Das reformierte Glaubensbekenntnis zur ‹Ehe für alle›

Paul und Peter Bruderer
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Der Schwei­ze­risch Evan­ge­li­sche Kir­chen­bund (SEK) steu­ert auf eine Befür­wor­tung der ‹Ehe für alle› zu. In die­sem Arti­kel möch­ten wir einen Bei­trag lei­sten zur lau­fen­den Dis­kus­si­on, indem wir auf den Aspekt des christ­li­chen Bekennt­nis­ses ein­ge­hen.

Der Rat des SEK behaup­tet, dass die Ehe-Form kei­nen Bekennt­nis-Cha­rak­ter hat. Als lang­jäh­ri­ge Mit­glie­der der Lan­des­kir­che Thur­gau stel­len wir die­se Behaup­tung deut­lich in Fra­ge. Im Gegen­teil beinhal­ten sexu­al­ethi­sche Aus­sa­gen im All­ge­mei­nen, und Ehe-For­men im Spe­zi­el­len, aus unse­rer Sicht ein deut­li­ches reli­gi­ös-welt­an­schau­li­ches Bekennt­nis.

Wir zei­gen, dass die Argu­men­ta­ti­on des SEK offen­legt, wie schwie­rig es ist, vom Leben und der Leh­re von Jesus her ein kla­res Ja zur ‹Ehe für alle› zu begrün­den. Gäbe es eine sol­che Begrün­dung zu einem kla­ren Ja zur ‹Ehe für alle›, dann wür­de der Rat des SEK die­se ins Feld füh­ren. Dies tut der Rat aber nicht. Dem­entspre­chend ist das theo­lo­gi­sche Argu­ment der Befür­wor­ter der ‹Ehe für alle› emp­find­lich geschwächt. Die Stär­ke der Befür­wor­ter der ‹Ehe für alle› liegt dar­in, dass sie das gesell­schaft­li­che Momem­tum auf ihrer Sei­te haben.

Bei allem, was wir hier sagen, ist uns klar, dass homo­ero­tisch emp­fin­den­de Chri­stin­nen und Chri­sten genau wie alle ande­ren Men­schen von Chri­stus ange­nom­men und Teil der christ­li­chen Gemein­de sind. In wel­cher Art wir das sehen, haben wir im Arti­kel ‹Wann sol­len Chri­sten ihre Mei­nung ändern?› erklärt.

Wir blog­gen in die­sem Arti­kel län­ger als sonst. Wir tun das, weil wir mer­ken, dass unse­re Leser schnell an eine ver­tief­te Begrün­dung her­an­kom­men wol­len. Wir tei­len das Mate­ri­al des­halb bewusst nicht auf meh­re­re Blog­posts auf. Lies dar­um so weit, wie es dir gefällt, und über­le­ge dir, was dich über­zeugt und was nicht! Wir wür­den uns freu­en, wenn unse­re Argu­men­ta­ti­on und Fra­gen gehört und bespro­chen wer­den. Über das fol­gen­de Inhalts­ver­zeich­nis kannst du auch direkt zu ein­zel­nen Abschnit­ten gelan­gen:

1. Über­sicht
2. Uns inter­es­siert das christ­li­che Bekennt­nis
3. Defi­ni­ti­on von ‹Bekennt­nis›
4. Eine posi­ti­ve Sicht von Bekennt­nis
5. Instru­men­ta­li­sie­rung von Bekennt­nis
6. Gesell­schafts­kri­tisch den­ken
7. Wir brau­chen inhalt­li­che Sub­stanz
8. Ethi­sche Aus­sa­gen haben Bekennt­nis-Cha­rak­ter
9. Bekennt­nis­se, die offen über Sexu­al­ethik reden
10. Fazit und Fra­gen an den SEK

Refor­ma­ti­ons­stadt Zürich mit Gross­mün­ster — by Uns­plash

1. Übersicht

Seit eini­ger Zeit set­zen sich diver­se Wort­füh­rer der evan­ge­li­schen Kan­to­nal­kir­chen für eine Öff­nung der Ehe auch für homo­se­xu­el­le Paa­re ein. Par­al­lel zur öffent­li­chen Dis­kus­si­on nimmt die inner­kirch­li­che Debat­te Fahrt auf und bringt hit­zi­ge Aus­ein­an­der­set­zun­gen.

Bei­spiel­haft für die Inten­si­tät des Enga­ge­ments für eine Öff­nung der Ehe ist der Prä­si­dent der Refor­mier­ten Kir­che des Kan­tons Zürich, Michel Mül­ler. In einem Arti­kel auf Ref​.ch vom April 2019 wird Mül­ler zitiert. Mül­ler sagt einer­seits, dass das The­ma Homo­se­xua­li­tät kei­ne Kern­fra­ge des Glau­bens, son­dern eine Rand­dis­kus­si­on sei. Ande­rer­seits fährt Mül­ler star­kes Geschütz auf. Er bezich­tigt die Schwei­ze­ri­sche Evan­ge­li­sche Alli­anz SEA der Homo­pho­bie:

«Jetzt, wo die­ses Gesetz da ist, fin­de ich es in höch­stem Mas­se unchrist­lich, das Refe­ren­dum dage­gen zu unter­stüt­zen», sagt Mül­ler. «Dass die SEA die Ver­tei­di­gung der Mei­nungs­frei­heit als Unter­stüt­zungs­grund vor­schiebt, ist unehr­lich. Es geht schliess­lich ein­fach dar­um, ob man gegen Homo­se­xu­el­le het­zen darf.» Mit der Unter­stüt­zung des Refe­ren­dums tre­te man klar für Homo­pho­bie ein. «Ich bin schockiert, wel­che Hal­tung hier unter dem Deck­man­tel des Chri­sten­tums ein­ge­nom­men wird.» (Mül­ler, zitiert auf Ref​.ch)

Im Juni 2019 ver­ab­schie­det die Abge­ord­ne­ten­ver­samm­lung des SEK mit Blick auf die sich abzeich­nen­de zivil­recht­li­che Öff­nung der Ehe ein wich­ti­ges State­ment zu ihrem Grund­ver­ständ­nis von sexu­el­ler Ori­en­tie­rung:

«Wir sind von Gott gewollt, so wie wir geschaf­fen sind. Unse­re sexu­el­le Ori­en­tie­rung kön­nen wir uns nicht aus­su­chen. Wir neh­men sie als Aus­druck geschöpf­li­cher Fül­le wahr.» (SEK State­ment)

In einem viel­be­ach­te­ten Inter­view vom 16. August 2019 stellt sich SEK-Rats­prä­si­dent Gott­fried Locher deut­lich hin­ter die Ehe für alle.

Am 29. August 2019 beschliesst der Rat des Schwei­ze­ri­schen Evan­ge­li­schen Kir­chen­bun­des, die Öff­nung der Ehe für gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re auf zivil­recht­li­cher wie auch auf kirch­li­cher Ebe­ne zu befür­wor­ten.

In der Abge­ord­ne­ten­ver­samm­lung vom 04. Novem­ber 2019 soll nun das ober­ste Organ des SEK über die­se Rats­emp­feh­lung befin­den.

Wir ste­hen kurz vor einer geschichts­träch­ti­gen Wei­chen­stel­lung für die evan­ge­li­schen Kir­chen in der Schweiz. Wie auch immer die Kir­che ent­schei­det — die gefäll­te Ent­schei­dung wird noch auf Jah­re hin­aus die kirch­li­che Gemein­schaft wei­ter bewe­gen.

