Corona Krise: die dritte Option

Regula Lehmann
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Coro­na rüt­telt am Fun­da­ment der west­lichen Welt und ein­mal mehr teilt sich die Chris­ten­heit in zwei ent­ge­genge­set­zte Lager.

Auf der einen Seite ste­hen die „Wiss­er“, die bib­lis­che Erk­lärun­gen und teil­weise sog­ar genaue Fahrpläne in die Zukun­ft vorzuweisen haben. Manche von ihnen sind beispiel­sweise überzeugt, dass das Virus bei Anwen­dung des richti­gen Gebetes oder Psalms umge­hend gestoppt wer­den kann.

Die „Gut­denker“ auf der anderen Seite haben dafür nur mitlei­di­ges Lächeln übrig. Sie wis­sen, dass man nicht wis­sen kann. Wed­er was Gott plant, noch wie Bibel­stellen richtig zu inter­pretieren sind. Sich­er sind sie sich hinge­gen, dass die von ihnen als Ver­schwörungs­the­o­retik­er deklar­i­erten Mitchris­ten daneben liegen. Und dass der Bund und die berichter­stat­ten­den Medi­en grund­sät­zlich ver­trauenswürdig sind.

Dass bei bei­den hier dargestell­ten Grup­pen nochmals unzäh­lige Nuan­cen existieren, ist mir bewusst. Per­sön­lich mag ich mich wed­er dem einen, noch dem anderen Lager zuord­nen. Aus mein­er Sicht zeigt Gottes Wort uns einen ganz anderen Weg, eine dritte Option weit abseits von Gut­denken und (Alles)Wissen.

Bild: iStock

Kein rosa Brillenträger

Kaum ein Buch stellt sich Katas­tro­phen und men­schlichen Abgrün­den so ehrlich, wie die Bibel dies tut. Gottes Diag­nose des men­schlichen Herzens ist bere­its in der Geschichte von Noah ernüchternd. „Das men­schliche Herz ist böse von Jugend auf“, stellt der Schöpfer in 1. Mose 8:21 fest und leit­et ein Reset ein.

Auch Jesus, der von den rosa Bril­len­trägern gerne als men­schen­fre­undlich­er Opti­mist dargestellt wird, find­et klare Worte, wenn es um die geht, zu denen er gesandt wurde. Ganz am Anfang des Johan­ne­se­van­geli­ums lesen wir: „Aber Jesus ver­traute sich ihnen nicht an, denn er kan­nte sie und wusste, wie es in den Men­schen wirk­lich aussieht. Ihm brauchte über die men­schliche Natur nie­mand etwas zu sagen.“ (Joh. 2:24–25 NgÜ)

Jesus stellte sich der ungeschmink­ten Wahrheit über das men­schliche Herz, ohne deshalb den Bet­tel hinzuw­er­fen. Im Wis­sen um ihre Abgründe wählt er zwölf Män­ner zu Nach­fol­gern aus und ver­traut ihnen nicht nur seine Fre­und­schaft, son­dern das Reich seines Vaters an. Real­is­mus und Hoff­nung sind nicht Gegen­sätze, son­dern Zwill­inge. Weil Chris­tus die Welt über­wun­den hat, kann er ihrer ganzen Schön­heit und ihrem ganzen Schreck­en ins Gesicht sehen, ohne Weichze­ich­n­er einzuset­zen.

Nicht Wissende, sondern Glaubende

Auch das Konzept der Wis­senden scheit­ert an Jesus von Nazareth. Er redet in Gle­ich­nis­sen zu ihnen die sie nicht ver­ste­hen und preist die selig, die nicht sehen und doch glauben. (Joh. 20:29)

Und ger­ade die Endzeitre­den von Jesus rufen All-Wis­sende zu gesun­der Demut auf: Wenn nicht ein­mal der Sohn weiss, wann er wiederkommt, wie soll­ten seine Jünger Tag, Stunde oder andere Details ken­nen (Mt 24:36)?!


Bild: unsplash

Zwischen den Stühlen leben und vertrauen

Als Gläu­bige leben wir beständig in der Span­nung zwis­chen himm­lis­chen und men­schlichen Real­itäten. Wir sind, wie Bern­hard Ott es im Titel seines neuen Buch­es aus­drückt „Tänz­er und Stolper­er“, leben zwis­chen Nichtwissen und absoluter Gewis­sheit. „Ich weiss, dass mein Erlös­er lebt!“ sagt Hiob, der sich als Schw­ergeprüfter trotz fehlen­der Erk­lärun­gen wie eine Klette an seinen Gott hängt. Was wir in Krisen­zeit­en brauchen sind Men­schen, die mit unver­lier­bar­er Hoff­nung der Wirk­lichkeit ins Auge sehen: der Real­ität des Nichtwissens wie auch der Real­ität der Abgründe des men­schlichen Herzens.

