Wenn Skepsis mit Auferstehung kollidiert

Paul Bruderer
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Die Erkennt­nis, dass Jesus tat­säch­lich leib­lich auf­er­stan­den ist von den Toten, hat in mei­nem Leben die Wen­de von Glau­bens­zwei­fel zu Glau­bens­ge­wiss­heit bewirkt. Was in mei­ner Bio­gra­phie pas­siert ist, ist seit den Anfän­gen des christ­li­chen Glau­bens eine wie­der­hol­te Erfah­rung vie­ler Men­schen. Die Auf­er­ste­hung Jesu kon­fron­tiert die von Skep­sis gepräg­te Men­ta­li­tät unse­rer Zeit und deren intel­lek­tu­el­len Rück­zug in rein prag­ma­ti­sche The­men, die nur auf das Dies­seits bezo­gen sind.

Die ersten Chri­sten tref­fen mit ihrer Ver­kün­di­gung der Auf­er­ste­hung von Jesus Chri­stus auf eine grie­chisch-römi­sche Kul­tur, die sich in einer Zeit wach­sen­der Skep­sis befin­det. Die Zei­ten der berühm­ten grie­chi­schen Phi­lo­so­phen Sokra­tes, Pla­ton und Ari­sto­te­les sind vor­bei. Die­se haben sich noch an die gros­sen Fra­gen her­an­ge­wagt. Was ist das grund­le­gen­de Wesen der Rea­li­tät? Haben wir Zugang zur abso­lu­ten Wahr­heit? So mutig, intel­li­gent und bril­lant sie auch gewe­sen sind, sie sind trotz­dem zu gegen­sätz­li­chen Aus­sa­gen gekom­men. Die­se Tat­sa­che hat zu einer Kri­se des Den­kens, der Kul­tur und des Lebens geführt. «Wenn unse­re besten Den­ker sich nicht eini­gen kön­nen auf die ele­men­tar­sten Fra­gen der Wirk­lich­keit, hören wir am besten auf, über sol­che abso­lu­ten Wahr­hei­ten nach­zu­den­ken», scheint das Mot­to gewor­den zu sein.

Die­se Men­ta­li­tät beschreibt auch tref­fend die Men­ta­li­tät vie­ler heu­ti­ger Den­ker und lei­der auch man­cher Theo­lo­gen. Die post­mo­der­ne Men­ta­li­tät hat, bei all ihrer guten Ana­ly­se, zu einer Skep­sis geführt, die mit ähn­li­chen Wor­ten beschrie­ben wer­den kann wie die dama­li­ge grie­chi­sche Kul­tur. Han­na-Bar­ba­ra Gerl-Fal­ko­vitz gibt einen aus­ge­zeich­ne­ten Ein­blick in die post­mo­der­ne Skep­sis. Ich habe dazu auch kürz­lich gepre­digt (Pre­digt 1, Pre­digt 2). Das intel­lek­tu­el­le Kli­ma unse­rer Zeit hat Ähn­lich­kei­ten mit der Zeit, in der das Chri­sten­tum auf die Welt­büh­ne platz­te. Die christ­li­che Bot­schaft der Auf­er­ste­hung von Jesus Chri­stus von den Toten hat dem­nach die poten­ti­ell glei­che Wir­kungs­kraft, wie sie es damals schon hat­te.

Gehen wir zurück in die Zeit der ersten Chri­sten. Anstel­le des intel­lek­tu­el­len Mutes von Sokra­tes, Pla­ton und Ari­sto­te­les fin­den wir jetzt zwei Denk­schu­len, wel­che die Sze­ne prä­gen: Die Epi­ku­re­er und Stoi­ker. Sie zeich­nen sich aus durch einen Rück­zug von den gros­sen Fra­gen hin zu rein prak­ti­schen Lebens­fra­gen: Epi­ku­re­er und Stoi­ker sind sich einig, dass wir uns nur mit der Fra­ge des Glücks im Hier und Jetzt geschäf­ti­gen kön­nen. Grös­se­re Fra­gen nach abso­lu­ter Wahr­heit und dem Wesen der Welt zu stel­len, wird als intel­lek­tu­el­le Über­heb­lich­keit ange­se­hen.