Refor­ma­ti­ons­stadt Genf mit Cathé­dra­le Saint-Pierre — Foto by Reform­ac­tion

2. Uns interessiert das christliche Bekenntnis

Die öffent­li­chen State­ments der Refor­mier­ten der Schweiz auf dem Weg hin zu einer Öff­nung der Ehe für Gleich­ge­schlecht­li­che geben reich­lich Stoff für kon­tro­ver­se Dis­kus­sio­nen und eröff­nen eine Fül­le von Fra­ge­stel­lun­gen mit weit­rei­chen­den Kon­se­quen­zen.

In Anbe­tracht des aktu­el­len gesell­schafts­po­li­ti­schen und inner­kirch­li­chen Kli­mas scheint es klar, dass die Abge­ord­ne­ten­ver­samm­lung des SEK dem Rat fol­gen und ein Ja zur ‹Ehe für alle› beschlies­sen wird. Inner­kirch­li­che Stim­men, wel­che sich kri­tisch gegen­über einer Öff­nung äus­sern, wer­den schon seit eini­ger Zeit von Befür­wor­tern der ‹Ehe für alle› an den media­len Pran­ger gestellt und schei­nen mund­tot. Weil die Dis­kus­si­on eher ein­sei­tig ver­läuft, möch­ten wir einen Bei­trag lei­sten.

Ver­mut­lich wird die zukünf­ti­ge kirch­li­che Ord­nung Lösun­gen bie­ten, um die Gewis­sens­frei­heit für Pfarr­per­so­nen zu gewähr­lei­sten. Es bleibt auch abzu­war­ten, wie der Ent­scheid der Abge­ord­ne­ten­ver­samm­lung in den Kan­to­nen kon­kret umge­setzt wird. Doch Bei­spie­le von Kir­chen aus Deutsch­land oder aus Über­see machen klar, dass Gewis­sens­frei­heit oft nur Über­gangs­lö­sun­gen sind. Auch für Gott­fried Locher scheint es letzt­lich kei­nen Spiel­raum zu geben:

Auch Homo­se­xua­li­tät ent­spricht Got­tes Schöp­fungs­wil­len. Es gibt kei­nen Spiel­raum: Man kann nicht lavie­ren und sagen, das kön­ne man ver­schie­den sehen. (Locher, Inter­view im Tages­an­zei­ger)

In einem span­nen­den Gespräch zwi­schen SEK-Prä­si­dent Gott­fried Locher und SEA-Gene­ral­se­kre­tär Marc Jost auf Radio Life Chan­nel wur­den bereits eini­ge die­ser Fra­gen dis­ku­tiert.

Kaum gespro­chen wur­de bis jetzt über den Zusam­men­hang von Ehe­ver­ständ­nis und christ­li­chem Bekennt­nis. Dies ist jedoch eines der zen­tra­len Argu­men­te, wel­che zugun­sten der ‹Ehe für alle› ins Feld geführt wird: Das Ehe­ver­ständ­nis sei nicht Teil des Bekennt­nis­ses zum christ­li­chen Glau­ben. Die Begrün­dung lau­tet wört­lich:

Im Zen­trum der Kir­che steht das Bekennt­nis zu Jesus Chri­stus. Die Fra­ge des Ehe­ver­ständ­nis­ses hat nach Ansicht des Rats kei­nen Bekennt­nis­cha­rak­ter. (Com­mu­ni­qué vom Rat des SEK)

Stimmt die­ses Argu­ment? Haben sexu­al­ethi­sche Aus­sa­gen wirk­lich kei­nen Bekennt­nis­cha­rak­ter?

Refor­ma­ti­ons­stadt Bern mit Mün­ster — by Uns­plash

3. Definition von ‹Bekenntnis›

Bei den öffent­li­chen Aus­sa­gen des SEK-Rates (u.a. Gott­fried Locher) ist man nie sicher, was mit ‹Bekennt­nis› oder ‹Bekennt­nis zu Chri­stus› oder ‹christ­li­ches Bekennt­nis› gemeint ist.

  1. Ist ein for­ma­les Bekennt­nis gemeint? Wenn ja, wel­ches for­ma­le Bekennt­nis? Ist das Apo­sto­li­sche Glau­bens­be­kennt­nis gemeint, das Zwei­te Hel­ve­ti­sche Bekennt­nis, ein ande­res oder eine Kom­bi­na­ti­on meh­re­rer schon vor­han­de­ner Bekennt­nis­se? Hier gibt es einen guten Über­blick über wich­ti­ge for­ma­le Bekennt­nis­se der Chri­sten­heit.
  2. Ist eine Kir­chen-Ord­nung gemeint, wel­che fest­schreibt, wie z.B. die Regu­lie­rung der Ehe-Form aus­se­hen soll? Dies wür­de die Lage noch kom­ple­xer machen, denn man­che Kir­chen-Ord­nun­gen wur­den auf­grund von for­ma­len christ­li­chen Bekennt­nis­sen fest­ge­legt. In der Schweiz ist das ins­be­son­de­re das Zwei­te Hel­ve­ti­sche Bekennt­nis.
  3. Ist biblisch-christ­li­che Leh­re gemeint? Also die theo­lo­gi­sche Leh­re der Bibel, wel­che die Grund­la­ge für die Aus­sa­gen der for­ma­len Bekennt­nis­se bil­det? Die­se Ebe­ne wird manch­mal ‹Dog­ma­tik› genannt, auch ‹Welt­an­schau­ung› oder ‹Meta­phy­sik›. Uns gefällt der Begriff ‹Welt­an­schau­ung›, weil die­ses Wort in unse­rer Zeit gebraucht wird, um die grund­le­gen­den Fra­gen und Über­zeu­gun­gen einer Reli­gi­on oder Leh­re zu refe­ren­zie­ren.

Unser Ver­ständ­nis ist ein zwei­fa­ches:

  1. Die biblisch-christ­li­che Leh­re bil­det die Grund­la­ge sowohl für die for­ma­len Bekennt­nis­se wie auch für jede christ­li­che Ethik. Dies ist auch der Grund, wes­halb ethi­sche The­men in den for­ma­len Bekennt­nis­sen vor­kom­men (sie­he Abschnitt 9).
  2. Sowohl die biblisch-chri­st­­li­che Leh­re wie auch die for­ma­len Bekennt­nis­se haben einen ‹Bekenn­t­­nis-Cha­rak­ter›, denn bei­de machen inhalt­li­che Aus­sa­gen, wel­che sie gegen­über ande­ren nicht-chri­st­­li­chen Bekennt­nis­sen oder Leh­ren abgren­zen. Wenn das stimmt, ist es unan­ge­bracht zu den­ken, dass nur die for­ma­len Bekennt­nis­se einen ‹Bekennt­nis-Cha­rak­ter› haben, und es ist eben­so inkor­rekt zu den­ken, dass die biblisch-christ­li­che Leh­re kei­nen ‹Bekennt­nis-Cha­rak­ter› hat.

Die Bekennt­nis-Frei­heit der Refor­mier­ten Kir­chen bedeu­tet, dass sie nicht an ein for­ma­les Bekennt­nis gebun­den sind. Des­halb ver­ste­hen wir die Aus­sa­gen des SEK-Rates, von Gott­fried Locher und von ande­ren pri­mär in einem Bezug zur biblisch-christ­li­chen Leh­re. Wenn der SEK-Rat sagt: «Im Zen­trum der Kir­che steht das Bekennt­nis zu Jesus Chri­stus» (Com­mu­ni­qué vom Rat des SEK), meint der Rat unse­rer Mei­nung nach: Im Zen­trum der Kir­che steht, dass sich die Kir­che zur Leh­re von Jesus Chri­stus bekennt. An die­sem Bekennt­nis zur Leh­re von Jesus Chri­stus muss sich dem­nach die Aus­sa­ge mes­sen, dass Ehe-For­­men kei­nen Bekenn­t­­nis-Cha­rak­ter haben.

