DNA (10/10): Die Dritte Option

Paul Bruderer
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«Paul, bist du kon­ser­va­tiv oder libe­ral?», wer­de ich oft gefragt. Seit Jah­ren lau­tet mei­ne Ant­wort, dass ich eine Drit­te Opti­on lebe. Was Chri­sten mit den Labels «kon­ser­va­tiv» und «libe­ral» asso­zi­ie­ren, sind oft Fäl­schun­gen oder Ver­kür­zun­gen der eigent­li­chen Lebens­wei­se, zu der Jesus Chri­stus uns ein­lädt, näm­lich dem biblisch begrün­de­ten Leben im Evan­ge­li­um!

In die­sem Arti­kel skiz­zie­re ich das, was ich seit vie­len Jah­ren mit mei­ner Gemein­de lebe. Das ist es auch, was Daniel­Op­ti­on antreibt und hof­fent­lich unter Chri­sten und Gemein­den immer mehr Pro­fil bekom­men wird: Lei­den­schaft für die Drit­te Opti­on!

Ich bin begei­stert von dem, was die DNA-Serie ans Licht gebracht hat! Gott baut sein Reich, indem er Gren­zen über­schrei­tet. Mit Men­schen aller Kul­tu­ren, mit Mann und Frau, mit Rand­stän­di­gen und gesell­schaft­lich Gewich­ti­gen, mit Unge­bo­re­nen und Gebo­re­nen, Star­ken und Schwa­chen. Dabei löst er die Gren­zen nicht auf, son­dern bringt durch sein Reich die Grup­pen in ein ver­söhn­tes und wir­kungs­vol­les Mit­ein­an­der. Ich lie­be das Bild der schö­nen Viel­falt von Got­tes Reich, das hier sicht­bar wird!

Falsche Alternativen

Die­se DNA-Serie gibt nicht nur eine Visi­on für die Chri­sten­heit vor, sie hilft auch im Umgang mit fal­schen Alter­na­ti­ven. In mei­nem Leben als Christ und mei­nem Dienst als Pastor habe ich immer wie­der fest­ge­stellt, dass man uns fal­sche Alter­na­ti­ven anbie­tet.

Ein Bei­spiel kann dies gut illu­strie­ren. Man for­dert von uns Chri­sten laut­stark, dass wir mehr poli­tisch links sein müs­sen, weil kon­ser­va­ti­ve Chri­sten Prä­si­dent Trump hörig sei­en und das immer schlecht sein muss. Post­wen­dend höre ich Berich­te von links­ra­di­ka­ler Gewalt mit der aus­drück­li­chen oder sub­ti­len Auf­for­de­rung, dass wir Chri­sten poli­tisch rechts agie­ren soll­ten.

Die DNA-Serie hat in aller Deut­lich­keit gezeigt, dass «poli­tisch links» und «rechts» für das Chri­sten­tum fal­sche Alter­na­ti­ven sind. Die DNA des Chri­sten­tums ist das biblisch begrün­de­te Evan­ge­li­um von Jesus Chri­stus. Die­ses führt dazu, dass wir in man­chen Fra­gen das aus­le­ben, was poli­tisch im lin­ken Spek­trum liegt. In die­sen Fra­gen weh­ren wir uns mit­un­ter vehe­ment gegen poli­tisch rechts gela­ger­te For­de­run­gen. In ande­ren Berei­chen bewegt uns das­sel­be Evan­ge­li­um dazu, etwas zu för­dern, das poli­tisch rechts gela­gert ist und uns ent­schlos­sen der poli­ti­schen Lin­ken ent­ge­gen­zu­stel­len.

Was wir hier am Bei­spiel des poli­ti­schen Spek­trums (links und rechts) sehen, gilt in ande­ren Berei­chen oft auch. Man hält uns Chri­sten fal­sche Alter­na­ti­ven vor und ver­gisst: Das Chri­sten­tum, das Evan­ge­li­um, das Reich Got­tes ist oft etwas Drit­tes!

