Abtreibung (2/5) — eine Theologie

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Es waren unter anderem protes­tantis­che Pas­toren, welche in den 60er Jahren die Legal­isierung der Abtrei­bung in den USA vor­wärt­strieben. Christliche The­olo­gen und Ethik­er liefer­ten die moralis­che Recht­fer­ti­gung und die the­ol­o­gis­chen Argu­mente, um unge­borenes Leben zu töten. 

Wer liebt, wird das richtige tun. In diesem Fall: ein­er Frau in Not mit ein­er Abtrei­bung zu helfen. In etwas so kann die The­olo­gie und Ethik beschrieben wer­den, welche Pas­toren in den 60er Jahren motivierte, schwan­geren Frauen auf ille­gale Weise eine Abtrei­bung zu ermöglichen.

Ein­er dieser Abtrei­bungs-Aktivis­ten war Rev. Howard Moody, welch­er 1967 das Cler­gy Con­sul­ta­tion Ser­vice on Abor­tion (Deutsch: ‘Pas­toraler Beratungs­di­enst bezüglich Abtrei­bung’) ins Leben rief, welch­es bis zur Legal­isierung von Abtrei­bung 1973 hun­dert­tausende ille­galer Abtrei­bun­gen ver­mit­telte. Im Buch «Sacred Work» beze­ich­net der Autor Tom Davis – selb­st ordiniert­er Pfar­rer – den Ein­satz dieser Aktivis­ten im Talar als ‘heilige Arbeit[1] – als zutief­st geistlich­es und moralisch vor­bildlich­es Han­deln. Die kirch­lichen Hand­langer der Abtrei­bung seien das per­fek­te Beispiel eines han­del­nden Glaubens und in ein­er Lin­ie mit den grossen Men­schen­rechts-Bewe­gun­gen[2].

Wie kon­nte es nur soweit kom­men, dass das Aus­löschen von unschuldigem und wehrlosem men­schlichen Leben als Akt von Liebe gew­ertet wird? Ich per­sön­lich mache keinen Hehl daraus, dass ich Abtrei­bung äusserst kri­tisch gegenüber ste­he und sie als Übertre­tung des Tötungsver­botes Gottes sehe (2 Mo 20:13). Aus mein­er Sicht besitzt das Leben eines unge­bore­nen Kindes unan­tast­bare Würde – ist also ‘heilig’. Ich sehe eigentlich kaum Gründe, welche eine Abtrei­bung recht­fer­ti­gen kön­nten[3]. Dass Abtrei­bung auch heute noch als heiliges Han­deln dargestellt wird von religiösen Leit­ern[4], welche sich Chris­ten nen­nen, erfüllt mich mit an Abscheu gren­zen­dem Unver­ständ­nis. Doch auch deren Hal­tung hat ihren Hin­ter­grund ihre the­ol­o­gis­che und moralis­che Recht­fer­ti­gung. Ich möchte ver­suchen diese nachzuvollziehen.

Lib­erale Autoren und The­olo­gen präsen­tieren Abtrei­bung in ihren Büch­ern als ‘heilige Arbeit’ und als Erweis von Barmherzigkeit.

Die Liebe als Kompass

Viele protes­tantis­chen The­olo­gen hat­ten in den 60er Jahren genug von Geset­zen, Vorschriften und Moral. Sie woll­ten sich in ihrem Denken ganz nach dem Kom­pass der Liebe ori­en­tieren, sich ihren Mit­men­schen zuwen­den. Die fol­gen­den Worte des anglikanis­chen Bischofs John A. T. Robin­son aus dem Jahre 1963 fassen die Ansicht dieser The­olo­gen gut zusam­men[5]:

«Die Liebe hat einen innewohnen­den Kom­pass, welche sie intu­itiv auf das tief­ste Bedürf­nis des anderen aus­richt­en wird. Deshalb kann die Liebe allein sich erlauben, sich selb­st ganz durch die Sit­u­a­tion lenken zu lassen.»

Voraus­ge­gan­gen waren Jahrzehnte, in denen im Rah­men mod­ern­er Bibelkri­tik die bib­lis­chen Schriften ‘demys­ti­fiziert’ und Vorstel­lun­gen von Gott entsprechend angepasst wur­den. Die Zeit ein­er ‘Gott ist tot’-Theologie[6] und ein­er ‘neuen Moral’[7] war gekom­men. Es war Zeit, sich nur noch an der Liebe zu ori­en­tieren. Alles andere war ver­han­del­bar. Gott kon­nte an vie­len Orten gesucht wer­den, nur lieber nicht in der ver­staubten Bibel mit ihren Geboten und Ver­boten und ihrem Bild eines per­sön­lichen, allmächti­gen Schöpfer­gottes. Vielmehr wollte man das Göt­tliche unter den Men­schen suchen, im Hören auf die innere Stimme und den Geist der Zeit.