4. Eine positive Sicht von Bekenntnis

Inner­halb der refor­mier­ten Kir­chen der Schweiz beob­ach­ten wir eine eigen­ar­ti­ge Mischung, wenn es um die Hal­tung gegen­über den for­ma­len christ­li­chen Bekennt­nis­sen geht. Auf der einen Sei­te steht die Tat­sa­che, dass in den aller­mei­sten Kan­to­nal­kir­chen Bekennt­nis­frei­heit herrscht. Damit ist gemeint, dass es kei­ne Bin­dung an ein for­ma­les kirch­li­ches Bekennt­nis gibt (sie­he Abschnitt 3). Auf der ande­ren Sei­te haben in den letz­ten Jah­ren die Stim­men wie­der zuge­nom­men, wel­che sich eine Kir­che mit for­ma­lem Bekennt­nis wün­schen.

Wir sind erfreut, dass sich der SEK im Rah­men ihrer aktu­el­len Umstruk­tu­rie­rung zur EKS auf den Boden der alt­kirch­li­chen und refor­ma­to­ri­schen Bekennt­nis­se stel­len möch­te. Der Ent­wurf dazu ist online zu fin­den. Als Teil die­ses Pro­zes­ses hat der SEK vor eini­gen Jah­ren ein Werk­buch zu den christ­li­chen Bekennt­nis­sen her­aus­ge­ge­ben. Im Vor­wort die­ses Werk­buchs bringt Gott­fried Locher eine sehr posi­ti­ve Ein­stel­lung zu den for­ma­len Bekennt­nis­sen zum Aus­druck:

Bekennt­nis schafft Ein­heit … Beken­nen schafft Glaub­wür­dig­keit. (Refor­mier­te Bekennt­nis­se, ein Werk­buch, 2011, Sei­te 6)

Wer wür­de die­se Kraft der Ein­heit und der Glaub­wür­dig­keit nicht wol­len?

Locher hat die­se posi­ti­ve Ein­stel­lung viel­leicht von sei­nem gleich­na­mi­gen Vater Gott­fried Locher sen. über­nom­men. Die­ser hat in einem Gast­vor­trag an der theo­lo­gi­schen Fakul­tät Basel im Jahr 1980 gesagt:

Es gehört zum Wesen der christ­li­chen Kir­che, dass sie beken­nen­de Kir­che ist. (Locher sen, 1980)

Der Vor­trag von Gott­fried Locher sen. stellt die kom­ple­xen und span­nen­den Ereig­nis­se dar, wel­che 1839 zur Abschaf­fung der Bin­dung an das Hel­ve­ti­sche Bekennt­nis im Kan­ton Waadt führ­ten. Wäh­rend in der Schweiz die Bin­dung ans Hel­ve­ti­sche Bekennt­nis von vie­len als ein dog­ma­ti­sches Gefäng­nis emp­fun­den wor­den ist, zeigt Gott­fried Locher sen., dass in ande­ren Län­dern das­sel­be Bekennt­nis die Grund­la­ge gewe­sen ist, um der Kir­che die Frei­heit vom Staat zu ermög­li­chen. Er fol­gert:

Erin­nern wir uns aber dar­an, dass zur Zeit der Abschaf­fung des Glau­bens­be­kennt­nis­ses in der Schweiz die ost­eu­ro­päi­schen Kir­chen gera­de mit der Con­fes­sio Hel­ve­ti­ca Poste­rior ihre Frei­heit gegen­über dem Staat ver­tei­digt und bis heu­te bewahrt haben; kein Zufall übri­gens, ist die­ses Doku­ment doch ein Zeug­nis der Frei­heit und nicht des Zwan­ges. (Locher sen, 1980)

Das for­ma­le Bekennt­nis schützt also die Kir­che vor der Ver­ein­nah­mung von außen und erhält ihr somit die Frei­heit.

In einer Kir­che, in wel­cher sich eini­ge sehr skep­tisch über die Bedeu­tung der for­ma­len Bekennt­nis­se äus­sern, sind der­art posi­ti­ve Aus­sa­gen erfri­schend, zumal sie von solch ein­fluss­rei­chen Per­so­nen kom­men wie den Lochers.

Refor­ma­ti­ons­stadt Basel mit Mün­ster

5. Instrumentalisierung von Bekenntnis

Im Rah­men des Bekennt­nis­streits im 19. Jh haben die mei­sten Kan­to­nal­kir­chen die Bin­dung an for­ma­le Bekennt­nis­se (an das Hel­ve­ti­sche Bekennt­nis und Apo­sto­li­sche Glau­bens­be­kennt­nis) auf­ge­ge­ben. Vie­le Pfarr­per­so­nen und Theo­lo­gen blicken mit Stolz auf die ‹Errun­gen­schaft› der Bekennt­nis­frei­heit, denn die­se hat inner­kirch­li­che Ent­wick­lun­gen ermög­licht, wel­che unter dem Hel­ve­ti­schen Bekennt­nis kaum denk­bar gewe­sen wären. Es ist nicht zuletzt die Bekennt­nis­frei­heit, wel­che eine Öff­nung für aus­ge­leb­te Homo­se­xua­li­tät ermög­licht.

Dass nun aus­ge­rech­net auch aus den Quar­tie­ren der Befür­wor­ter der ‹Ehe für alle› eine Beru­fung auf ein ‹christ­li­ches Bekennt­nis› kommt, zeigt eine Instru­men­ta­li­sie­rung der Idee von ‹christ­li­chem Bekennt­nis› für einen Zweck, der die­sem völ­lig fremd ist.

Die Instru­men­ta­li­sie­rung des Begrif­fes ‹Bekennt­nis› kommt zustan­de durch die Kom­bi­na­ti­on der bei­den im Com­mu­ni­qué zu fin­den­den Aus­sa­gen. Mit der ersten Aus­sa­ge, das Bekennt­nis zu Chri­stus ste­he im Zen­trum der Kir­che, wird die Gemein­de­ba­sis beru­higt, dass die Kir­che ja noch christ­lich sei. Damit man in der aktu­ell vor­lie­gen­den sexu­al­ethi­schen Fra­ge aber den­noch freie Hand hat, wird mit einer zwei­ten Aus­sa­ge die sexu­al­ethi­sche Fra­ge der ‹Ehe für alle› vom Bekennt­nis zu Chri­stus ent­kop­pelt.

Unser Ein­druck ist, dass in den bei­den Aus­sa­gen des Com­mu­ni­qués mög­li­cher­wei­se zwei ver­schie­de­ne Ver­ständ­nis­se von ‹Bekennt­nis› zu fin­den sind und des­halb für Ver­wir­rung sor­gen. Im ersten Satz ist ver­mut­lich ‹die biblisch-christ­li­che Leh­re› gemeint respek­ti­ve ein­fach ‹die Leh­re von Jesus Chri­stus›. Im zwei­ten Satz wird mög­li­cher­wei­se eher auf for­ma­le Bekennt­nis­se Bezug genom­men.

So oder so lau­tet die Bot­schaft an die Mit­glie­der der Kir­chen, dass sie sich kei­ne Sor­gen machen müs­sen. Sie könn­ten mit gutem Gewis­sen und rei­nem Her­zen Jesus nach­fol­gen, denn Glau­be und Sexu­al­ethik hät­ten ja ‹bekannt­lich› kei­nen nen­nens­wer­ten Zusam­men­hang.

Auf jeden Fall den­ken wir, dass die Argu­men­ta­ti­on des Rates nicht auf­geht. Soll­ten im zwei­ten Satz for­ma­le Bekennt­nis­se im Fokus ste­hen, zeigt unser Abschnitt 9, dass sexu­al­ethi­sche Wer­te in den for­ma­len Bekennt­nis­sen sehr wohl Bekennt­nis-Cha­rak­ter haben. Soll­te im zwei­ten Satz die ‹biblisch-christ­li­che Leh­re› im Fokus ste­hen, so zeigt unser Abschnitt 7, dass auch inner­halb der ‹biblisch-christ­li­chen Leh­re› sexu­al­ethi­sche Wer­te Bekennt­nis-Cha­rak­ter haben.