Ein Spektrum zwischen zwei Polen

C.S. Lewis schreibt:

Der Teu­fel […] schickt die Irr­tü­mer immer paar­wei­se in die Welt – und zwar als gegen­sätz­li­che Paa­re. Und er ermun­tert uns stets dazu, aus­gie­big dar­über nach­zu­den­ken, wel­cher der schlim­me­re ist … Er nutzt ihre beson­ders star­ke Abnei­gung gegen den einen Irr­tum aus, um sie ganz all­mäh­lich in den ande­ren hin­ein­zu­locken. Aber las­sen wir uns nicht hin­ters Licht füh­ren. Wir müs­sen unse­ren Blick aufs Ziel rich­ten und gera­de­wegs zwi­schen bei­den Irr­tü­mern hin­durch­ge­hen. (C.S. Lewis, Par­don ich bin Christ, Kind­le Posi­ti­on 2802)

Tim Kel­ler ver­weist auf eine ähn­li­che Aus­sa­ge von Ter­tul­li­an:

«So, wie Jesus zwi­schen zwei Ver­bre­chern gekreu­zigt wur­de, wird das Evan­ge­li­um auf ewig zwi­schen zwei Irr­tü­mern gekreu­zigt.» (Tim Kel­ler, Cen­ter Church Deutsch, Sei­te 42)

Wenn wir dem Evan­ge­li­um von Jesus Chri­stus in der Bibel begeg­nen, wird uns eine sehr ermu­ti­gen­de und wohl­tu­en­de Nach­richt über­mit­telt:

Als aber die Güte und Men­schen­freund­lich­keit Got­tes, unse­res Ret­ters, erschien, hat er uns geret­tet — nicht auf­grund von Wer­ken der Gerech­tig­keit, die wir voll­bracht haben, son­dern nach sei­nem Erbar­men. (Titus 3,4)

Hier liegt die Kraft, als Beschenk­te von Gott in die Fül­le des Lebens mit ihm vor­zu­stos­sen! Es ist aber auch mög­lich, das Evan­ge­li­um in zwei Irr­tü­mer hin­ein zu ent­stel­len. Tim Kel­ler nennt sie «Rela­ti­vis­mus» und «Mora­lis­mus» oder auch «Gesetz­lo­sig­keit» und «Gesetz­lich­keit»:

Die­se bei­den Irr­tü­mer wol­len uns stän­dig die Gute Nach­richt ver­der­ben und uns der Kraft des Evan­ge­li­ums berau­ben. Die Gesetz­lich­keit sagt, dass wir ein gutes, gehei­lig­tes Leben füh­ren müs­sen, um erlöst zu wer­den. Die Gesetz­lo­sig­keit sagt, dass wir kein gutes, gehei­lig­tes Leben füh­ren müs­sen, weil wir bereits erlöst sind. (Tim Kel­ler, Cen­ter Church Deutsch, Sei­te 42)

Wir kön­nen das gra­phisch dar­stel­len, indem wir links und rechts zwei Pole anbrin­gen und dazwi­schen die Drit­te Opti­on:


Wich­tig ist zu ver­ste­hen, dass die Mit­te nicht ein (gut­schwei­ze­ri­scher) Kom­pro­miss der ande­ren bei­den Sei­ten ist, son­dern das Eigent­li­che, das Ori­gi­nal. Hier fin­det das ech­te Leben statt! Die Aus­sen­po­le sind eine ein­sei­ti­ge Ver­zer­rung und somit eine Ver­ar­mung der eigent­li­chen Evan­ge­li­ums-Opti­on.

Wei­ter ist der Weg von einem Pol zum ande­ren als Spek­trum gedacht. Es gibt flies­sen­de Über­gan­ge von einer Opti­on zur näch­sten Opti­on. Ich kann zum Bei­spiel irgend­wo zwi­schen dem lin­ken Pol und der Mit­te sein, oder irgend­wo zwi­schen der Mit­te und dem rech­ten Pol.

Zwischen «liberal» und «konservativ»

In den Köp­fen von vie­len Chri­sten wer­den «libe­ral» und «kon­ser­va­tiv» als Alter­na­ti­ven gese­hen. Die­se bei­den Wor­te ver­wei­sen auf zwei grund­le­gen­de theo­lo­gi­sche Ansät­ze, die wir als Pole ein­an­der gegen­über­stel­len kön­nen. Ich möch­te in einer Tabel­le anhand eini­ger Bei­spie­le zei­gen, wie ich die Drit­te Opti­on im Spek­trum zwi­schen den Polen «libe­ral» und «kon­ser­va­tiv» sehe.