Der anglikanis­che Bischof John A. T. Robinson

Erst­mal – und das scheint mir tat­säch­lich wichtig – muss man sich der reellen Her­aus­forderun­gen bewusst sein, welche unge­wollte oder unge­plante Schwanger­schaften in den USA der 60er Jahre mit sich brin­gen kon­nten. Die soziale Äch­tung unver­heirateter Müt­ter war vielerorts eine gesellschaftliche Tat­sache. Daneben gab es auch sehr greif­bare geset­zliche Missstände. So gab es zum Beispiel keinen arbeit­srechtlichen Schwanger­schaftss­chutz. Eine arbeit­stätige Frau, welche Schwanger wurde, musste davon aus­ge­hen, dass sie ihre Arbeit ver­liert[8]. Dazu kamen die gesund­heitlichen Risiken ille­galer Abtreibungen.

Gesellschaftliche Aus­gren­zung, dro­hende soziale Benachteili­gung und eine poten­tiell gesund­heits­ge­fährdende ‘Lösung’ des Prob­lems – das war eine Kom­bi­na­tion die wohl tat­säch­lich viele Frauen in die Verzwei­flung getrieben hat. Die ‘Pas­toren für Abtrei­bung’ engagierten sich in der Regel auf allen Seit­en dieser her­aus­fordern­den Real­ität. Sie sahen fol­gende Lösungen:

  • Eine lib­er­al­isierte Sex­u­alethik kön­nte zu ein­er gesellschaftlichen De-Stig­ma­tisierung von unge­plant schwan­geren Sin­gle­frauen führen.
  • Der Kampf um verbesserte Arbeit­srechte für Frauen würde die finanzielle Not­lage lin­dern, welche mit ein­er Schwanger­schaft ein­herge­hen konnte.
  • Legal­isierte Abtrei­bung war die Möglichkeit, gesund­heitliche Risiken zu ver­min­dern für Frauen, die ihr Kind nicht haben wollten.

Für diese ‘Lösungsan­sätze’ fan­den sie ihre Inspi­ra­tionsquellen zum einen in der Social Gospel Bewe­gung und zum anderen in der soge­nan­nten ‘Neuen Moral’ mit ihrer ‘Sit­u­a­tion­sethik’, welche in den 60er Jahren in den Kreisen fortschrit­tlich gesin­nter lib­eraler The­olo­gen zu find­en war.

Social Gospel – sozialer Aktivismus für die Wiederkunft Christi

Ein wichtiger Hin­ter­grund, um den radikalen Sozialak­tivis­mus von Howard Moody und sein­er Pas­toren­fre­unde zu ver­ste­hen, ist die  Social Gospel – Bewe­gung. Diese Bewe­gung hat­te in den ersten Jahrzen­ten des 20. Jahrhun­derts grossen Ein­fluss auf die tra­di­tionellen protes­tantis­chen Denom­i­na­tio­nen in den USA (die soge­nan­nten Main­line Church­es) und inspiri­erte Moody und seine Fre­unde zum einem Leben im Dienst an den Menschen.

Aus­gangspunkt für diese Bewe­gung waren die grossen sozialen Missstände des aus­ge­hen­den 19. Jahrhun­derts. Indus­tri­al­isierung, grosse Zuwan­derungsströme und Ver­städterung bracht­en in den USA soziale Prob­leme wie Kinder­ar­beit, Alko­holis­mus oder Armut mit sich. Die Social Gospel Bewe­gung wollte diese Prob­leme aktiv ange­hen. Geprägt war die Bewe­gung von ein­er ‘Yes we can’ – Men­tal­ität. Die gesellschaftlichen Prob­leme soll­ten – motiviert vom christlichen Glauben — angepackt und gelöst wer­den. Die Bewe­gung war vom Wun­sch geprägt, das ‘Reich Gottes auf Erden’ in Form ein­er besseren, gerechteren, ‘geheiligten’ Gesellschaft zu etablieren.