„Wir sind ver­loren­er als wir zugeben wollen“, schreibt der dänis­che Philosoph Sören Kierkegaard. Es gibt lei­der dur­chaus Grund zur Annahme, dass im Hin­ter­grund manch­er Katas­tro­phen Einzelne, Organ­i­sa­tio­nen oder Fir­men am Werk sind, die aus Macht­streben oder Prof­it­gi­er her­aus han­deln. Und, ja, es gibt geistliche Mächte, die Unheil anricht­en und zer­stören wollen. Jesus sel­ber spricht davon und es wäre kurzsichtig, diese Real­itäten auszublenden, weil sie Unbe­ha­gen aus­lösen. Vieles ist wohl sog­ar schlim­mer, als der geübteste Schwarzse­her es vorher­sagen kön­nte und nicht alles, was nach düsteren Phan­tasien klingt, ist Hirnge­spinst. Manche der alttes­ta­mentlichen Propheten wür­den heute wohl als Ver­schwörungs­the­o­retik­er in die Ecke gestellt wer­den.

Doch gle­ichzeit­ig ist auch nicht alles, was geistlich klingt, Gottes Reden.  Ein Teil der kur­sieren­den Vorher­sagen und Erk­lärun­gen entsprin­gen wohl eher men­schlichem Sicher­heits­denken oder dem Wun­sch nach Aufmerk­samkeit als dem Wirken des Heili­gen Geistes.

Dritte Option – auch für Corona-Zeiten

„Wir sind tiefer erlöst, als wir zu hof­fen wagen.“, so die Fort­set­zung des Zitates von Kierkegaard. Chris­ten empfind­en zwar die gle­ichen Äng­ste wie alle anderen, aber in ihren Herzen leuchtet wie ein helles Licht das Wis­sen, dass es gut kommt mit dieser Welt. Nicht weil die Men­schen doch nicht ganz so schlecht sind oder die Welt durch rechtzeit­iges Krisen­man­age­ment gerettet wer­den kön­nte. Son­dern weil Chris­tus, der gesalbte und gekrönte König aller Könige die Geschichte unseres Plan­eten zu einem guten Ende führen wird.

Weil der Sohn des Höch­sten Anfang und Ende in Hän­den hält und in dieser Zwis­chen­zeit in ein­er zer­broch­enen Welt sein Reich baut, haben wir begrün­dete Hoff­nung und, wie im Hebräer­brief ste­ht, einen „Anker für unsere See­len“ (Heb 6:19). Ein Mann erzählte mir kür­zlich, dass er im Gebet gefragt habe, was oder wer hin­ter Coro­na stecke. Doch Gott habe ihm geant­wortet: „Das ist nicht dein The­ma. Wichtig ist nicht, was die Herrsch­er der Welt tun, son­dern was ich, der allmächtige Gott, tue und vorhabe.“ Chris­ten der drit­ten Option spekulieren nicht, son­dern set­zen im Blick­kon­takt auf ihren Voraus­ge­her und Weg­bere­it­er Jesus Chris­tus mutig und aufmerk­sam einen Fuss vor den anderen. Wer sich auf den Her­rn aller Her­ren konzen­tri­ert, kann Hin­weise prüfen, ohne sie vorschnell belächeln oder blind befol­gen zu müssen. Wer sich Gott unterord­net, kann Infor­ma­tio­nen ein­holen und Anweisun­gen der Behör­den umset­zen, ohne deswe­gen sein Ver­trauen auf BAG und Tagess­chau zu set­zen.

Im Fokus von Chris­ten der drit­ten Option stand und ste­ht seit jeher das, was Chris­tus in dieser Welt zu tun beab­sichtigt. Sein ewiges Reich ist der Stein, den Daniel in sein­er Vision her­an­rollen und alle Reiche der Welt zer­schmettern sah. (Dan 2:34) Auf Ihn, den Aufer­stande­nen hof­fen und warten wir. Er wird kom­men, so sich­er, wie nach jed­er Nacht der neue Tag anbricht. Nichts wird ihn aufhal­ten, den hellen Mor­gen­stern (Offb 22:16) und wir als seine Gemeinde sind aufge­fordert, zu leben wie Men­schen, die ihren Her­rn erwarten. „Jemand muss wachen, Herr, unten an der Brücke, um deine Ankun­ft zu melden. Jemand muss zu Hause sein um Mit­ter­nacht, um dir das Tor zu öff­nen und dich einzu­lassen, wo immer du kommst“, schreibt Sil­ja Wal­ter in ihrem bekan­nten Text über das „Kloster am Rand der Stadt“.

Dass er kommt, ist über jede Speku­la­tion erhaben, wann er kommt, allein Sache des Vaters. Wir warten. Real­itäts­be­wusst und doch voller Ver­trauen. Von Äng­sten bedro­ht, aber mit einem Lied der Hoff­nung auf den Lip­pen. Komm, Herr Jesus! (Offb 22:2)

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