Es gibt auch die Labels «pro­gres­siv» und «post­evan­ge­li­kal». Vie­les, was unter die­sen Labels daher­kommt, ist mei­ner Mei­nung nach wenig ande­res als die theo­lo­gi­schen Ansät­ze der libe­ra­len Theo­lo­gie. Was als neu ver­kauft wird, ist schon lan­ge auf dem theo­lo­gi­schen Markt, nur fin­det es aktu­ell Ein­zug in evan­ge­li­ka­len Krei­sen. Ich begrün­de die­se Aus­sa­ge hier nicht, son­dern bit­te den Leser, der sich damit aus­kennt, beim wei­te­ren Lesen zu prü­fen, ob das passt. Um dar­auf auf­merk­sam zu machen, spre­che ich hier manch­mal nicht nur von «libe­ral» son­dern auch von «liberal/progressiv».

Beim Lesen der Tabel­le gilt es, fol­gen­de Punk­te zu beach­ten:

  1. Labels wie «liberal/progressiv» oder «kon­ser­va­tiv» reprä­sen­tie­ren Per­so­nen nicht immer kor­rekt. Ich bit­te die Leser, die­se Wör­ter und Zuord­nun­gen als Beschrei­bung von Ten­den­zen zu ver­ste­hen, die zum Nach­den­ken anre­gen sol­len.
  2. Es ist klar, dass ich mich selbst in der Drit­ten Opti­on und die ande­ren Optio­nen mit­un­ter pro­ble­ma­tisch sehe. Ent­spre­chend kön­nen mei­ne Beschrei­bun­gen der ande­ren Optio­nen nega­tiv sein. Ich will damit die Per­so­nen, die sich in die­sen ande­ren Optio­nen sehen, nicht belei­di­gen oder ihnen vor­schrei­ben, was sie den­ken sol­len. Mein Ziel ist, den Lese­rIn­nen zu hel­fen, aus dem ver­ein­fach­ten Den­ken in nur zwei Optio­nen her­aus­zu­fin­den.
  3. Wie vor­hin erklärt sind die Optio­nen auf einem Spek­trum posi­tio­niert, das flies­sen­de Über­gän­ge mög­lich macht. Es gibt aber bei eini­gen The­men «Brü­che», sodass die Idee eines flies­sen­den Spek­trums nicht immer pas­send ist. Mehr dazu wei­ter unten. Ich wage hier eine Misch­form, weil vie­le Chri­sten in mei­nem Umfeld die Über­gän­ge zwi­schen den bei­den Alter­na­ti­ven «libe­ral» und «kon­ser­va­tiv» als flies­send betrach­ten.

Bei eini­gen The­men ist die Drit­te Opti­on eine muti­ge Kom­bi­na­ti­on bei­der Pole. In die­sen Fäl­len sind die Aus­sa­gen bei den bei­den Polen zwar ein­sei­tig, aber sie sind nicht grund­sätz­lich nega­tiv zu ver­ste­hen. Wer­den die Pole kom­bi­niert aus­ge­lebt, ent­steht eine kraft­vol­le Dyna­mik.


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Wenn die Pole posi­tiv kom­bi­niert wer­den kön­nen, ist es wich­tig zu ver­ste­hen, dass die Drit­te Opti­on nicht ein Kom­pro­miss der ande­ren Optio­nen (50% libe­ral und 50% kon­ser­va­tiv) ist, son­dern ein «sowohl als auch» (100% libe­ral und 100% kon­ser­va­tiv). Hier kann eine gute, dyna­mi­sche Bewe­gung ent­ste­hen, wie Ema­nu­el Hunz­i­ker in sei­nem Arti­kel über Span­nun­gen auf­zeigt. Die­ser Arti­kel muss unbe­dingt gele­sen wer­den, um die Drit­te Opti­on gut zu ver­ste­hen und die Grün­de zu erken­nen, wes­halb es uns schwer­fällt, gegen­sätz­li­che Pole dyna­misch zu kom­bi­nie­ren.

