Wo der Himmel die Erde berührt

Pascal Götz
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Wenn du betest, dann ist der Him­mel in der Welt angekom­men. Du ver­trittst die Welt vor Gottes Thron. Gle­ichzeit­ig übst du Gottes Autorität über diese Welt aus. Oder anders gesagt: Nur wenn du betest, erfüllst du deine Beru­fung als Mensch.

Die königlichen Priester

Bevor Israel das ver­sproch­ene Land Kanaan erre­icht, muss es durch die Wüste. Dabei führt Gott sein Volk nicht auf dem kürzesten Weg, son­dern macht einen Umweg mit einem län­geren Zwis­chen­halt am Berg Sinai. Diese Zeit in der Wüste offen­bart Israels wahre Überzeu­gun­gen, bere­it­et es aber auch darauf vor, mit Gott zusam­men im ver­heis­se­nen Land zu leben (siehe let­zter Artikel). Der Zwis­chen­halt am Sinai ist dafür entschei­dend. Hier spricht Gott deut­lich über die Iden­tität und die Beru­fung Israels:

Jet­zt aber, wenn ihr auf meine Stimme hört und meinen Bund hal­tet, werdet ihr unter allen Völk­ern mein beson­deres Eigen­tum sein. Mir gehört die ganze Erde, ihr aber sollt mir als ein Kön­i­gre­ich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören. (Ex 19:5–6)

Die Israeliten sind nicht mehr Sklaven, son­dern königliche Priester. Was für ein uner­warteter, über­raschen­der und wun­der­bar­er Wech­sel der Iden­tität! Was bedeutet er? Israel bekommt hier die Auf­gabe das zu sein, was eigentlich alle Men­schen sein soll­ten. Als Gott den Men­schen schuf, machte er ihn als sein Eben­bild, seinen Stel­lvertreter. Darum wird dem Men­schen die Herrschaft, aber auch die Pflege der Schöp­fung anvertraut.

Die Men­schheit ist von Anfang an als königliche Priester­schaft gedacht. Sie ver­tritt den Schöpfer vor der Schöp­fung. Darum darf Adam den Tieren Namen geben (Gen 2:19). Etwas zu benen­nen, hat immer mit Macht zu tun. Gott spricht und es geschieht – das ist ein Grund­muster in der Schöp­fungs­geschichte. Jet­zt ist es Adam, der spricht. Und auch bei ihm wird das Gesproch­ene Real­ität: Die Tiere tra­gen ab diesem Zeit­punkt die Namen, die Adam ihnen gegeben hat. Er nimmt – in diesem Fall ganz legit­im – die Rolle Gottes ein. Die Men­schheit soll aber auch die Geschöpfe vor dem Schöpfer vertreten. Darum bet­rifft der Sün­den­fall nicht nur uns Men­schen, son­dern die ganze Schöp­fung. Fällt der Stel­lvertreter, dann fall­en mit ihm alle, die er vor Gott vertreten sollte. Darum ist der königliche Priester das bib­lis­che Ide­al­bild des Men­schen. In ihm über­lap­pen sich Him­mel und Erde. Er ist Teil bei­der Welten.

Die Men­schheit ist an diesem Ide­al grandios gescheit­ert. Gott begin­nt mit Israel im kleineren Rah­men nochmals neu. Israel wird damit zum Hohe­p­riester inner­halb ein­er gefal­l­enen Priester­schaft aller Men­schen. Später wird deut­lich, dass Israel selb­st einen Hohe­p­riester braucht, der Israel seine Rolle vor­lebt. Sym­bol­isch trägt dieser Hohe­p­riester ganz Israel auf sein­er Brust (Ex 28:29). Ste­ht er vor Gott, ste­ht ganz Israel mit ihm da.