Refor­ma­ti­ons­stadt St. Gal­len mit Kir­che Kir­che St.Laurenzen

6. Gesellschaftskritisch denken

Dass nun auch Locher mit sei­nen exzel­len­ten Kennt­nis­sen über die for­ma­len Bekennt­nis­se und mit sei­ner posi­ti­ven Sicht auf sie ins glei­che Horn bläst, lässt einen rat­los sein. Instru­men­ta­li­siert in sei­nem Inter­view auch er das ‹christ­li­che Bekennt­nis›, um das Kir­chen­volk zum ‹Abseg­nen› eines gesell­schaft­li­chen Kon­sen­ses zu bewe­gen?

Zu ande­ren Zei­ten hat die Kir­che ihr Bekennt­nis ein­ge­setzt, um mutig gegen welt­an­schau­li­che und poli­ti­sche Ent­wick­lun­gen Stel­lung zu neh­men. Gros­se Tei­le der Kir­che wur­den in den 30-er Jah­ren zur Mario­net­te der Ideo­lo­gie des Drit­ten Rei­ches. Die Beken­nen­de Kir­che hin­ge­gen zeig­te sich gegen­über den welt­an­schau­li­chen und gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen kri­tisch und gab die­ser Kri­tik Aus­druck in einem for­ma­len Bekennt­nis, der berühm­ten ‹Bar­mer Erklä­rung›:

Wir ver­wer­fen die fal­sche Leh­re, als dür­fe die Kir­che die Gestalt ihrer Bot­schaft und ihrer Ord­nung ihrem Belie­ben oder dem Wech­sel der jeweils herr­schen­den welt­an­schau­li­chen und poli­ti­schen Über­zeu­gun­gen über­las­sen. (Bar­mer Erklä­rung, 1934, zitiert aus Refor­mier­te Bekennt­nis­se, ein Werk­buch, 2011, Sei­te 119)

Das Bekennt­nis zu Chri­stus müss­te die Kir­che auch heu­te zu einer ähn­li­chen Fähig­keit füh­ren, aktu­el­le poli­tisch-gesell­schaft­li­che Ent­wick­lun­gen kri­tisch zu beleuch­ten und sich nicht von ihnen defi­nie­ren zu las­sen.

Wir möch­ten der evan­ge­li­schen Kir­che die­se Fähig­keit zur kri­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung nicht abspre­chen. Jedoch feh­len uns in den von ihnen genann­ten Aus­füh­run­gen gut begrün­de­te, reflek­tier­te Argu­men­te, um die Schluss­fol­ge­rung ‹Ja› zur ‹Ehe für alle› nach­voll­zie­hen zu kön­nen. Anstel­le derer wer­den For­mu­lie­run­gen benutzt, wel­che den Anschein von Aus­weich­ma­nö­vern haben.

Von Aus­sen betrach­tet sieht es aus, als wür­de der Rat des SEK die Ent­schei­dung über die ‹Ehe für alle› dem Staat und dem kul­tu­rel­len Trend über­las­sen wol­len. Michel Mül­lers Aus­sa­ge gibt die­sem Ver­dacht Vor­schub:

«Jetzt, wo die­ses Gesetz da ist.…» (Mül­ler, zitiert auf Ref​.ch)

Wenn die Kir­che nur noch ein aus­füh­ren­des ‹Seg­nungs­or­gan› des gesell­schaft­li­chen Kon­sen­ses wird, ver­liert sie die inne­re Kraft und Iden­ti­tät, wel­che z.B. der Beken­nen­den Kir­che zur Zeit der Bar­mer Erklä­rung erlaub­te, berech­tig­te Kri­tik an gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen aus­zu­üben. Eine der­ar­ti­ge Ent­wick­lung wäre aus unse­rer Sicht ein gros­ser Ver­lust der Kraft der Kir­che.

Refor­ma­ti­ons­stadt Chur mit Mar­tins­kir­che — by Uns­plash

7. Wir brauchen inhaltliche Substanz

Wer sich zu Chri­stus bekennt, muss sich auch zu dem beken­nen, wozu Chri­stus sich bekennt. Was das bedeu­tet, kann bei­spiel­haft anhand von Mat­thä­us 19 gezeigt wer­den, wo Jesus über eine damals wich­ti­ge sexu­al­ethi­sche Fra­ge lehrt.

In Mat­thä­us 19 wen­det Jesus schöp­fungs­theo­lo­gi­sche Kate­go­ri­en an, um ungu­te Ent­wick­lun­gen in der jüdi­schen Schei­dungs­pra­xis zu kor­ri­gie­ren. Ver­mut­lich ging es um die äus­serst libe­ra­le Schei­dungs­po­li­tik von Rab­bi Hil­lel. Über die­se Stel­le kann viel dis­ku­tiert wer­den. Unse­rer Mei­nung nach ste­chen fol­gen­de Punk­te her­aus, wel­che für die­se Dis­kus­si­on rele­vant sind:

Jesus begrün­det sei­ne Kri­tik an der libe­ra­len Schei­dungs­po­li­tik mit biblisch-theo­lo­gi­schen Aus­sa­gen. Jesus lehrt hier über sexu­al­ethi­sche The­men und begrün­det sei­ne Aus­sa­gen auf biblisch-christ­li­che Leh­re, wel­che er in der jüdi­schen Bibel, dem Alten Testa­ment, fin­det. Wie im Abschnitt 3 fest­ge­hal­ten, hat die biblisch-christ­li­che Leh­re Bekennt­nis-Cha­rak­ter, auch wenn sie nicht ein for­ma­les Bekennt­nis ist. Jesus ver­bin­det in aller Deut­lich­keit Ethik mit Theo­lo­gie, Ethik mit Welt­an­schau­ung, Ethik und Bekennt­nis. Die­ses Vor­ge­hen von Jesus wider­spricht direkt der Aus­sa­ge, dass Ehe­for­men nichts mit christ­li­chem Bekennt­nis zu tun haben. Über­haupt kön­nen die mei­sten ethi­schen Aus­sa­gen nicht von ihrer reli­gi­ös-welt­an­schau­li­chen Begrün­dung getrennt wer­den (sie­he Abschnitt 8). Es ist des­halb auch klar: Das Ja zu den neu­en Ehe-For­men ist letzt­lich ein deut­li­ches reli­gi­ös-welt­an­schau­li­ches Bekennt­nis, ob der Rat des SEK dies nun wahr­ha­ben will oder nicht. Die Fra­ge ist nur: Was für ein reli­gi­ös-welt­an­schau­li­ches Bekennt­nis?

Jesus aner­kennt, dass es nach der guten Schöp­fung zu Pro­ble­men in der Sexua­li­tät gekom­men ist. Nicht alles, mit dem wir heu­te gebo­ren wer­den, war ursprüng­lich so gedacht. Die Leh­re Jesus ent­kräf­tet somit ein ande­res, aktu­ell häu­fig gehör­tes Argu­ment, näm­lich dass Homo­se­xua­li­tät dem Schöp­fungs­wil­len Got­tes ent­spricht. So argu­men­tiert Gott­fried Locher. So argu­men­tiert auch Sibyl­le For­rer in der Sen­dung Stern­stun­de Reli­gi­on (ab Minu­te 26:57). Bei ihr klingt es fast so, als ob alles, was der Mensch als Teil der eige­nen Sexua­li­tät emp­fin­det, Got­tes Schöp­fungs­wil­len ent­spre­chen müs­se. Ein sol­ches State­ment lässt im Hin­blick auf wei­te­re sexu­el­le Ver­an­la­gun­gen auf­hor­chen. Ist wirk­lich alles, was man als Teil sei­ner eige­nen Sexua­li­tät emp­fin­det, posi­ti­ver Schöp­fungs­wil­le Got­tes? Die Sicht Jesu in Mat­thä­us 19 macht klar, wie gebro­chen mensch­li­che Sexua­li­tät sein kann.