Als ‘Grundü­bel’ der Men­schheit wur­den dabei zuse­hends nicht die per­sön­lichen Defizite des Indi­vidu­ums gese­hen (indi­vidu­elle ‘Sün­den’), son­dern gesellschaftliche und struk­turelle Aspek­te (kollek­tive ‘Sün­den’).  Fol­glich bestand das Bekämpfen von Sünde für die Pas­toren der Social Gospel Bewe­gung vor allem im Imple­men­tieren von sozialen Pro­gram­men und gesellschaftlichen Refor­men, weniger im Ruf zu indi­vidu­eller Busse und Umkehr. Die sozialen Struk­turen im Land soll­ten  ‘chris­tian­isiert’ wer­den. Dies führte zu einem zunehmend poli­tisch geprägten kirch­lichen Denken, welch­es ten­den­ziell sozial­is­tisch gelagert war und die öku­menis­che Zusam­me­nar­beit forcierte. Die engagierte und geeinte Kirche würde eine per­fek­te, geheiligte Welt schaf­fen und damit die Bühne für die Wiederkun­ft Christi bere­it­en[9]. Prä­gend für die Bewe­gung war neben den sozialen Anliegen auch ihr zunehmender the­ol­o­gis­ch­er Lib­er­al­is­mus und eine ten­den­ziell unkri­tis­che Über­nahme zeit­geistiger Philoso­phien und Pseudowis­senschaften[10]. In der grossen the­ol­o­gis­chen Debat­te ihrer Zeit – der Fun­da­men­tal­ist vs. Mod­ernist Kon­tro­verse – standen die Social Gospel Vertreter auf der Seite der Mod­ernisten, also der Kräfte die sich als fortschrit­tlich und den Erken­nt­nis­sen der mod­er­nen Wis­senschaft zuge­wandt sahen.

Rev. Howard Moody sieht sich mit seinem Engage­ment für Abtrei­bung in der Tra­di­tion von Social Gospel Grössen wie Wal­ter Rauschen­busch oder Har­ry Emer­son Fos­dick[11]. Er sieht sich eben­falls in der ehren­vollen Tra­di­tion der Abo­li­tion­is­ten, welche sich im 19. Jahrhun­dert für die Abschaf­fung der Sklaverei ein­set­zten. Dazu gehörte auch das Empfind­en ein­er moralis­chen Verpflich­tung, welche höher zu gewicht­en ist als Gesetz oder gesellschaftliche Kon­ven­tio­nen. Lawrence Lad­er, der Mas­ter­mind hin­ter der Kam­pagne zur Legal­isierung von Abtrei­bung, beschreibt in ein­er Rück­blende die öffentliche Entrüs­tung, welche die ille­gale Kam­pagne von Howard Moody in kon­ser­v­a­tiv­en Kreisen aus­löste[12]:

«Jemand hat­te sich am Sys­tem ver­grif­f­en. Jemand hat­te darauf bestanden, wie ein Abo­li­tion­ist im Jahr 1850, dass egal wie der Wort­laut des Geset­zes war, es ein höheres und moralisch verpflich­t­en­des Gesetz gab. Dieses ver­langte, das keine Frau in eine unge­wollte Schwanger­schaft oder in den alter­na­tiv­en Hor­ror ein­er ille­galen Abtrei­bung gezwun­gen wer­den durfte.»

Nun, die unmit­tel­bare Sit­u­a­tion der betrof­fe­nen Frauen mag sich durch die Abtrei­bungs­mass­nahme tat­säch­lich verbessert haben. Der Job wurde nicht gekündigt. Die öffentliche Schande wurde ver­mieden. Die Abtrei­bung erfol­gte nicht mehr durch einen Hin­ter­hof-Quack­sal­ber. Aus der Per­spek­tive von Moody und sein­er Pfar­rkol­le­gen wurde durch Abtrei­bung die Lage der Frauen verbessert und damit das Liebesge­bot in ein­er ganz konkreten Not­lage umge­set­zt.

Howard Moody sah sich in der the­ol­o­gis­chen Tra­di­tion von Social Gospel Grössen wie Wal­ter Rauschen­busch oder Har­ry Emer­son Fosdick.

Man darf sich natür­lich fra­gen, ob dem wirk­lich so ist. Es gibt mit­tler­weile doch diverse Unter­suchun­gen, welche auf langfristige psy­chis­chen Fol­gen von Abtrei­bun­gen hin­weisen[13]. Eben­so ist zunehmend auch wis­senschaftlich erforscht, dass es sich beim Fötus nicht ein­fach um leblos­es Zell­gewebe han­delt, son­dern um ein men­schlich­es Wesen, welch­es zum Beispiel schon sehr früh in der Schwanger­schaft Schmerz empfind­et[14].