Die Epi­ku­re­er sind dis­zi­pli­nier­te Hedo­ni­sten. Es geht ihnen um Maxi­mie­rung des Ver­gnü­gens und Mini­mie­rung des Lei­dens. Wer zum Bei­spiel zu viel Alko­hol trinkt, lei­det am näch­sten Tag. Um wirk­li­ches Ver­gnü­gen zu fin­den, muss man also das rich­ti­ge Mass fin­den. Die Stoi­ker hin­ge­gen sind dar­an inter­es­siert zu ver­ste­hen, wie wir psy­chisch gelas­sen und uner­schüt­tert blei­ben kön­nen, egal, was uns äus­ser­lich geschieht. Bei­de Denk­schu­len ver­fol­gen das glei­che, auf das Dies­seits fokus­sier­te Ziel der Glück­se­lig­keit. Sie tun dies aber mit unter­schied­li­chen Mit­teln. Sie för­dern eine tie­fe Skep­sis in der brei­ten Kul­tur und Bevöl­ke­rung.

Pau­lus auf dem Aero­pag. Juli­us Schnorr von Carols­feld (1794 – 1872)

Die ersten Chri­sten tref­fen mit der Bot­schaft, dass Jesus Chri­stus von den Toten auf­er­stan­den ist, auf die­ses skep­ti­sche intel­lek­tu­el­le und kul­tu­rel­le Umfeld. Wenn es wirk­lich stimmt, dass Jesus auf­er­stan­den ist, dann führt dies ganz natür­li­cher­wei­se dazu, dass die grie­chi­schen Zuhö­rer mehr über die abso­lu­ten Rea­li­tä­ten der Welt wis­sen kön­nen, als sie bis­her gedacht haben. Die­se Erkennt­nis stösst nur bedingt auf Begei­ste­rung, wie die Inter­ak­ti­on zwi­schen Pau­lus und den Epi­ku­re­ern und Stoi­kern in Athen zeigt. Es kommt zu inten­si­ven Dis­kus­sio­nen, wel­che eini­ge Zuhö­rer über­zeu­gen. Es kommt aber auch zu Spott und Geläch­ter gegen­über der Idee, dass ein Mensch von den Toten auf­er­stan­den sei:

Dabei kam es auch zu Dis­kus­sio­nen mit epi­kurei­schen und stoi­schen Phi­lo­so­phen. Eini­ge von ihnen spot­te­ten: »Was will eigent­lich die­ser son­der­ba­re Vogel mit sei­nen auf­ge­pick­ten Weis­hei­ten? Glaubt er, er kön­ne uns etwas bei­brin­gen?« Ande­re mein­ten: »Es scheint, als wol­le er Pro­pa­gan­da für irgend­wel­che frem­den Göt­ter machen!« Zu die­sem Schluss kamen sie, weil sie Pau­lus, als er das Evan­ge­li­um ver­kün­de­te, von Jesus und von der Auf­er­ste­hung reden hör­ten. (Apo­stel­ge­schich­te 17:18)

Pau­lus kon­fron­tiert hier die Skep­sis und Fokus­sie­rung der Stoi­ker und Epi­ku­re­er auf rein dies­sei­ti­ge Fra­gen mit der Nach­richt, dass Jesus auf­er­stan­den ist. Die Auf­er­ste­hung unter­gräbt ver­ständ­li­cher­wei­se die phi­lo­so­phi­schen Fest­le­gun­gen die­ser kul­tur­prä­gen­den Influ­en­cer! Schließ­lich gewäh­ren sie dem Wan­der­pre­di­ger eini­ge Minu­ten Anspra­che auf dem berühm­ten Areo­pag. Sie hören gebauch­pin­selt zu, solan­ge Pau­lus ihre eige­nen Autoren zitiert. Als Pau­lus zu Jesus schrei­tet, zu des­sen Auf­er­ste­hung von den Toten und dem damit ver­bun­de­nen kom­men­den Gericht Got­tes, ver­wan­delt sich ihre Auf­merk­sam­keit in Geläch­ter:

