch: Wenn das geschieht, ist es wahr­haf­tig ein köst­lich Ding, etwas das die See­le nährt, etwas das die See­le genies­sen darf!

Ich bin dankbar!

Heu­te spü­re ich nahe­zu täg­lich eine tie­fe Dank­bar­keit: Dan­ke Gott, dass ich glau­ben darf! FF Bruce schreibt in sei­nem Kom­men­tar zu Hebrä­er 13,9 über das dort ver­wen­de­te Wort ‹Gna­de› (Grie­chisch ‹cha­ris›):

In Anbe­tracht der Kraft die­ses Wor­tes, müss­te hier die Idee der Dank­bar­keit mit­ge­dacht wer­den — Dank­bar­keit als Ant­wort auf die Gna­de Got­tes. (F. F. Bruce, The Epist­le to the Hebrews, Sei­te 377, eige­ne Über­set­zung)

Hebrä­er 13,9 ist eine gros­se Ermu­ti­gung für alle, die glau­ben dür­fen und moti­viert uns, Gott dafür zu dan­ken und zu loben!

Die­ser Vers ist eine Ermu­ti­gung für alle die ver­su­chen, ihren zwei­feln­den und nicht-gläu­bi­gen Freun­den Jesus näher zu brin­gen. Dei­ne Wor­te haben Bedeu­tung, aber es kommt auch auf Got­tes Wir­ken an. Ver­lass› dich dar­auf, dass Gott ein noch grös­se­res Inter­es­se dar­an hat, dass dei­ne Freun­de den Glau­ben fin­den. Er tut es zur rech­ten Zeit!

Die­ser Vers hilft auch allen Zweif­lern, sich nach Gott aus­zu­strecken. Ich weiss: Du bist nicht sicher, ob er da ist. Aber dein Gebet könn­te sein:

«Herr, wenn es dich gibt, erbar­me dich mei­ner und füh­re mich zur Glau­bens­ge­wiss­heit in Jesus Chri­stus! Dann wer­de ich dir von Her­zen dan­ken!»

Gnade hat einen Namen

Die bevor­ste­hen­de Weih­nachts­zeit erin­nert uns dar­an, dass Gna­de einen Namen hat: Jesus:

Denn die Gna­de Got­tes ist erschie­nen, die heil­brin­gend ist für alle Men­schen (Titus 2:11)

Die Gna­de Got­tes ist uns in der Per­son von Jesus Chri­stus erschie­nen. Lass uns in die­ser Weih­nachts-Zeit die­sen leben­di­gen Gna­den­er­weis Got­tes in einem Geist der Dank­bar­keit suchen.

Wir ermu­ti­gen dich, dich auf Gott ein­zu­las­sen und dich nach einer rea­len Begeg­nung mit sei­nem Sohn Jesus Chri­stus aus­zu­strecken. Wir freu­en uns sehr dar­auf, uns mit­tels den Advents-Arti­keln zusam­men mit dir, unse­rem Leser, geist­lich auf den Weg zu machen!

1 Comment
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    Karin S. 2 Wochen ago
    Reply

    Dan­ke, Paul, für die­se mut­ma­chen­den Wor­te! Ja, ich mer­ke gra­de, dass mei­ne Dank­bar­keit Gott gege­über für die­ses Gna­den­ge­schenk der Heils­ge­wiss­heit oft zu wün­schen übrig lässt und doch so wich­tig ist, gera­de auch im Rin­gen um Erkennt­nis für noch Gott fer­ne Freun­de. Dan­ke für euren tol­len Blogg, ger­ne wei­ter so! Seid geseg­net!!

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