Dass das Wis­sen um die frühen Entwick­lungssta­di­en des Fötus dur­chaus auch vor 50 Jahren schon vorhan­den war, beweist die aufwüh­len­den Reportage des Jour­nal­is­ten Nick Thimmesch, erschienen 1973 im Newsweek Mag­a­zine[15]. Darin berichtet er von den Zustän­den in Abtrei­bungskliniken mit ihren in Plas­tik­säck­en entsorgten Babys und prangert eine von Util­i­taris­mus geprägte ‘Binge-Kul­tur’ bei Abtrei­bun­gen an. Auch für ihn ist damals klar, dass es sich beim Fötus nicht ein­fach um ein Gewebe handelt:

«Schau jen­seits der poli­tis­chen Argu­mente zum Fötus und zu dem, was die Ärzte diesem antun. Der Herz­schlag eines unge­bore­nen Babys fängt zwis­chen dem 18ten und 25ten Tag an, Hirn­wellen kön­nen nach sieben Wochen bere­its gemessen wer­den, mit neun bis 10 Wochen bewe­gen sie ihre Augen, schluck­en und machen die Faust. Schau dir die wun­der­baren Pho­togra­phien an und ent­decke men­schlich­es Leben. Soll­ten diese kleinen Men­schen getötet wer­den, auss­er um das Leben der Mut­ter zu retten?»

Wenn man der Bibel ver­traut oder Eltern Glauben schenkt – dann weiss man, dass unge­borene Kinder auch Emo­tio­nen wie Freude erleben, welche ganz klare per­son­ale Eigen­schaften sind. Nir­gends wird dies so deut­lich wie im bib­lis­chen Bericht über die Begeg­nung von Elis­a­beth und Maria (vgl. Lk 1:44):

«Denn siehe, sowie der Klang deines Grußes in mein Ohr drang, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.»

Und noch ein weit­eres: Eigentlich sollte zumin­d­est Chris­ten ein­leucht­en, dass der beste Weg zur Ver­mei­dung ein­er unge­woll­ten Schwanger­schaft in der Pflege eines dementsprechen­den Sex­u­allebens ist. Das fün­fte Gebot (Du sollst nicht töten) müssen diejeni­gen nicht durch Abtrei­bung brechen, die das zehnte Gebot (Du sollt nicht begehren…) oder das sech­ste Gebot (du sollst nicht ehe­brechen) zu Herzen nehmen.

Doch von ein­er solch ‘moral­is­tis­chen’ Sichtweise woll­ten Moody und seine Fre­unde nichts wis­sen. Man kommt nicht umhin zu bemerken, dass die Näch­sten­liebe von Howard Moody und sein­er Pas­torenkol­le­gen ein­seit­ig nur von der Mut­ter her gedacht ist und das Kind als lebendi­ges men­schlich­es Wesen mit eigen­er Würde nicht im Blick hat. Die Tötung des unge­bore­nen Kindes wird moralisch legit­imiert, indem es ent­men­schlicht wird. Zu Hil­fe kom­men ihnen die dama­li­gen Trends in der Gilde der lib­eralen The­olo­gen: neue ‘Neue Moral’ und ‘Sit­u­a­tion­sethik’.

Die neue Moral

Zu den wichtig­sten Pro­tag­o­nis­ten von Neuer Moral und Sit­u­a­tion­sethik zählen der US-The­ologe und Ethik­er Joseph Fletch­er (1905–1991) und der bere­its erwäh­nte anglikanis­che Bischof John A. T. Robin­son (1919–1983). Let­zter­er sorgte mit seinem Buch ‘Hon­est to God’ für einen äusserst kon­tro­ver­sen[16] Best­seller[17], während Fletch­er mit seinen Über­legun­gen zu ethis­chen Fra­gen die Gemüter erhitze.