Als Pau­lus von der Auf­er­ste­hung der Toten sprach, brach ein Teil der Zuhö­rer in Geläch­ter aus, und ande­re sag­ten: »Über die­ses The­ma wol­len wir zu einem spä­te­ren Zeit­punkt mehr von dir erfah­ren.« Damit ende­te die Anhö­rung, und Pau­lus ver­ließ die Rats­ver­samm­lung. (Apo­stel­ge­schich­te 17:32 – 33)

Wo die Bot­schaft der Auf­er­ste­hung von Jesus in der grie­chi­schen Kul­tur Raum gewinnt, muss die Skep­sis zugun­sten der Gewiss­heit ver­stum­men. Eini­gen passt das nicht. Ihnen gefällt Skep­sis bes­ser, denn die­se ermög­licht ihnen ein Leben in dies­sei­ti­gen Genüs­sen, wel­ches in der Rechen­schaft vor dem auf­er­stan­de­nen Jesus viel­leicht nicht mehr mög­lich wäre. Was auch immer ihre Moti­va­tio­nen sind: Sie bevor­zu­gen es, skep­tisch zu blei­ben, anstatt Gewiss­heit zu fin­den gegen­über den grund­le­gen­den Fra­gen der Wahr­heit und des Wesens der Welt.

Der Areo­pag in heu­ti­ger Zeit, by AJ Alfie­ri-Cris­pin

Die Auf­er­ste­hung Jesu von den Toten ist auch heu­te ein offe­ner Wider­spruch gegen die Glo­ri­fi­zie­rung von Zwei­feln und gegen den intel­lek­tu­el­len Rück­zug in rein prag­ma­ti­sche The­men, die nur auf das Dies­seits bezo­gen sind. Wenn Jesus tat­säch­lich leib­lich von den Toten auf­er­stan­den ist, dann gibt es Gewiss­heit des Glau­bens! Selbst­ver­ständ­lich gibt es dann immer noch offe­ne Fra­gen. Aber die grund­le­gen­de Unsi­cher­heit darf der Gewiss­heit des Glau­bens Raum geben!

Für mich als damals jun­ger Mann war die Erkennt­nis, dass Jesus tat­säch­lich auf­er­stan­den ist, der Befrei­ungs­schlag schlecht­hin! Ich darf mit Gewiss­heit glau­ben! Hal­le­lu­ja! Mein Herz fing wie­der an zu sin­gen und zu loben! Das Leben macht eben doch Sinn! Das Uni­ver­sum ist doch kein Ort dunk­ler Sinn­lo­sig­keit! Mein Leben ist seit­her für immer ver­än­dert. Ich darf Boden unter den Füs­sen haben in der Gewiss­heit, dass Jesus Chri­stus von den Toten auf­er­stan­den ist! Ich darf mich auch mutig an die gros­sen Fra­gen der Welt und der Wahr­heit her­an­wa­gen, ohne mich dafür stän­dig ent­schul­di­gen zu müs­sen. Was für ein gutes Gefühl! Meta­phy­si­sche Fra­gen sind will­kom­men und nicht intel­lek­tu­ell unehr­lich!