Jesus hat sich nicht gescheut, eta­blier­te Wer­te der jüdi­schen Kul­tur her­aus­zu­for­dern. Als Alter­na­ti­ve zur Ehe von Mann und Frau führt Jesus in die­ser Bibel­stel­le etwas ein, dass für die Juden schlicht undenk­bar war: Den Ver­zicht auf Ehe. Wir ler­nen etwas wich­ti­ges über Jesus Chri­stus. Er hat sich nicht gescheut, die Fehl­ent­wick­lun­gen der jüdi­schen Kul­tur zu kri­ti­sie­ren, zu kor­ri­gie­ren und Ele­men­te ein­zu­füh­ren, wel­che gegen die jüdi­sche Kul­tur gin­gen.

Aus­ge­leb­te Homo­se­xua­li­tät war im dama­li­gen Juden­tum genau­so tabu, wie der Ver­zicht auf Ehe. Im wei­te­ren kul­tu­rel­len Umfeld hin­ge­gen war aus­ge­leb­te Homo­se­xua­li­tät völ­lig akzep­tiert (sie­he unse­re Aus­füh­run­gen über Homo­se­xua­li­tät in der Anti­ke). Wenn Jesus wich­tig gewe­sen wäre, aus­ge­leb­te Homo­se­xua­li­tät als christ­li­che Ehe-Form zu eta­blie­ren, war­um hat er das nicht gelehrt? In ande­ren Berei­chen (dem Ver­zicht auf Ehe) hat Jesus, wie soeben fest­ge­stellt, unge­niert die jüdi­sche Gesell­schaft kor­ri­giert. War­um tut Jesus das nir­gends in der Bibel in Bezug auf aus­ge­leb­te Homo­se­xua­li­tät? Nir­gends in der Bibel sehen wir Jesus, der eine Gele­gen­heit packt und sagt: «Übri­gens, nicht nur der für euch undenk­ba­re Ver­zicht auf Ehe kann rich­tig sein, son­dern auch die Ehe von Homo­se­xu­el­len!».

Was wir mit die­sen Aus­füh­run­gen sagen wol­len, ist Fol­gen­des: Müss­te eine Kir­che, wel­che sich der­art deut­lich zu Chri­stus beken­nen will (sie­he Com­mu­ni­qué vom Rat des SEK), sich nicht auch zu dem beken­nen, wozu sich Jesus bekennt?

Eini­ge mögen argu­men­tie­ren, dass Jesus die ‹Ehe für alle› zwar nicht expli­zit unter­stützt, sie aber auch nicht expli­zit ablehnt und sie mit sei­nem all­ge­mei­nen Lie­bes­ge­bot impli­zit doch unter­stützt. Der Rat des SEK argu­men­tiert genau dies im Abschnitt 2 der Unter­la­gen zur Abge­ord­ne­ten­ver­samm­lung vom 4. Novem­ber 2019. Dann müss­te die Kir­chen­lei­tung unter ande­rem erklä­ren, war­um Jesus, der sonst unge­niert und mit Auto­ri­tät jüdi­sche Fehl­ent­wick­lun­gen her­aus­for­der­t, Homo­se­xua­li­tät nicht posi­tiv ins Feld führ­t. Wäre der Link von Jesus zur ‹Ehe für alle› klar, hät­te der Rat in aller Ein­fach­heit und über­zeu­gend sagen kön­nen:

Im Zen­trum der Kir­che steht das Bekennt­nis zu Jesus Chri­stus. Jesus bekennt sich zur aus­ge­leb­ten Homo­se­xua­li­tät. Dar­um muss die Ehe-Form nicht vom christ­li­chen Bekennt­nis getrennt wer­den, son­dern das christ­li­che Bekennt­nis for­dert gera­de­zu ein Ja zur ‹Ehe für alle›.

Das ist aber nicht die Linie, wel­che der Rat des SEK gewählt hat. Statt­des­sen muss der Rat sagen, dass die Ehe-Form nichts mit dem christ­li­chen Bekennt­nis zu tun hat! Das kommt dem Bekennt­nis sehr nahe, dass eine auf Chri­stus begrün­de­te Ethik kein Argu­ment für die ‹Ehe für alle› lie­fern kann. Weil der Rat aber trotz­dem ein Ja zur ‹Ehe für alle› will, nimmt er lie­ber eine Tren­nung von Ethik und Chri­stus in Kauf. Dies öff­net das Tor für vie­le wei­te­re ethi­sche Ent­wick­lun­gen, die schein­bar nichts mit Chri­stus zu tun haben. Für eine Kir­che, die sich zu Chri­stus beken­nen will, kann eine sol­che Argu­men­ta­ti­on nicht genü­gen!

Refor­ma­ti­ons­stadt Schaff­hau­sen mit Mün­ster

8. Ethische Aussagen haben Bekenntnis-Charakter

Eines der Haupt­ar­gu­men­te, wel­ches für eine Beja­hung der ‹Ehe für alle› ins Feld geführt wird, ist jenes, dass sexu­al­ethi­sche Aus­sa­gen nicht Teil des ‹christ­li­chen Bekennt­nis­ses› sei­en. Die Annah­me hin­ter die­ser Aus­sa­ge ist, dass unse­re Welt­an­schau­ung (sprich Chri­sten­tum, zu dem wir uns beken­nen) kei­nen Bezug zur Ethik im All­ge­mei­nen und kon­kret zur Sexu­al­ethik habe. Die­se Annah­me lässt sich nicht nur auf­grund des Vor­ge­hens von Jesus in Mat­thä­us 19 hin­ter­fra­gen, son­dern ganz all­ge­mein. Ethik ist und bleibt zutiefst ver­an­kert in reli­gi­ös-welt­an­schau­li­chen Grund­an­nah­men.

Natür­lich gibt es bestimm­te ethi­sche Wer­te, die in unter­schied­li­chen Welt­an­schau­un­gen als gül­tig betrach­tet wer­den. Man nennt dies das Natur­recht. Bei­spiels­wei­se sehen prak­tisch alle Welt­an­schau­un­gen Ehr­lich­keit als etwas an, das bes­ser ist als Lüge. Die Exi­stenz des Natur­rechts darf nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass vie­le ethi­sche Fra­gen je nach Welt­an­schau­ung sehr unter­schied­lich beant­wor­tet wer­den. Dazu ein paar illu­strie­ren­de Bei­spie­le:

Bei­spiel 1: In Tei­len der Welt, wo die Reinkar­na­ti­on ton­an­ge­bend ist, hilft man kran­ken Men­schen mit­un­ter schlecht oder gar nicht. Wes­halb? Sie wer­den als Per­so­nen ange­se­hen, die das schlech­te Kar­ma aus einem ver­gan­ge­nen Leben abbau­en müs­sen, indem sie in die­sem Leben lei­den. Wenn man ihnen Medi­ka­men­te gibt, um ihr Lei­den zu lin­dern, hilft man ihnen eben gera­de nicht, denn sie müs­sen schliess­lich ihr Kar­ma selbst abbau­en. Ein ein­drück­li­ches Bei­spiel ist in einer Pre­digt von Simi Speck beschrie­ben (ab Minu­te 4.25). Wir sehen hier, wie ein ethi­scher Wert zutiefst geprägt ist von der ent­spre­chend für wahr gehal­te­nen Welt­an­schau­ung.