1Pet 2:9 wieder­holt die Beru­fung, königliche Priester zu sein. Sie gilt also nicht nur dem biol­o­gis­chen Volk Israel, son­dern allen, die durch ihren Glauben an Jesus Chris­tus in Israel hinein adop­tiert wor­den sind. Wir Chris­ten haben damit nicht nur Anteil an Israels Beru­fung, son­dern auch an der Beru­fung von Jesus. Der Hebräer­brief beschreibt, wie alle men­schlichen Priester an Sünde und Tod gescheit­ert sind. Doch in Jesus haben wir einen königlichen Hohe­p­riester, der seine Auf­gabe tat­säch­lich erfüllt hat (Heb 5:1–10:38). Darum ist das Gesetz des Mose durch und mit ihm erfüllt, aber nicht aufge­hoben (Mt 5:17). Er ist der wahre Stel­lvertreter, der zwis­chen dem Schöpfer und der Schöp­fung ste­ht. In diesem Selb­st­be­wusst­sein hat Jesus seine Jünger beten gelehrt (Mt 6:9–10):

Unser Vater im Him­mel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Him­mel. (Mt 6:9–10)

In diesem Bewusst­sein, Stel­lvertreter zu sein, dür­fen auch wir beten. Hier haben wir bei­des: Das Ver­sprechen, dass wir es bei Gott mit einem guten Vater zu tun haben, aber auch, dass wir es mit dem Heili­gen zu tun haben. Wenn wir beten, dann stellen wir uns an die Seite von Jesus in den Raum zwis­chen Him­mel und Erde. Mit uns tra­gen wir alle, die wir vor Gott vertreten sollen: die ganze Schöp­fung. Damit nehmen wir den Platz ein, den Gott uns seit der Schöp­fung geben möchte!

Darum kann Gebet niemals ein welt­fremder Rück­zug in eine geistliche Innen­welt oder in eine fromme Blase sein. Bleibt unser Kopf im Him­mel steck­en, dann ist das vielle­icht schön für uns selb­st. Es ist auch nichts dage­gen einzuwen­den, anbe­tend, kon­tem­pla­tiv, prophetisch in die himm­lis­che Gegen­wart Gottes einzutreten. Gott ist es wert, dass wir ihn nicht als from­men Wun­schau­to­mat­en mit unseren Anliegen zumüllen. Und doch kön­nen wir in sein­er Gegen­wart nicht able­gen wer wir sind: seine priester­lichen Eben­bilder in der Welt. Umgekehrt kön­nen wir Gebet auch nicht ein­fach durch Diakonie und Näch­sten­liebe erset­zen. Der Dienst am Näch­sten ist eine priester­liche Auf­gabe. Doch dieser Dienst muss in der lebensverän­dern­den Autorität des himm­lis­chen Königs geschehen. In uns soll die Schöp­fung ihren Schöpfer wieder­erken­nen. Das geht nur, wenn wir in ständi­gem Kon­takt zum dreieini­gen Gott ste­hen. Darum sollen wir unser Leben in diesem Raum des Gebets zwis­chen Him­mel und Erde verbringen.

Doch wie soll das gehen? Wie lebt so ein Volk von königlichen Priestern? Die Beru­fung des Volkes ste­ht in Ex 19:1–25. Gle­ich im näch­sten Kapi­tel find­en wir einen der bekan­ntesten Texte des Alten Tes­ta­ments: die Zehn Gebote. Sie sind eine Art Jobbeschrei­bung für königliche Priester. Sie sind Diplo­mat­en zwis­chen Him­mel und Erde. Ein poli­tis­ch­er Botschafter muss zwei Kul­turen gerecht wer­den. Ein­er­seits soll er seinem Heimat­land treu bleiben, ander­er­seits muss er auch die Kul­tur sein­er Gast­ge­ber respek­tieren. Tut er nur eines von bei­dem, wird sein Dienst wenig Erfolg haben. Für den königlichen Priester gilt das noch mehr, denn er ist in bei­den Wel­ten Gast und Ein­heimis­ch­er zugle­ich. Wen­det er sich zur Welt, ver­tritt er den Him­mel, wen­det er sich zum Him­mel, ver­tritt er die Erde.