Die­se Erfah­rung der Auf­er­ste­hung führt dazu, dass ich wenig Ver­ständ­nis habe für die tren­di­ge Glo­ri­fi­zie­rung von Zwei­feln unter Chri­sten und Theo­lo­gen in unse­rer Zeit. Man­che Blog­ger und Influ­en­cer mögen mit Spott und Geläch­ter reagie­ren, wenn Chri­sten wie ich sich dazu erdrei­sten, Gewiss­heit des Glau­bens im Her­zen zu tra­gen. Was für mich ein kost­ba­res Gut und ein Geschenk von Jesus ist, ist für sie etwas, das es zu belä­cheln gilt. Per­sön­lich hal­te ich mich lie­ber an mei­nen Namens­vet­ter Pau­lus, als an die Stoi­ker und Epi­ku­re­er von damals und heu­te. Ich darf vol­ler Stau­nen, Zuver­sicht und Freu­de gemein­sam mit Pau­lus und vie­len ande­ren Chri­sten die­ser Welt ent­ge­gen­ru­fen:

Der Herr ist wahr­haf­tig auf­er­stan­den! (Lukas 24,34)

Die­se Tat­sa­che ver­än­dert alles! Die­se Tat­sa­che ver­än­dert auch dein Leben. Du kannst Ostern 2020 nut­zen, um wei­ter in einer gut argu­men­tier­ten und kul­tu­rell akzep­tier­ten Skep­sis zu ver­har­ren. Oder du kannst der Fra­ge nach­ge­hen, ob Jesus Chri­stus viel­leicht tat­säch­lich auf­er­stan­den ist, um Gewiss­heit des Glau­bens zu fin­den!

Wenn du Fra­gen hast, ob die Auf­er­ste­hung wirk­lich pas­siert ist, lade ich dich ein, dei­nen Fra­gen auf den Grund zu gehen. Vie­le tol­le Den­ker haben sich damit aus­ein­an­der­ge­setzt, wie gut die Beweis­la­ge der Auf­er­ste­hung ist. Hier eine Aus­wahl aus dem deutsch­spra­chi­gen Raum:

  • Dr. Johan­nes Hartl hat drei gute, kur­ze Vor­trä­ge gehal­ten (Teil 1, Teil 2, Teil 3).
  • Blog­ger Dr. Mar­kus Till hat einen aus­ge­zeich­ne­ten Arti­kel dazu ver­fasst.
  • Ste­phan Lan­ge hat zwei tol­le kur­ze Clips gemacht (Teil 1Teil 2).
  • Samu­el, ein Stu­dent aus dem Umfeld der VBG, zeigt in die­sem 3‑minütigen Clip auf, war­um wir die Auf­er­ste­hungs­er­zäh­lung nicht ein­fach als Legen­de abtun kön­nen.
  • Histo­ri­ker Jür­gen Spiess waren die­se Fra­gen in sei­ner eige­nen Bio­gra­phie wich­tig. Mit zehn The­sen äus­sert er sich zur Fra­ge des lee­ren Gra­bes. Das aus­führ­li­che Buch dazu heisst «Ist Jesus auf­er­stan­den?»
  • Ein neu­er Film über das Leben von Lee Stro­bel, Jour­na­list, beschreibt gut des­sen Weg vom Skep­ti­ker zu einem Men­schen mit Glau­bens­ge­wiss­heit. Hier ein Aus­schnitt davon. Das dazu gehö­ri­ge Buch heisst «Der Fall Jesus».
  • NT Wrights gründ­li­che und fach­lich hoch­ste­hen­de Ana­ly­se: Kapi­tel 18 in «Die Auf­er­ste­hung des Soh­nes Got­tes».
1 Comment
  1. Avatar
    Manfred Reichelt 4 Monaten ago
    Reply

    Scha­de, dass mein Blog-Bei­trag zum The­ma Auf­er­ste­hung nicht erwähnt wur­de. Ich den­ke, dass er sehr zur Klä­rung und zum leben­di­gen Glau­ben bei­tra­gen kann. Des­halb hier der link: https://​man​fre​d​rei​chelt​.wor​d​press​.com/​2​0​1​6​/​1​0​/​1​5​/​j​e​s​u​s​-​d​e​r​-​c​h​r​i​s​t​u​s​-​t​r​a​d​i​t​i​o​n​s​l​os/

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