Die Pole können nicht immer kombiniert werden

Es gibt The­men, da grenzt sich die Drit­te Opti­on ab gegen­über einem Pol oder bei­den Polen. In die­sen Fäl­len sehe ich die Aus­sa­ge eines Poles nicht nur als «hal­be, aber beden­kens­wer­te Wahr­heit», son­dern als fal­sche Aus­sa­ge. Des­halb kann eine sol­che Aus­sa­ge nicht in die Drit­te Opti­on inte­griert wer­den.


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Manch­mal grenzt sich die Drit­te Opti­on ab gegen­über dem liberalen/progressiven Pol, manch­mal gegen­über dem kon­ser­va­ti­ven, manch­mal gegen­über bei­den.

Wor­in liegt das Wesen der Abgren­zung zum libe­ra­len Pol? Mei­ne Wahr­neh­mung ist, dass es einen welt­an­schau­li­chen Bruch gibt irgend­wo zwi­schen der Drit­ten Opti­on und dem libe­ra­len Pol. Die kon­ser­va­ti­ve Opti­on und die Drit­te Opti­on sind ver­eint durch die gemein­sa­me Grund­la­ge in der judeo-christ­li­chen Welt­an­schau­ung, wel­che dem liberalen/progressiven Pol fehlt. Hier ist der Gra­ben sehr tief.

Wor­in liegt das Wesen der Abgren­zung zum kon­ser­va­ti­ven Pol? Hier ist die Abgren­zung anders gela­gert und hat wesent­lich damit zu tun, dass die Drit­te Opti­on ein ganz­heit­li­ches Ver­ständ­nis des Evan­ge­li­ums hat, wäh­rend der kon­ser­va­ti­ve Pol dies nicht hat. Der Bruch ist nicht welt­an­schau­lich, son­dern biblisch-theo­lo­gisch. In die­se Rich­tung ist der Gra­ben also nicht so gross wie in die ande­re Rich­tung.

Ich könn­te mir des­halb vor­stel­len, die Drit­te Opti­on mit dem Label «dif­fe­ren­ziert kon­ser­va­tiv» zu bezeich­nen. In Zei­ten, in denen das Label «kon­ser­va­tiv» für eini­ge einem Unwort nahe kommt, ste­he ich in gros­ser Ver­su­chung, mich genau des­halb damit zu schmücken. Ich las­se die­se Spie­le­rei­en und schla­ge vor, dass wir einem neu­en Label Pro­fil geben, näm­lich der Drit­ten Opti­on.

Wie reden wir miteinander?

Nahe­zu egal, wo man auf dem Spek­trum steht: Was links von mir steht, wer­de ich als «libe­ral», und was rechts von mir ist, als «kon­ser­va­tiv» ein­stu­fen. Die­se Tat­sa­che führt zu mit­un­ter span­nungs­vol­len Bezie­hun­gen. Chri­sten, die ganz am äus­se­ren Rand des kon­ser­va­ti­ven Pols sind, stu­fen zum Bei­spiel die Drit­te Opti­on so ein, denn sie ist ja links von ihnen. Obschon die Drit­te Opti­on immense Unter­schie­de zur libe­ra­len Opti­on hat, sehen sehr kon­ser­va­ti­ve Chri­sten die teil­wei­se vor­han­de­ne Ähn­lich­keit zur liberalen/progressiven Sei­te und äng­sti­gen sich, dass die Drit­te Opti­on eine Vor­stu­fe ist auf dem Weg Rich­tung libe­ral.

Der libe­ra­len Sei­te geht es ähn­lich. Sie sieht zum Bei­spiel das Bibel­ver­ständ­nis der Drit­ten Opti­on und denkt, dass die­se nur getarn­ter Ultra-Kon­ser­va­ti­vis­mus ist.

Ich habe mich längst ent­schie­den, es zu akzep­tie­ren, in die­sen Din­gen miss­ver­stan­den zu wer­den. Ich hof­fe immer wie­der, dass es mit­tels Gespräch zu einem bes­se­ren Ver­ständ­nis kommt.