Län­der unter­hal­ten Botschaften in anderen Staat­en. In diesen Gebäu­den gel­ten eigene Regeln. Man geniesst hier gewisse Rechte, aber auch Pflicht­en. In ein­er Botschaft ist man gewis­ser­massen gle­ichzeit­ig in der Heimat und in der Fremde. Eine ähn­liche Funk­tion hat für die königlichen Priester ein bes­timmtes Zelt.

Luca Ros­set­ti da Orta, Die heilige Trinität, Fres­co, 1738–9, Kirche St. Gau­den­zio, Ivrea bei Turin

Wer liest schon Baupläne?

Seit dem Sün­den­fall ist die Beziehung zwis­chen Gott und uns gestört. Der Ein­gang zum paradiesis­chen Garten Eden ist für uns versper­rt. Begeg­nun­gen mit Gott sind zwar noch möglich, aber nicht mehr so, wie ganz am Anfang. Was wir Men­schen brauchen, ist ein neues Eden, ein neuer Begeg­nung­sort. Eine wichtige Rolle spielt dabei das bere­its angekündigte Zelt. Im Deutschen nen­nt man es meis­tens «Stift­shütte». Der Begriff stammt von Luther. Er wollte damit bei sein­er Über­set­zung eine Verbindung zu den Stift­skirchen her­stellen (D. Mar­tin Luther: Die gantze heilige Schrifft Deud­sch, Wit­ten­berg 1545. Let­zte zu Luthers Lebzeit­en erschienene Aus­gabe, hrsg. von Hans Volz. Rogn­er & Bern­hard, München 1972, Band 1, S. 174.).

Heute wis­sen nur noch die Wenig­sten was mit «Stift­shütte» gemeint ist. Im Hebräis­chen nen­nt man das Ding ein­fach «Zelt der Begeg­nung» oder «Woh­nung». Gemeint ist, dass es die Woh­nung Gottes ist. Bei­de Begriffe zeigen sehr gut, um was es eigentlich geht. In Ex 25:1–31:18 und dann nochmals in Ex 35:1–40:38 ste­hen die Anweisun­gen, wie diese Woh­nung, dieses Zelt der Begeg­nung, gebaut wer­den soll.

Wer die Bibel von vorne bis hin­ten durch­li­est, dem wird es genau hier lang­weilig. So ganz unter uns: Was inter­essiert es mich, wie gross dieses Zelt war? Das ist mir so lang wie bre­it. Gäbe es nicht wichtigere The­men, über die die Bibel noch zwei, drei Sätze ver­lieren kön­nte? Doch hier ist der Ort, an dem sich Him­mel und Erde über­lap­pen. Darum heisst dieses Zelt eben Zelt der Begeg­nung. Hier kön­nen sich Gott und Men­sch endlich wieder begeg­nen, wie es Gott von Anfang an geplant hat. Das Zelt der Begeg­nung ist der Him­mel auf Erden! Gott und seine Welt wer­den physisch sicht­bar gemacht. In den Bau­plä­nen wird nach­drück­lich betont, dass sich Mose beim Bau von Gottes Woh­nung nicht ein­fach etwas Schönes aus den Fin­gern geso­gen hat (Ex 25:9–40, Ex 26:30, Ex 27:8, Ex 39:32, Ex 39:42–43). Das Zelt der Begeg­nung wurde nach einem himm­lis­chen Vor­bild gebaut. Es ist sozusagen eine physis­che Kopie, ein Min­i­mod­ell des Him­mels.