Neben der Social Gospel Bewe­gung kann die Sit­u­a­tion­sethik als zweit­er wichtiger Ein­fluss auf Howard Moody und seine Mit­stre­it­er gew­ertet wer­den[18]. Auch in Lawrence Laders ein­flussre­ichem Buch «Abor­tion» find­et Fletch­er dreimal Erwäh­nung[19]. Fletch­er ist der The­ologe hin­ter den Argu­menten, welche Lad­er, Moody und seine Fre­unde ins Feld führen, um Abtrei­bung moralisch zu legit­imieren. Seine Argu­mente nehmen ein erstes Mal Gestalt an in seinem Buch ‘Morals and Med­i­cine’ aus dem Jahre 1955. Der grosse Durch­bruch gelingt ihm 1966 mit seinem Buch ‘Sit­u­a­tion Ethics – The New Moral­i­ty».

Der The­ologe Joseph Fletch­er gilt als Grün­der­vater der mod­er­nen Bioethik und der ‘Per­son­hood The­o­rie’, welche Embryos als vor­per­son­ales Wesen einstuft.

Die Ethik von Fletch­er baut auf ein­er Ablehnung von Richtig und Falsch und dem prak­tizieren von Liebe als einzig rel­e­van­ter Norm, welche das Gesetz erset­zt. Nur die Liebe sei immer gut. Man müsse sich von der ‘toten Hand des Geset­zes ‘freis­chnei­den’[20]. Ethis­che Entschei­dun­gen müssten sich aus dem Kon­text ein­er Hand­lung her­aus ergeben. Die neue Moral der Sit­u­a­tion­sethik besagte, dass jede Hand­lung sowohl richtig als auch falsch sein könne, abhängig von der Sit­u­a­tion.[21]

Zuge­spitzt gesagt bedeutet die Hal­tung von Fletch­er: Du darf­st deine Ehe brechen (6. Gebot), solange es aus Liebe geschieht. Und wenn aus diesem Ehe­bruch ein Kind entste­ht, dann darf­st du es auch töten (5. Gebot), wenn dadurch eine Verbesserung der Sit­u­a­tion für die Beteiligten entsteht.

Die Ethik von Fletch­er hält nichts mehr von den 10 Geboten als offen­bartem Willen Gottes und Richtschnur für das Zusam­men­leben der Men­schen. Zurück bleibt das Liebesge­bot als Leer­formel zur inhaltlichen Aus­gestal­tung durch den Men­schen. Das Liebesge­bot regiert. Aber die Deu­tung dessen, was nun die Liebe fordert, bleibt dem Indi­vidu­um in sein­er spez­i­fis­chen Sit­u­a­tion über­lassen. Bei Fletch­er selb­st hat die Aus­for­mulierung von Liebe in konkreten Sit­u­a­tio­nen dann sehr viel mit Util­i­taris­mus und Prag­ma­tismus zu tun[22]. Gut ist, was nützt, und was nach men­schlichem Ermessen zur Steigerung der Zufrieden­heit der betrof­fe­nen Per­so­n­en dient.

Das Buch von Bischof John Robin­son, welch­es bere­its 1963 die Ideen von Fletch­er aus­führlich einem grossen Pub­likum vorstellte, gibt einen guten Ein­blick in die the­ol­o­gis­che Gross­wet­ter­lage jen­er Zeit. Gott dürfe in einem säku­lar­isierten und aufgek­lärten Zeital­ter nicht mehr im Sinne eines tran­szen­den­ten Gottes ver­standen wer­den, der unab­hängig von Raum, Zeit und Schöp­fung existiere, der durch sein offen­bartes Wort (Bibel) konkret zu den Men­schen spricht und durch die Kirche seine Stimme in der Gesellschaft erklin­gen lässt. Vielmehr brauche es eine Umkehrung: Gott müsse in der Kul­tur und unter den Men­schen selb­st gesucht wer­den. Anstatt mit recht­gläu­bi­gen Glauben­saus­sagen den let­zten Über­resten an treuen Schäfchen zu hüten solle die Kirche eine radikale Neu­for­matierung in Glaubens­fra­gen vol­lziehen und die fun­da­men­tal­sten Vorstel­lun­gen in The­olo­gie und Reli­gion, wie zu Beispiel eben die Vorstel­lung eines Gottes mit über­natür­lichen Kapaz­itäten, ein­schmelzen und ganz auf eine in Liebe gegrün­dete Frei­heit des Men­schen set­zen.[23]

Das Buch ‘Hon­est to God von John A. T. Robin­son war 1963 ein Best­seller und sorgte für hitzige Diskussionen.