Auch bezüg­lich Gesprächs­kul­tur gibt es eine Drit­te Opti­on. Sie erkennt den Bedarf, bei­des zu tun: Man­ches kom­bi­nie­ren und ande­res kon­fron­tie­ren. Wir müs­sen über das reden, was sich berech­tig­ter­wei­se posi­tiv kom­bi­nie­ren lässt. Logisch! Aber wir müs­sen auch über die The­men reden, wo es Brü­che gibt! Es gibt rea­le und tief­grei­fen­de Unter­schie­de und Gemein­sam­kei­ten. Die­se soll­ten auf den Tisch kom­men und offen dis­ku­tiert wer­den kön­nen.

Den Glauben verlieren

Vie­le mei­ner Jugend­freun­de, die in sehr kon­ser­va­ti­ve Gemein­den gin­gen, glau­ben heu­te lei­der nicht mehr an Jesus Chri­stus. Sie haben schlicht die Nase voll davon. Dies macht mich zutiefst trau­rig!

Ich suche die Feh­ler nicht nur in den Gemein­de­kul­tu­ren jener Gemein­schaf­ten. Wer sagt denn, dass es in «mei­ner» Gemein­de bes­ser ist? Ich weiss, dass Gott grös­ser ist als fehl­ge­lei­te­te Gemein­den und Theo­lo­gien. Er geht sei­nen Weg mit den Men­schen. Gleich­zei­tig ist die Gemein­de­aus­rich­tung sehr wich­tig, wenn es um den Glau­ben von jun­gen Men­schen geht, aber auch von neu­en Chri­sten und lang­jäh­ri­gen Chri­sten. Dar­um habe ich Mühe mit Gemein­den, die sich ganz aus­sen am kon­ser­va­ti­ven Pol posi­tio­nie­ren.

Glau­bens­ver­lust gibt es aber nicht nur auf der kon­ser­va­ti­ven Sei­te, son­dern auch auf der liberal/progressiven. Hier wer­den Fra­gen und Zwei­fel gera­de­zu zele­briert und Glau­bens­ge­wiss­heit ist uncool. Hier wer­den grund­le­gend­ste Wahr­hei­ten der Chri­sten­heit unter­wan­dert und damit auch der Glau­be man­ches Chri­sten auf­ge­löst. In den letz­ten Jah­ren haben Freun­de von mir den Glau­ben nicht so sehr wegen dem Kon­ser­va­ti­ven ver­lo­ren, son­dern wegen dem Ein­fluss des libe­ra­len Pols. Auch das macht mich zutiefst trau­rig!

Sicher den­ken Ver­tre­ter, die ganz aus­sen am libe­ra­len und ganz aus­sen am kon­ser­va­ti­ven Pol ste­hen, Ähn­li­ches über das, was ich hier als Drit­te Opti­on beschrie­ben habe. Mein Punkt ist aber fol­gen­der: Das Vor­han­den­sein einer Drit­ten Opti­on könn­te man­chen Glau­bens­ver­lust ver­mei­den, ein­fach durch die Tat­sa­che, dass eine wei­te­re Opti­on bekannt ist.

Für sehr kon­ser­va­ti­ve Chri­sten, die anfan­gen, ihren Glau­ben zu hin­ter­fra­gen und Zwei­fel zu haben, könn­te es sehr wich­tig sein zu wis­sen, dass es nebst der liberalen/progressiven Opti­on eine Drit­te Opti­on gibt. Man muss sich nicht in die sub­til glau­bens­auf­lö­sen­den Gefil­de der libe­ra­len Theo­lo­gie bege­ben, um den Glau­ben neu bele­ben zu las­sen. Man kann die frei­set­zen­de Kraft des Evan­ge­li­ums in der Drit­ten Opti­on erkun­den!

Das­sel­be geht auch in die ande­re Rich­tung. Wenn libe­ral ticken­de Chri­sten die Drit­te Opti­on ken­nen, öff­net das ihnen unter Umstän­den Wege zurück in eine christ­li­che Welt­an­schau­ung und zu einem soli­den Bibel­ver­ständ­nis, ohne dass sie dabei super-kon­ser­va­tiv wer­den müs­sen.