Ein Fre­und von mir und ich haben vor eini­gen Jahren zusam­men Ferien gemacht. Als Gag haben wir damals nur eine analoge Kam­era mitgenom­men, so eine mit ein­er richti­gen Film­rolle, ohne Dis­play. Zusät­zlich dazu hat­ten wir nur Schwarz-Weiss-Filme dabei. D.h. jedes Foto, das wir aus diesen Ferien haben, ist schwarz-weiss. Wir zwei, wir haben die Land­schaft im Nor­den Nor­we­gens in voller Farbe gese­hen (zugegeben, auch in Farbe war es ziem­lich grau). Aber alles, was wir unseren Fre­un­den und Fam­i­lien nach den Ferien zeigen kon­nten, waren Bilder in schwarz-weiss. So etwas ähn­lich­es passiert auch beim Zelt der Begeg­nung. Das Zelt der Begeg­nung ist eine Art Schwarz-Weiss-Foto vom Him­mel und von Gottes Her­rlichkeit. Es macht Gottes Wohn­bere­ich physisch sicht­bar. Darum ist die Bauan­leitung in der Bibel so detailliert.

Alles an diesem Ort hat eine Bedeu­tung. In diesem Artikel wer­den wir nicht auf die vie­len Details einge­hen. Wichtig ist vor allem: Was hier gebaut wor­den ist, ist ein Ort der Begeg­nung zwis­chen Gott und Men­sch. Darum zeigt uns dieses Zelt bis heute einige Grundgedanken, wie Gott uns begeg­nen möchte.

Gott ist mit uns

Damals in der Wüste wohnte das ganze Volk Israel in Zel­ten. Gott wohnte also mit­ten unter ihnen. Plöt­zlich war Gott nicht mehr weit weg, son­dern hier. Er war in die Nach­bar­swoh­nung einge­zo­gen. Nach Jesus geht Gott durch den Heili­gen Geist noch weit­er (1Kor 3:16; 1Kor 6:19). Er wohnt nicht nur in der Nach­barschaft, er will IN uns wohnen. Wer wie ich in ein­er evan­ge­likalen Fam­i­lie gross gewor­den ist, dem ist dieser Gedanke von Kindes­beinen an ver­traut. Doch was das wirk­lich bedeutet, kann ich bis heute nur erah­nen. Es ist wie bei meinen abendlichen Ver­suchen als Kind, mir die Grösse des Uni­ver­sums vorzustellen. Mir wird schwindelig vor der schieren Unendlichkeit dieses Gedankens. Und doch ist es wahr. Gott will in dir wohnen.

Und trotz­dem wohnt Gott in seinem Zelt und nicht in deinem. Gott ist nicht ein­fach ein net­ter Deko­ge­gen­stand bei dir zu Hause. Gott ist heilig. Der Gedanke an einen himm­lis­chen «Bud­dy» ist in diesem Zusam­men­hang Gottes­lästerung. Es gibt einen Unter­schied zwis­chen sein­er und unser­er Welt. Das wird durch grosse Stoff­bah­nen angedeutet, die rings um das Heilig­tum standen. Wer zu Gott kom­men möchte, der muss bewusst zu ihm kommen.

Das ist eines der vie­len «Sowohl als auch» im Glauben: Auf der einen Seite ist es wahr, dass wir durch Jesus direk­ten Zugang zu Gott haben. Wir dür­fen uns zu Recht seine Kinder nen­nen. Auf der anderen Seite ist es genau­so wahr, dass du nicht ein­fach so «ins Aller­heilig­ste latschen» soll­test. Wenn du bei jeman­dem ein­ge­laden bist, dann weisst du, dass man dir auf­machen wird. Du weisst, dass du willkom­men bist. Du weisst, dass diese Men­schen deine Fre­unde sind. Genau darum behan­delst du sie und ihre Woh­nung mit Respekt. Das Gle­iche gilt auch für Gott. Ja, du bist bedin­gungs­los angenom­men. Ja, Gott hat Tag und Nacht Zeit für dich. Und genau darum ist es wichtig, dass wir nicht so tun, als ob das selb­stver­ständlich wäre. Jedes Mal, wenn sich Gott dir zuwen­det, ist das ein Geschenk. Wenn wir beten, dann betreten wir Gottes Wohnung.