Bei­spiel 2: Dr. Wer­ner Neu­er argu­men­tiert, dass jede Ethik eine Idee haben muss, was ‹grund­le­gend gut› ist. Er sagt dann:

Merk­mal jeder (so defi­nier­ten) Ethik ist die Über­zeu­gung vom Vor­han­den­sein eines abso­lu­ten Gegen­sat­zes von gut und böse. (Neu­er, Der Zusam­men­hang von Dog­ma­tik und Ethik bei Adolf Schlat­ter, Sei­te 15)

Gut und Böse wie­der­um sind zutiefst welt­an­schau­lich gepräg­te Kon­zep­te. Eini­ge Welt­an­schau­un­gen argu­men­tie­ren, dass es die­se gar nicht gibt (Natu­ra­lis­mus). Ande­re sehen sie als gleich­wer­tig und nicht als per­so­ni­fi­ziert (ten­den­zi­ell die non-dua­len öst­li­chen Reli­gio­nen, sie­he z.B. ‹Ying Yang›). Wie­der ande­re sehen Gut und Böse als per­so­ni­fi­ziert und hier­ar­chisch unter­schied­lich stark an.

Bei­spiel 3: Im Neu­en Testa­ment wer­den ethi­sche Aus­sa­gen immer wie­der reli­gi­ös-welt­an­schau­lich begrün­det:

  • Im Wesen Got­tes (z.B. in Eph 5:1; 1Pe 1:15 – 16)
  • Im Wesen und Vor­bild Jesu (z.B. in Kol 3:3 – 6; Gal 3:27f; Röm 13:13f; Röm 15:7; Eph 4:20 – 32)
  • Im Wesen der Gemein­de Jesu (z.B. 1Kor 12:1 – 31; Eph 4:15f)

Im Neu­en Testa­ment ist auch das urchrist­li­che Tauf-Bekennt­nis «Herr ist Jesus» eine welt­an­schau­li­che Grund­la­ge für christ­li­che Ethik. Das Bekennt­nis «Herr ist Jesus»  besagt, dass Chri­stus der uni­ver­sel­le Herr ist, auch über die ethi­sche Lebens­füh­rung des Chri­sten. So wird in Römer 6 die Tau­fe als Grund­la­ge für einen Chri­stus-ori­en­tier­ten Lebens­stil ver­stan­den.

Bei­spiel 4: Im Alten Testa­ment haben wir die ethi­schen Anwei­sun­gen der Zehn Gebo­te. Sie begin­nen mit einer kla­ren reli­gi­ös-welt­an­schau­li­chen Begrün­dung:

Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyp­ten­land, aus der Knecht­schaft, geführt habe. (Ex 20:2)

Hier ist nicht ein all­ge­mei­ner Gott gemeint, son­dern der JHWH-Gott Isra­els, der auf eine bestimm­te Art und Wei­se heils­brin­gend an die­sem Volk gehan­delt hat. Ande­re Welt­an­schau­un­gen haben ein völ­lig ande­res Got­tes- und Heils­bild.

Auf­grund die­ser Bei­spie­le sehen wir: Ethik ist nicht von den dar­un­ter lie­gen­den reli­gi­ös-welt­an­schau­li­chen Grund­an­nah­men zu tren­nen. So belä­chelt der refor­mier­te Theo­lo­ge Her­man Bavinck Ver­su­che, eine über die Kon­fes­si­ons­gren­ze hin­aus­rei­chen­de Ethik zu defi­nie­ren, als ‹ober­fläch­li­ches Chit­ter-Chat­ter› (Refor­med Ethics Pro­le­go­me­na, Sei­te 28). Der Grund: Ethik ist gemäss Bavinck theo­lo­gisch begrün­det. Und weil es wesent­li­che theo­lo­gi­sche Unter­schie­de gibt zwi­schen den christ­li­chen Deno­mi­na­tio­nen …

… schla­gen wir eine Refor­mier­te Ethik vor, die eine ganz ande­re Art zu leben defi­niert als bei den Römisch-Katho­li­schen, Luthe­ra­nern, Ana­bap­ti­sten, Metho­di­sten, Her­ren­hu­ter, Dar­bi­sten und so wei­ter (Refor­med Ethics Pro­le­go­me­na, Sei­te 28, eige­ne Über­set­zung)

Bavinck über­treibt es hier wohl. Aber er macht den tie­fen inne­ren Zusam­men­hang zwi­schen Theo­lo­gie und Ethik gut sicht­bar. Ethik ist nicht von reli­gi­ös-welt­an­schau­li­chen Über­zeu­gun­gen zu tren­nen. Mit sei­ner Behaup­tung, dass Ehe-For­men kei­nen Bekennt­nis-Cha­rak­ter haben, ver­sucht der Rat des SEK etwas zu tren­nen, das unmög­lich zu tren­nen ist.

Refor­ma­ti­ons­stadt Lau­sanne mit Cathé­dra­le Not­re-Dame

9. Bekenntnisse, die offen über Sexualethik reden

Im Übri­gen sehen wir in einem kur­zen histo­ri­schen Über­blick, dass for­ma­le Bekennt­nis­se und Ethik immer wie­der zusam­men gese­hen wur­den. Im Hel­ve­ti­schen Glau­bens­be­kennt­nis fin­den wir aus­drück­li­che und viel­leicht uner­war­tet kon­kre­te Aus­sa­gen zur Sexu­al­ethik:

Die Ehe … ist von Gott, dem Herrn, sel­ber ein­ge­setzt, der sie reich­lich geseg­net hat und woll­te, dass Mann und Weib ein­an­der gegen­sei­tig unzer­trenn­lich anhan­gen und in höch­ster Lie­be und Ein­tracht zusam­men­le­ben (Mt. 19,4ff.) … Wir ver­wer­fen aber die Viel­wei­be­rei und die Ansicht der­je­ni­gen, die die zwei­te Ehe ver­pö­nen. (Zwei­tes Hel­ve­ti­sches Bekennt­nis, Kapi­tel XXIX)

Im 16. Jahr­hun­dert sah man es also fol­gen­der­mas­sen: Wer sich zum christ­li­chen Glau­ben bekennt, bekennt sich auch zu einer bestimm­ten Ehe- und Sexu­al­ethik. Das Hel­ve­ti­sche Bekennt­nis ist kein Ein­zel­fall. Das welt­weit bekann­te West­min­ster Bekennt­nis aus 1646 defi­niert im Arti­kel 24 direkt und unge­niert eine Ehe- und Schei­dungs­ethik.

Auch bei Mar­tin Luther gibt es mehr als nur die viel­zi­tier­te Aus­sa­ge, dass die Ehe ein ‹welt­lich Ding› sei. In sei­nem Schmal­ka­di­schen Arti­kel (1537) lesen wir etwas von der Pole­mik, die Luther gegen das Zöli­bats­ge­bot bei den katho­li­schen Prie­stern führt. Er sagt dort unter ande­rem:

…son­dern die Ehe frei haben, wie sie Gott geord­net und gestif­tet hat, und wol­len sein Werk nicht zer­rei­ßen noch hin­dern. (Arti­kel 11)

Luther braucht zwei Wor­te, um Got­tes Wir­kung auf die Ehe zu beschrei­ben. Gott hat sie gestif­tet. Sie ist also sei­ne Erfin­dung. Gott hat sie auch geord­net. Er gibt ihr also Rich­tung und Gestalt. Wenn Luther sagt: «Die Ehe ist welt­lich Ding», meint er damit also nicht, dass die Ehe nichts mit biblisch-christ­li­chem Bekennt­nis zu tun hat. Der Punkt hier ist wie­der­um: Wenn ein Mensch sich als Christ bekennt, bekennt er sich auch zu gewis­sen sexu­al­ethi­schen Wer­ten. Zu behaup­ten, dass die Ehe-Form nichts mit dem christ­li­chen Bekennt­nis zu tun hat, ist ein Trug­schluss.