Das biblische Evangelium setzt die Kraft Gottes frei

Ich sehe in der Drit­ten Opti­on die gros­se Kraft des Evan­ge­li­ums, wie sie uns die Bibel dar­stellt. Ich bin begei­stert, für die­se zu leben! Hier­in liegt mei­ne Moti­va­ti­on, Pastor zu sein und Jesus mit die­ser Gemein­de zu erle­ben! Hier­in liegt mei­ne Freu­de an die­ser DNA-Serie. An die­ser Drit­ten Opti­on wird klar, wofür wir bei Daniel­Op­ti­on ste­hen und dar­aus abge­lei­tet auch, woge­gen wir uns weh­ren.

Es gibt vie­les zu dis­ku­tie­ren:

  • Wel­che The­men soll­ten in bei­den Tabel­le auch noch vor­kom­men?
  • Wie wer­den die ethi­schen The­men wie Macht, Wohl­stand, Homo­se­xua­li­tät, Gen­der, Abtrei­bung, Eutha­na­sie etc. auf die drei Optio­nen auf­ge­teilt?
  • Lie­gen die Brü­che auf dem Spek­trum wirk­lich dort, wo ich sie ange­setzt habe? Ist das Wesen der Brü­che so, wie ich sie vor­schla­ge oder nicht?
  • Was bedeu­ten die Optio­nen für poli­ti­sches Enga­ge­ment von Chri­sten in unse­rem Staat?

Ich freue mich auf alle Gesprä­che und Dis­kus­sio­nen, wel­che zu einer Schär­fung der Drit­ten Opti­on füh­ren und zur Ent­deckung der frei­set­zen­den Kraft des Evan­ge­li­ums von Jesus Chri­stus!

12 Comments
  1. Avatar
    Patrick 6 Monaten ago
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    Mich irri­tiert der letz­te Punkt «Ret­tung». D.h. du bist der Ansicht die Bibel lehrt, dass Men­schen auch erret­tet wer­den kön­nen, wenn sie nicht zu Leb­zei­ten Chri­stus anzie­hen? Wie begrün­dest du das? Wie kann jemand nach dem Tod geret­tet wer­den? Was sagst du zu Heb 9,27? Viel­leicht habe ich dich auch falsch ver­stan­den.

    • Paul Bruderer
      Paul Bruderer 6 Monaten ago
      Reply

      Hi Patrick — super Input von dir. Ich mel­de mich bald mit eini­gen Hin­wei­sen. Michael’s Fra­gen gehen in eine ähn­li­che Rich­tung. Bis bald.

      • Avatar
        Patrick 2 Monaten ago
        Reply

        Hoi Paul habe ich dei­ne Hin­wei­se über­se­hen?

        • Paul Bruderer
          Paul Bruderer 1 Monat ago
          Reply

          Lie­ber Patrick — hast du nicht. Schan­de auf mei­nem Haup­te — ich habe noch nicht geant­wor­tet. Ich versuch’s grad schnell zu machen

        • Paul Bruderer
          Paul Bruderer 1 Monat ago
          Reply

          Ich glau­be zu 100% was Heb 9,27 sagt: «Ster­ben müs­sen alle Men­schen; aber sie ster­ben nur ein­mal, und dar­auf folgt das Gericht.» Frü­her nahm ich die­sen Text um zu sagen: Wer vor dem Tod kein Ja zu Jesus gege­ben hat, ist ver­lo­ren. Ich den­ke heu­te nicht mehr, dass die­ser Text zwin­gend die­se Bedeu­tung haben muss. Die­ser Text zeigt die linea­re Sicht von Zeit, die dem jüdisch-christ­li­chen Welt­bild typisch ist: Zeit und Geschich­te ist nicht zyklisch, wie in den Re-Inkar­na­ti­ons-Reli­gio­nen, son­dern es gibt nur EIN Leben und EINEN Tod und es gibt ein Gericht, in dem Gott eine Beur­tei­lung des Lebens jedes Men­schen vor­nimmt. Ich sehe das Wort ‹danach› als etwas, das die ABFOLGE der Ereig­nis­se zeigt. Ange­nom­men es gäbe ande­re Stel­len, die eine Mög­lich­keit von nach-Tod-Ent­schei­dun­gen zei­gen oder andeu­ten, dann wür­de Hebr 9,27 ein­fach das bedeu­ten, was ich oben skiz­ziert habe.