Der Weg zu einem beson­deren Gebet­sort kann hil­fre­ich sein, dich auf die Begeg­nung mit Gott vorzu­bere­it­en. In welch­er Hal­tung kommst du? Kommst du mit dem Bewusst­sein, dass dir jet­zt gle­ich der Herrsch­er der Welt begeg­net? Und kommst du gle­ichzeit­ig mit dem Bewusst­sein, dass dieser unendliche Gott dich sein Kind nennt?

Eine Gebetsübung: Eintreten in Gottes Gegenwart

Das Zelt der Begeg­nung, und später auch der Tem­pel als dessen Weit­er­en­twick­lung, haben auch etwas Ein­schüchtern­des. Das Zelt ist so aufge­baut, dass der Wert der Baustoffe von aussen nach innen zunimmt. Es wird physisch sicht­bar, dass man dem Heili­gen immer näher kommt. Die fol­gende Gebet­sübung ist von Johannes Hartls Buch «Ein­fach Gebet» inspiri­ert. Das Zelt der Begeg­nung kann dir eine Anleitung zum Gebet sein. Nimm dir dafür genug Zeit. Wer auf diese Art in Gottes Gegen­wart ein­tauchen möchte, der wird mehr als eine Stunde dafür brauchen. Einzelne Schritte müssen ver­mut­lich erst eingeübt werden.

Dabei betrittst du im Geist das Zelt der Begeg­nung. Das Heilig­tum ist in vier Zonen eingeteilt. Ausser­halb des Zeltes ist der all­ge­meine Wohn­bere­ich der Israeliten. Dann kom­men eine Tren­nwand und danach der Vorhof. In diesem Vorhof sind vor allem zwei Gegen­stände wichtig: Der Bran­dopfer­al­tar und ein gross­es Waschbeck­en. Bei­de Objek­te haben etwas mit Reini­gung zu tun.

Gebetsschritt 1: Altar

Wenn man den Vorhof zum Heilig­tum betritt, fällt als Erstes der Altar auf. Hier passiert die Verge­bung der Sün­den. Wer Gott begeg­nen will, der muss alles hin­ter sich lassen, was nicht zu Gott passt. In Zeit­en von Coro­na ist Desin­fek­tion­s­mit­tel all­ge­gen­wär­tig. Am Altar soll­ten nicht die Hände, son­dern das Herz, der Geist und der Ver­stand «desin­fiziert» wer­den. Wenn du in die Gegen­wart von Gott kommst, dann muss zuerst alles ster­ben, was nicht zu Gott passt. Nimm dir im Gebet Zeit, alle Lüge, alle Gehäs­sigkeit, alle Unbarmherzigkeit, alle unreinen Gedanken bei Jesus abzugeben. Er hat sie am Kreuz getra­gen und damit volle Verge­bung möglich gemacht. Vielle­icht hil­ft dir dabei ein Beicht­spiegel (z.B. https://www.ojc.de/salzkorn/2009/suende/beichte-zehn-gebote/) oder das Aussprechen der eige­nen Sünde vor einem anderen Men­schen (Busse). Und wenn du weit­ergehst, dann nimm deine Sünde nicht wieder mit. Sie ist mit Jesus am Kreuz gestorben.

Gebetsschritt 2: Waschbecken

Das grosse Waschbeck­en hat eben­falls mit Reini­gung zu tun. Hier geht es aber nicht um Sün­den­verge­bung, die ist ja schon am Altar passiert. Hier geht es um die Vor­bere­itung für einen Dienst in der Gegen­wart Gottes. Sym­bol­isch wer­den Hände und Füsse gewaschen (Ex 30:18–21; Ex 40:12–15). Jet­zt ist der Priester bere­it für seinen Dienst. Ab jet­zt han­delt er nicht mehr in seinem eige­nen Namen, son­dern im Namen Gottes. Nimm dir darum einen Moment Zeit, um deine Motive zu prüfen. Kommst du mit deinen eige­nen Anliegen oder kommst du in der Hal­tung, die uns Jesus am Anfang des Unser­vaters beige­bracht hat: «Dein Name werde geheiligt. Dein Wille geschehe.»? Gott hat kein Prob­lem mit unser­er Schwäche. Doch es ist wichtig, dass wir ehrlich mit ihm und uns selb­st sind. Vielle­icht hil­ft es dir, hier 20 Minuten still zu sein. Sei ein­fach da, leiste nichts, keine Anbe­tung, keine Für­bitte, kein Beken­nt­nis. In der Stille kommt oft das hoch, was son­st im Leben schweigen muss.