Gehen wir noch wei­ter zurück bis zu einem der aller­er­sten christ­li­chen Bekennt­nis­se. Wir fin­den die­ses in Apo­stel­ge­schich­te 15, wo im Rah­men des apo­sto­li­schen Kon­zils ein mini­ma­les Bekennt­nis for­mu­liert wor­den ist. Es ist inter­es­sant, dass dort auch eine Aus­sa­ge über Sexua­li­tät ent­hal­ten ist. Hei­den, die sich zum Chri­sten­tum bekeh­ren, wer­den auf­ge­for­dert:

… kein Fleisch zu essen, das den Göt­zen geop­fert wur­de, alle Unzucht zu mei­den und weder Blut noch das Fleisch nicht aus­ge­blu­te­ter Tie­re zu essen. (Apg 15:20)

Mit dem Wort ‹Unzucht› ist sexu­el­le Unzucht gemeint. Uns ist klar, dass eini­ge in die­sem Abschnitt genann­te Kri­te­ri­en spä­ter auf­ge­ge­ben wor­den sind (Göt­zen­op­fer­fleisch). Dies ändert nichts dar­an, dass hier, im mög­li­cher­wei­se ersten ansatz­wei­se for­ma­len christ­li­chen Bekennt­nis, ein sexu­al­ethi­sches Ele­ment ent­hal­ten ist. Und wir haben bereits gese­hen, dass die­se Tra­di­ti­on eine deut­li­che Fort­set­zung fin­det im Ver­lauf der Kir­chen­ge­schich­te.

Die histo­ri­schen christ­li­chen Bekennt­nis­se waren sich nicht zu scha­de, sich auch zu sexu­al­ethi­schen Wer­ten zu beken­nen. War­um soll­te das nicht auch heu­te der Fall sein?

Refor­ma­ti­ons­stadt Neu­en­burg mit Kol­le­giat­kir­che

10. Fazit und Fragen an den SEK

Als lang­jäh­ri­ge Mit­glie­der der evan­ge­li­schen Kir­che Thur­gau stel­len wir die Argu­men­ta­ti­on, dass Ehe-For­men kei­nen Bekennt­nis-Cha­rak­ter haben, mit aller Deut­lich­keit in Fra­ge. Die Ehe-Form hat sehr wohl Bekennt­nis-Cha­rak­ter. Ein Ja zur ‹Ehe für alle› ist ein klar reli­gi­ös-welt­an­schau­li­ches Bekennt­nis. Die Schlüs­sel­fra­ge ist: Zu wel­cher Welt­an­schau­ung beken­nen sich die evan­ge­li­schen Kir­chen der Schweiz durch ein Ja zur ‹Ehe für alle›?

Den biblisch und kir­chen­hi­sto­risch kaum begründ­ba­ren Schwenk hin zu einer Tren­nung zwi­schen Ehe-Form und Bekennt­nis-Cha­rak­ter kön­nen wir uns nur damit erklä­ren, dass ein Ja zur ‹Ehe für alle› nur schwer von Chri­stus her zu begrün­den ist. Wir fin­den, dass dies der Rat ehr­li­cher­wei­se zuge­ben müss­te.

Da Chri­stus und Ethik sowohl in der Bibel als auch in der Kir­chen­ge­schich­te untrenn­bar mit­ein­an­der ver­knüpft sind, sehen wir zu einer Klä­rung drei Mög­lich­kei­ten.

Die erste Mög­lich­keit ist, ein robu­stes Argu­ment zu lie­fern, dass Jesus Chri­stus die ‹Ehe für alle› befür­wor­ten wür­de. Solan­ge die­se Begrün­dung aus­bleibt, über­zeu­gen uns weder der Rat des SEK noch ande­re ähn­lich argu­men­tie­ren­de Per­so­nen.

Die zwei­te Mög­lich­keit ist ein Nein zur ‹Ehe für alle›.

Die drit­te Mög­lich­keit ist, sich von einem kla­ren Bekennt­nis zu Chri­stus zu lösen und dar­auf basie­rend die ‹Ehe für alle› zuzu­las­sen. Dies kann aber kaum im Sin­ne eines christ­li­chen Kir­chen­bun­des sein.

Refor­ma­ti­ons­stadt Ilanz mit Kir­che St. Mar­ga­re­then

Unse­re wei­te­ren Arti­kel zum The­ma:

Die Ehe für alle und nicht-christ­li­che Reli­gio­nen
Wann sol­len Chri­sten ihre Mei­nung ändern?

13 Comments
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    Ackerknecht Wolfgang 2 Wochen ago
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    Vie­len Dank für eure klä­ren­den Gedan­ken.
    Gott hat uns Ord­nun­gen geschenkt, die dem Leben Schutz und Segen geben. Es geht immer wie­der dar­um zu reflek­tie­ren, wo wir ste­hen. Nicht immer leicht, Kor­rek­tu­ren anzu­neh­men und Schrit­te zu tun (u.a. mit Ver­ge­bung, Ver­söh­nung). Der christ­li­che Glau­be hat heu­te auch einen schwe­ren Stand, weil der Huma­nis­mus flo­riert. Die Selbst­be­stim­mung ist zum Code­wort gewor­den. Die von Gott für jeden Men­schen zuge­wie­se­ne Bestim­mung liegt dann (oft unbe­wusst) quer in der Land­schaft. — Die Kir­che ist wahr­lich her­aus­ge­for­dert, auf wel­che Stim­men sie heu­te hören will oder hört. Ich wün­sche mir, dass sie bzw. die Chri­sten wie­der im Wort Got­tes die tie­fe­ren Schät­ze fin­den und erken­nen.

    • Paul Bruderer
      Paul Bruderer 2 Wochen ago
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      Lie­ber Wolf­gang, die Selbst­be­stim­mung sehe ich wie du als eine Schlüs­sel­fra­ge. Letzt­lich geht es aus mei­ner Sicht, ob wir Freu­de fin­den dar­in, als Geschöp­fe des Schöp­fers zu leben. Das bedeu­tet unter ande­ren Freu­de fin­den in gewis­sen Vor­ga­ben, die er macht und wel­che uns ins Leben füh­ren, uns auf­blü­hen las­sen.

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    Marianne Reifers 3 Wochen ago
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    Mir fehlt eine Defi­ni­ti­on der Ehe, wie ich sie aus heu­ti­ger Sicht ver­ant­wor­ten kann, Jesus möge mir mein selb­stän­di­ges Den­ken ver­zei­hen oder sich dar­an freu­en. Ich ver­ste­he die Ehe als Bund fürs Leben geschlos­sen von zwei Men­schen, die ihn sich zutrau­en. Der Bund umfasst das Leben in sei­ner Viel­falt und in sei­nen Höhen­flü­gen und Tief­flie­gern und in der mono­to­nen All­täg­lich­keit. Das ist wohl eine der anspruchs­voll­sten Auf­ga­ben für zwei Men­schen. Wenn es ihnen gelingt, sich über die Jah­re nicht aus den Augen zu ver­lie­ren, son­dern ein­an­der durch Zuwen­dung das Leben zu berei­chern, haben die bei­den wohl vor­bild­lich dar­ge­stellt, wie Gott sel­ber für sei­ne Schöp­fung sorgt und sie nicht aus den Augen ent­lässt, son­dern sich für sie hin­gibt. Spielt es da eine Rol­le, wel­ches Geschlecht die bei­den haben, nicht viel eher, wel­che Kraft zu lie­ben und zu ver­ge­ben?