Eine wichtige Erschei­n­ung jen­er Zeit war der zunehmende Ein­fluss der soge­nan­nten Prozess­the­olo­gie, welche auch als Panen­the­is­mus beze­ich­net wer­den kann. Diese sieht Gott und den Men­schen als ein­er gemein­samen evo­lu­tionären Dynamik unter­wor­fen. Prinzip­i­en der Evo­lu­tion wer­den auf geistliche Real­itäten über­tra­gen. Nicht nur der Men­sch entwick­elt sich, son­dern auch Gott. Für Fletch­er ist dies eine Inspi­ra­tionsquelle. So zitiert er zur Eröff­nung sein­er «Sit­u­a­tion Ethics» den Math­e­matik­er und Philosophen Alfred North White­head, den Begrün­der der Prozessphiloso­phie:

«Die ein­fältige Ver­wen­dung von Vorstel­lun­gen von «Richtig und Falsch» ist eine der grössten Hin­dernisse zum Prozess des Verständnisses»

Prozess-Denken wirkt sich, wie es scheint, auf das Men­schen­bild von Fletch­er aus. Dieses Zitat aus «Morals and Med­i­cine» ist ein gutes Beispiel dafür[24]:

«The­ol­o­gisch gese­hen kann gesagt wer­den, dass Per­sön­lichkeit nicht durch ein göt­tlich­es Macht­wort entste­ht, son­dern durch einen göt­tlich inspiri­erten Prozess der Entwick­lung in men­schlichen Organ­is­men, genau­so wie men­schlich­es Bewusst­sein selb­st eine rel­a­tiv späte Entwick­lung im evo­lu­tionären Prozess ist. Men­schen WERDEN zu Per­so­n­en, sie müssen sich aber erst die entsprechen­den Qual­itäten ein­er Per­sön­lichkeit zulegen.»

Für Fletch­er ist auch der Men­sch selb­st ein­fach ein Prozess. Deshalb kann ihm nicht zu jedem Zeit­punkt der gle­iche Wert, die gle­iche Würde beigemessen wer­den. Der Men­sch hat keinen intrin­sis­chen Wert, son­dern sein Wert hängt von sein­er Entwick­lung ab. Deshalb sah Fletch­er Abtrei­bung auch nicht als Tötung, wie er in einem Fall­beispiel fes­thält[25]:

«Sie wür­den, so hoffe ich, argu­men­tieren, dass es keine Tötung ist, weil da kein men­schlich­es Leben in einem Embryo ist in der frühen Phase der Schwangerschaft…»

Eine Per­son zu sein bedeutete für Fletch­er die ‘Fähigkeit intel­li­gen­ter Hand­lun­gen zu haben’.[26] In späteren Jahren würde er 15 Para­me­ter definieren, welche aus sein­er Sicht einen lebenswerten Men­schen definieren. Darunter zum Beispiel ein bes­timmter Intel­li­gen­zquo­tient, Zeit­ge­fühl, Beziehungs­fähigkeit usw.[27] Das Unge­borene Kind sollte nach Fletch­er als ‘vor-per­son­aler Organ­is­mus[28] betra­chtet wer­den ohne Persönlichkeitswert.

Gle­ich argu­men­tiert Fletch­er bezüglich dem Ende des men­schlichen Lebens. Die Fra­gen von Abtrei­bung und Euthanasie sind aus sein­er Sicht untrennbar miteinan­der ver­bun­den.[29] Ab dem Ende der 60er Jahre set­zt er sich deshalb auch kon­se­quent für aktive Ster­be­hil­fe und Euthanasie ein, auch von geistig behin­derten Men­schen.[30] In ein­er Besprechung über den würde­vollen Tod meint er:

«Es ist lächer­lich, ethis­che Zus­tim­mung zur Posi­tion zu geben, dass vor-per­son­ales Leben im Mut­ter­leib aus Gnade und Barmherzigkeit been­det wer­den kann, aber sich zu weigern, vor-per­son­ales Leben am Ende des Lebens zu been­den. Wenn wir moralisch verpflichtet sind, eine Schwanger­schaft zu been­den, weil eine Punk­tion der Frucht­blase einen schw­er defek­ten Fötus diag­nos­tiziert, dann sind wir gle­icher­massen verpflichtet, der hoff­nungslosen Mis­ere eines Patien­ten ein Ende zu set­zen, wenn ein Hirn Scan aufzeigt, das der Kreb­spa­tient fort­geschrit­tene Metas­tasen hat.»