Gebetsschritt 3: Leuchter

Um ins Heilig­tum selb­st zu kom­men, müssen wir durch einen dick­en Vorhang. Darauf sind Cheru­bim dargestellt. Es sind Wächter, die auch den Zugang zum Garten Eden bewachen. Im Heilig­tum ste­hen der siebe­n­armige Leuchter, der Tisch mit den Schaubroten und der Räucher­al­tar. Der Leuchter hat ver­schiedene Bedeu­tun­gen. Manche ver­ste­hen ihn als Zeichen für den Heili­gen Geist, andere als Erin­nerung an die bei­den Bäume im Paradies. So oder so, es geht hier um etwas, das Leben gibt. Bete darum, dass der Heilige Geist dich mit seinem Leben erfüllt.

Gebetsschritt 4: Brotfladen

Auf einem kleinen Tisch wur­den zwölf Brot­fladen auf­be­wahrt. Sie erin­nern an Gottes Ver­sorgung. Schon damals war klar, dass der Men­sch nicht nur vom Brot lebt, son­dern von allem, was aus dem Mund Gottes kommt (Deut 8:3). Jesus sagte später, er selb­st sei das Brot des Lebens (Joh 6:35). Hier kannst du innehal­ten und still wer­den. Möchte Gott dir etwas sagen? Vielle­icht hil­ft es dir, an dieser Stelle einen Text aus der Bibel, dem Wort Gottes, zu lesen.

Gebetsschritt 5: Räucheraltar

Auf dem Räucher­al­tar wurde Weihrauch ver­bran­nt. Die dabei entste­hende Rauch­wolke erin­nert daran, wie Gott seinem Volk auf dem Berg Sinai, aber auch in der Wüste erschienen ist – verdeckt durch eine Wolke. Der Weihrauch ist aber auch ein Zeichen der Anbe­tung. Anbe­tung kann in vie­len For­men passieren: Durch Lieder, eigene Worte, Prokla­ma­tion von Psalm- oder anderen Bibeltexten.

Gebetsschritt 5: Das Allerheiligste

Ein weit­er­er dick­er Vorhang tren­nt uns vom inner­sten Bere­ich, dem Aller­heilig­sten. Hier ste­ht nur die Bun­deslade. Im leeren Raum über ihr thront Gott. Unter ihm, in der Lade, befind­en sich die Tafeln des Bun­des, die an den Bund zwis­chen Gott und seinem Volk erin­nern. In diesen Bere­ich des Zeltes durfte der Hohe­p­riester nur ein­mal im Jahr kom­men, um das Volk vor Gott zu vertreten. Wir dür­fen es wegen Jesus nun immer tun! Hier angekom­men kannst du betend deinem Pries­ter­di­enst nachkom­men und all diejeni­gen vor Gott brin­gen, die du vertrittst.

Betend leben

Als königliche Priester zu leben ist kein Teilzeitjob. Es ist über­haupt kein Job. Es ist die Beru­fung von Chris­ten schlechthin. Dazu bist du da. Du bist gemacht für diesen Raum, in dem sich Him­mel und Erde über­lap­pen. Du sollst Gott vor der Welt und die Welt vor Gott repräsen­tieren. Zugegeben: Keine leichte Auf­gabe, aber alles andere ist unter dein­er Würde. Als Chris­ten brauchen wir ein Bewusst­sein dafür, wer und was wir sind. Im Gebet verbinden wir Him­mel und Erde, damit Gottes Wille über­all geschieht.

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