    • Paul Bruderer
      Paul Bruderer 3 Wochen ago
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      Dan­ke Mari­an­ne für dei­ne Gedan­ken. Wir konn­ten in unse­rem Arti­kel nicht alle The­men gründ­lich genug behan­deln. Du stellst gute Fra­gen. Hast du einen guten Text, den du uns zum Lesen emp­fiehlst? Mlg Paul

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      Claudia 2 Wochen ago
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      Lie­be Mari­an­ne Rei­fers, mir gefällt sehr wie du dei­ne Fra­gen auf wohl­wol­len­de Wei­se for­mu­lierst. Ich hof­fe daher, dass dich mei­ne Wor­te auf die glei­che Wei­se errei­chen. Ich möch­te dir ein­fach erzäh­len, wie ich sol­che Fra­ge-Situa­tio­nen erle­be.
      Für mich liegt ein beson­de­rer Wert dar­in, mich direkt und ganz per­sön­lich an mei­nen all­wis­sen­den und mich lie­ben­den, himm­li­schen Vater zu wen­den. Er weiss in wel­che Zeit er mich gestellt hat und wel­chen Plan er mit mir per­sön­lich ver­folgt. Ich habe gelernt zu ver­ste­hen und so zu leben, dass ER die Quel­le der Weis­heit ist, es SEIN Wort ist, das ich in der Bibel lese und daher auch ER mei­ne erste Anlauf­stel­le bei allen Unklar­hei­ten ist. Dies aber nicht nur um Ant­wor­ten zu erhal­ten, son­dern ein­fach weil IHM die­se Ehre gehört. Ich ver­traue und ver­traue immer wie­der dar­auf, dass mir Gott zu sei­nem Zeit­punkt, auf die von ihm gewähl­te Wei­se, die­je­ni­ge Ant­wort gibt, die sei­ner Wahr­heit ent­spricht und das umfasst, was ich per­sön­lich wis­sen muss. Und ja, es ist ein Weg, auf dem ich die Ant­wort bestimmt nicht immer ver­ste­he und auch in Zukunft nicht immer rich­tig ver­ste­hen wer­de. Auf jeden Fall aber habe ich so zur Ruhe gefun­den, und es bringt mich auf die­se Wei­se näher und näher zu mei­nem lie­ben­den Gott und näher in mei­ner per­sön­li­chen Bezie­hung zu ihm.
      Herz­li­che Grüs­se, Clau­dia

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    Ursina Sonderegger 3 Wochen ago
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    Aus­ge­zeich­net und fun­diert. Dan­ke.

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    Beat 3 Wochen ago
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    Man muss Herrn Locher dank­bar sein, dass er die von ihm prä­si­dier­te Kir­che so unmiss­ver­ständ­lich zeit­geist­nah posi­tio­niert. So fällt es jedem und jeder Glau­ben­den leich­ter, sich für oder gegen eine Mit­glied­schaft in einer Kir­che zu ent­schei­den, die in erster Linie auf gesell­schaft­li­che Ent­wick­lun­gen und mensch­li­ches Tole­ranz- und Gerech­tig­keits­emp­fin­den abstellt.

    • Paul Bruderer
      Paul Bruderer 3 Wochen ago
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      Lie­ber Beat, da ist was dran!

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    Evelyne Schären 3 Wochen ago
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    Herz­li­chen Dank für den fun­dier­ten und in respekt­vol­lem Ton gehal­te­nen Bei­trag. Er spricht mir aus dem Her­zen, sel­ber hät­te ich nicht auf die­sem Niveau argu­men­tie­ren kön­nen. So bin ich froh, dass euer Bei­trag mir Wor­te gibt. Hier sind sich Gna­de und Wahr­heit begegnet(Psalm 85,11).

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    Pascal 1 Monat ago
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    Nach mei­ner Sicht von aus­sen — ich war nie Mit­glied in einer «Landes»-Kirche, ist die evan­ge­li­sche Kir­che mit der Aner­ken­nung der «Ehe für alle» wei­ter dar­an, sich als Kir­che irrele­vant zu machen. Die Sta­ti­stik spricht eine kla­re Spra­che: Die Refor­mier­ten wer­den immer weni­ger.

    Das wun­dert mich wenig. Wir leben in einer Gesell­schaft, die immer mehr nach Ori­en­tie­rung sucht: «Alte» Wer­te zäh­len nicht mehr, Influ­en­cer geben den Takt an, die Volks­fröm­mig­keit gibt es nicht mehr, man muss am Sonn­tag nicht mehr in die Kir­che um gesell­schaft­lich akzep­tiert zu sein.

    In die­ser Zeit der ethi­schen Neu­aus­rich­tung steht die Orga­ni­sa­ti­on Kir­che nun also vor der Her­aus­for­de­rung, sich sel­ber ein Pro­fil zu geben. Nun liegt es Nahe, dass man sich ein­fach danach aus­rich­tet, was in der Gesell­schaft grad aktu­ell ist. Ich erle­be die evan­ge­li­sche Kir­che so. «Ehe für alle» ist nur eine logi­sche Wei­ter­füh­rung der evan­ge­li­schen Theo­lo­gie. Wenn die evan­ge­li­sche Kir­che allen Ern­stes davon aus­geht, dass in der soge­nann­ten All­ver­söh­nungs­leh­re alle Men­schen in den Him­mel kom­men, so ist die Ehe für alle schluss­end­lich nur eine klei­ne Anpas­sung. Der Preis der für die dau­ern­de Anpas­sung gezahlt wer­den muss, ist dass die Bibel als Fun­da­ment nicht mehr taugt. Als ver­meint­lich unnüt­zer Bal­last wird sie immer mehr bei Sei­te gescho­ben. Funk­tio­niert die­se Her­an­ge­hens­wei­se? Im Moment nicht, immer weni­ger Leu­te besu­chen die evan­ge­li­sche Kir­che. Wie­so auch, wenn sie sich sel­ber vom besten Ver­kaufs­ar­gu­ment ver­ab­schie­det? Wäre es nicht Auf­ga­be der Kir­che, den Men­schen den Weg zu Jesus zu zei­gen? Wenn sie das nicht mehr tut, braucht es sie dann noch?

    Die Alter­na­ti­ve wäre eine Kir­che, die sich auf die Bibel als Fun­da­ment beruft. Dabei könn­te sie ein kla­res Pro­fil ent­wickeln. Es geht nicht dar­um, mit dem Mahn­fin­ger die Sün­den auf­zu­zei­gen son­dern den Men­schen die Lie­be von Jesus näher­zu­brin­gen. Klar und biblisch begrün­det. Quo Vadis, Lan­des­kir­che?

    Die Alter­na

  7. Avatar
    Sarah Georg 1 Monat ago
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    Dies sind sehr reflek­tier­te Argu­men­te, die auf­zei­gen wie­so man ein Bekennt­nis zu Christus­ (und somit auch ein Bekennt­nis zur Leh­re von Jesus) nicht von sexu­al­ethi­schen Fra­gen (in unse­rer Gesell­schaft) sowohl in der Bibel als auch in der Kir­chen­ge­schich­te von ein­an­der tren­nen kann. Vie­len Dank für eure wert­vol­le Arbeit, die viel Zeit, Enga­ge­ment und Mut erfor­dert!

  8. Paul Bruderer
    Paul Bruderer 1 Monat ago
    Reply

    Vie­len Dank Dani­el für dein wohl­wol­len­des Feed­back!

  9. Avatar
    Daniel Rath 1 Monat ago
    Reply

    Hut ab für euren Mut, zu die­sem The­ma öffent­lich zu argu­men­tie­ren. Mir gefällt eure fai­re kon­struk­ti­ve Art und die Strin­genz in der Argu­men­ta­ti­on. Da steckt eini­ges an Zeit und Arbeit drin und dafür ein herz­li­ches Dan­ke­schön!

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