          Es gibt Stel­len, die sol­che Mög­lich­kei­ten wenig­stens denk­bar machen, aber es gibt nur eine sehr dün­ne bibli­sche Basis dafür. Doch für mich ist das schon mal inter­es­sant. Ich den­ke, die Bibel sagt nir­gends aus­drück­lich, dass es KEINE Gele­gen­heit nach dem Tod gibt. Gekop­pelt an die Über­zeu­gung von 1. Tim 2,4 und ande­ren Stel­len sehen wir, was Gott will: Er will dass jeder MENSCH zur Erkennt­nis der Wahr­heit kom­men. Für mich ist klar, dass der Mensch Gott Nein sagen kann. Aber ich den­ke: wenn Got­tes Wil­le so ist, wie 1. Tim 2,4 sagt, dann sorgt Gott dafür, dass jeder Mensch eine ade­qua­te Chan­ce bekommt, ihn so ken­nen­zu­ler­nen, dass die­ser Mensch ja oder nein sagen kann. Wo und Wann das pas­siert, scheint mir zweit­ran­gig.

          Es gibt Nah­tod Erleb­nis­se von Men­schen in der Bibel — z.B. die bei­den Schä­cher am Kreuz, wo einer ja sagt zu Jesus, der ande­re nein. Es gibt die Berich­te von Jesus im Toten­reich, wo er den Toten Gei­stern das Evan­ge­li­um ver­kün­det. Ich den­ke es passt nicht zum Wesen von Jesus, dass er soeben am Kreuz gestor­ben ist zur Erlö­sung der Men­schen, dann ins Toten­reich geht, den Gei­stern erzählt was er soeben errun­gen hat und ihnen dann sagt: «aber für euch alle hier gilt das nicht, sor­ry Jungs». So etwas zu sagen wäre purer Hohn gewe­sen, und Jesus ver­höhnt nie­mand. So etwas zu tun ist nicht sein Wesen. Nein ich den­ke Jesus war dort und eini­ge haben sich dort noch bekehrt. Ande­re nicht.

          Es gibt viel zu sagen und mei­ne Argu­men­te sind anfecht­bar — das bin ich mir bewusst. Eini­ge Gegen­ar­gu­men­te kann ich beant­wor­ten, ande­re nicht. Mich dünkt aber ganz zen­tral, dass das Wesen Got­tes, der sogar sei­nen eige­nen Sohn nicht schont, um die Men­schen zu ret­ten, uns dazu führt, dass er dafür sorgt, dass jeder Mensch auch eine ade­qua­te Chan­ce bekommt — egal ob er vor oder nach Jesus gelebt hat. Egal ob er nach Jesus gelebt hat aber nie von Jesus hören konn­te. Im letz­ten Fall den­ke ich tat­säch­lich, dass Jesus auch nach dem Tod sol­chen Men­schen noch begeg­nen könn­te sodass sie sich noch ent­schei­den könn­ten. Wenn er das tut, dann nicht in völ­li­ger ‹Aus­strah­lungs­kraft› sodass sie schon fast nicht ’nein› sagen kön­nen. Wenn er das tut, dann ist das Wesen ihrer Chan­ce ähn­lich wie unse­re, die wir Jesus in die­sem Leben begeg­nen. Es gibt vie­les zu sagen dazu. Hier eine Pre­digt von mir falls es dich inter­es­siert: https://​live​stream​.com/​c​h​r​i​s​c​h​o​n​a​-​f​r​a​u​e​n​f​e​l​d​/​g​d​/​v​i​d​e​o​s​/​1​5​1​5​6​0​568

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    Michael 6 Monaten ago
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    Span­nen­der Arti­kel — fin­de es cool, wie du dich mutig für eine bis­her so gear­tet nicht exi­stie­ren­de Opti­on des Glau­bens ein­setzt. Aus­ser­dem habe ich mich ertappt gefühlt als du geschrie­ben hast, dass alles, was rechts von einem steht, kon­ser­va­tiv ist, und alles links ist libe­ral :). Das hat mir aber ein­mal mehr gezeigt, wie ger­ne ich immer noch ande­re Denk­wei­sen in sub­jek­ti­ve Kisten packen, ohne mir zu über­le­gen, war­um und wie­so so geglaubt wird.