Im Welt­bild von Fletch­er ist qual­i­ta­tiv ‘min­der­w­er­tiges’ Leben zur Tötung freigegeben. Man wird unweiger­lich an die Zeit­en erin­nert, wo soge­nan­nt ‘leben­sun­wertes Leben[31] im Rah­men eugenis­ch­er Ras­sen­ge­set­ze im Drit­ten Reich aus­gelöscht wurde. Treibend im Denken von Fletch­er ist dabei nicht nur die Vorstel­lung des Men­schen als evo­lu­tionäres und deshalb wertrel­a­tives Wesen, son­dern auch seine Vorstel­lung, dass die Evo­lu­tion als uni­verseller Prozess die Ablö­sung gewiss­er gesellschaftlich­er Werte durch neue mit sich bringt[32]:

«Ein Weg es zu for­mulieren ist zu sagen, dass die tra­di­tionelle Ethik auf der HEILIGKEIT des Lebens basierte – das war die klas­sis­che Lehre des medi­zinis­chen Ide­al­is­mus in sein­er vor­wis­senschaftlichen Phase. Dieses muss aus huma­nen Grün­den abgelöst wer­den durch eine Ethik der QUALITÄT des Lebens. Die Ablö­sung ist ein Resul­tat der Errun­gen­schaften der mod­er­nen Medi­zin, nicht ihrer Nieder­la­gen. Neue Möglichkeit­en bedeuten neue Verantwortungen.»

Dass Fletch­er die alten Gebote der Bibel her­zlich wenig bedeuteten, dürfte nach diesen Erläuterun­gen klar sein. Das Ausleben von Liebe kon­nte nach sein­er Lesart dur­chaus den bib­lis­chen Geboten wieder­sprechen: neue Zeit­en ver­lan­gen nach neuen Geboten. Fletch­er hat­te sich tat­säch­lich von den bib­lis­chen Geset­zen ‘freigeschnit­ten’. Und die religiösen Aktivis­ten der Abtrei­bungs­be­we­gung fol­gten in seinen Fussstapfen – im Namen der Liebe.

Die Büch­er des The­olo­gen Joseph Fletch­er haben den Ver­fechtern legaler Abtrei­bung und Euthanasie wesentliche Argu­mente geliefert.

Ein Kompass ohne Karte

Der Kom­pass der Liebe wird intu­itiv das Richtige machen, hat­te Bischof Robin­son 1963 pos­tuliert. Bei der Anwen­dung dieser Maxime durch Fletch­er und die Ver­fechter legal­isiert­er Abtrei­bung hat sich aber eine Kul­tur des Todes etabliert, nicht eine Kul­tur des Lebens. Der Nordpfeil im Kom­pass zeigte auf ein­mal nach Süden und umgekehrt.

Vor vie­len Jahren habe ich in der Jungschar gel­ernt, dass es für gute Ori­en­tierung im Gelände sowohl einen Kom­pass als auch eine Karte braucht. Wer nur nach dem Kom­pass ren­nt, lan­det trotz­dem im Stras­sen­graben, oder im See, oder zer­schellt am Fusse ein­er Felswand.

In meinem Miltär­di­enst als Panz­er­mi­nen­wer­fer habe ich noch etwas weit­eres gel­ernt: auch Kom­pass­nadeln kön­nen sich irren. Es bringt nichts in einem Ton­nen­schw­eren Stahlkoloss den Kom­pass zu zück­en und Ori­en­tierung zu suchen. Ein präzis­es Ein­messen der Panz­ergeschütze geht nur mit genü­gend Abstand zum Kraft­feld des Panz­ers, anson­sten riskiert man, mit dem ersten Schuss das näch­st­gele­gene Dorf zu tre­f­fen anstatt das Ziel.

Zu meinen alleine ‘Liebe’ könne uns zum Glück und zum Leben leit­en ist eine unre­al­is­tis­che Maxime, welche die Anfäl­ligkeit des Men­schen nicht mitbe­denkt. Liebe muss an Gott aus­gerichtet, nach Ihm gee­icht sein, wenn sie wirk­lich Liebe sein will. Denn Liebe ist nicht ein­fach das, was auf die Schnelle der Verbesserung ein­er Sit­u­a­tion dient. Sie ist auch nicht ein­fach das, was uns grad glück­lich­er oder zufrieden­er macht. Liebe bedeutet das zu tun und zu leben, was richtig und nötig ist, auch wenn es schw­er­fällt. Absolute Liebe zeigt sich der Selb­stau­fopfer­ung Jesu Christi am Kreuz. Gott ist also der­jenige, welch­er uns das Wesen wahrer Liebe vorzeigt. Gemäss dem The­olo­gen Sam All­ber­ry müssen wir uns deshalb fol­gende Frage stellen[33]:

«Was liebt Gott, das ich zu has­sen ver­sucht bin, und was has­st Gott, das ich zu lieben ver­sucht bin?»