    Ein Punkt hat mich ins Grü­beln gebracht — was bedeu­tet es, sei­nen Glau­ben zu ver­lie­ren? Wer defi­niert, wann er ver­lo­ren ist? Klar, wenn jemand ein­mal geglaubt hat und sich nun selbst nicht mehr als Gläu­big bezeich­net — ok, dann ist der Fall rela­tiv klar. Aber ich erle­be immer wie­der — hier beson­ders von der Sei­te, die «rechts» von mir steht, dass jemand als vom Glau­ben abge­fal­len gese­hen wird, wenn er die rich­ti­gen Trig­ger­wor­te nicht mehr bringt (oder eben bringt — z.B. gera­de «Die Bibel ist Zeug­nis vom Reden Got­tes» anstatt «Die Bibel ist Reden Got­tes») oder natür­lich nicht mehr an den «rich­ti­gen Ver­samm­lun­gen» teil­nimmt. Das zeugt für mich dann eher von Ober­fläch­lich­keit und einem Bedürf­nis nach Exklu­si­vis­mus.

    Inwie­fern traue ich mir zu, über den Glau­ben eine ande­ren Per­son an Jesus ein Urteil zu fäl­len? Die­se Fra­ge wäre auch im Zusam­men­hang mit der Drit­ten Opti­on noch span­nend. Etwas kari­kiert aus­ge­drückt — die Libe­ra­len wür­den wahr­schein­lich sagen: «Haupt­sa­che du bist lieb, glau­be was du willst», wäh­rend die Kon­ser­va­ti­ven sagen wür­den: «Kor­rek­tes Bekeh­rungs­ge­bet, Tau­fe (nicht als Kind — Gott behü­te!), Gemein­de­zu­ge­hö­rig­keit, … sonst kommst du in die Höl­le!»

    Was sagt die Drit­te Opti­on? Will sie über­haupt etwas dazu sagen? Inwie­fern gehört das zum Span­nungs­feld?

    • Paul Bruderer
      Paul Bruderer 6 Monaten ago
      Reply

      Hi Micha­el — super Input von dir. Ich mel­de mich bald mit eini­gen Hin­wei­sen. Patrick’s Fra­gen gehen in eine ähn­li­che Rich­tung. Bis bald.

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    Daniel Dörig 6 Monaten ago
    Reply

    Es wäre span­nend für mich, die Drit­te Opti­on nebst den theo­lo­gi­schen Fra­gen in der Kir­che auch in wei­te­ren Ver­ant­wor­tungs-Kon­tex­ten zu behan­deln: Staat, Geschäfts­welt, Fami­lie.

    • Paul Bruderer
      Paul Bruderer 6 Monaten ago
      Reply

      Hi Dani­el, sehe ich auch so. The­men wie:
       — Ver­hält­nis Kir­che zu Staat
       — Wer­te von Arbeit und Geschäfts­welt
       — Erzie­hung, Ehe, Sin­gle­sein
       — Ver­hält­nis von Chri­sten­tum zu ande­ren Reli­gio­nen
       — Umgang mit Macht, poli­ti­scher und ande­rer Macht
       — Umgang und Sicht der Schöp­fung, Öko­lo­gie, Tier­welt, etc

  4. Paul Bruderer
    Paul Bruderer 6 Monaten ago
    Reply

    hi zäme, mer­ci für eure Rück­mel­dun­gen 🙂 Paul

  5. Avatar
    Elisabeth Rohr 6 Monaten ago
    Reply

    Sehr gut!!!!!!!! Vie­len Dank für die gute Aus­füh­rung. Ich sehe es genau gleich.

    • Avatar
      Schuppli Annemarie 6 Monaten ago
      Reply

      Herz­li­chen Dank! Das hilft mir sehr wei­ter…

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