Für eine gute Ori­en­tierung brauchen wir aus diesem Grund neben dem Kom­pass der Liebe auch die Land­karte des Wortes Gottes, welche uns seine Wege des Lebens und das Wesen wahrer Liebe aufzeigt. Es geht nicht darum, das Eine gegen das Andere auszus­pie­len. Wenn wir den Liebes­be­griff von der Bibel her füllen, entleeren wir ihn nicht, son­dern füllen ihn neu, mit der Wahrheit Gottes. Gott ist Liebe und in der Liebe bleiben heisst, in Gott bleiben. Dort ist echte Liebe und diese Liebe zer­stört kein unge­borenes Leben. Liebesverir­rung fängt dort an, wo wir in den Geboten nicht mehr die Hand­schrift des guten Vaters im Him­mel erken­nen. Jesus spricht zu seinen Jüngern (John 15:9–10):

«Bleibt in mein­er Liebe! Wenn ihr meine Gebote hal­tet, werdet ihr in mein­er Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehal­ten habe und in sein­er Liebe bleibe.»

Wir brauchen, denke ich, auch so etwas wie einen gesun­den Abstand zu den ide­ol­o­gis­chen Kraft­feldern unser­er Zeit, welche nichts anderes möcht­en, als dass sich unsere Kom­pass­nadel an ihnen aus­richtet. Dafür müssen wir diese Kraft­felder iden­ti­fizieren und mit Gottes Hil­fe bew­erten ler­nen. So kön­nen wir unseren Mit­men­schen dienen, ohne dabei selb­st in die Irre zu gehen:

«Ein rein­er und unbe­fleck­ter Gottes­di­enst vor Gott, dem Vater, ist der: die Waisen und Witwen in ihrer Trüb­sal besuchen und sich selb­st von der Welt unbe­fleckt hal­ten.» (Jak 1:27)

Natür­lich bringt das Leben ethis­che Kon­flik­t­si­t­u­a­tio­nen mit sich, bei denen der richtige Weg nur schw­er zu find­en ist, wo moralis­che Prinzip­i­en einan­der zu wider­sprechen scheinen. Doch, wie der evan­ge­lis­che The­ologe Klaus Bock­mühl 1975 als Antwort auf die ‘Neue Moral’ schreibt: «Geset­zlosigkeit ist nicht die christliche Antwort auf Geset­zlichkeit». Der dama­lige Dozent auf St. Chrischona warnt deut­lich vor einem unkri­tis­chen Zeit­geist-Surf­ing[34]:

«Wer sich heute mit dem Zeit­geist ver­heiratet, wird Mor­gen zur Witwe oder – zur Dirne»

Das Buch ‘Gott im Exil’ set­zt sich kri­tisch mit der ’neuen Moral’ von Bischof Robin­son und Joseph Fletch­er auseinander.

Vor einem hal­ben Jahrhun­dert ist die Ori­en­tierung am Liebeskom­pass nicht gelun­gen. Nicht nur in der poli­tis­chen Umset­zung der Abtrei­bungsagen­da waren Pas­toren und The­olo­gen tief ver­wick­elt, son­dern auch in deren moralis­chen Ratio­nal­isierung: Joseph Fletch­er war The­ologe. Sein Buch «Morals and Med­i­cine» war sein Beitrag über christliche Ethik für eine Bibelschule!

Wer heute die Entwick­lun­gen im Bere­ich der Bioethik kri­tisiert, sollte dies im Bewusst­sein tun, dass die Grund­konzepte weit­ge­hend aus dem Brun­nen lib­eraler The­olo­gie entsprin­gen. In ein­er Zeit, wo äusserst starke säku­lare Kräfte ihre Wirkung ent­fal­teten, richtete sich der ‘Kom­pass der Liebe’ von Joseph Fletch­er, Howard Moody und ihren Zeitgenossen unweiger­lich an den Ide­olo­gien ihrer Zeit aus. Ein entschei­den­der Grund dafür: sie hat­ten sich bewusst dem normieren­den Kraft­feld des Wortes Gottes entzogen.

Joseph Fletch­er zog seine per­sön­lichen Kon­se­quen­zen. Nicht lange nach dem Erscheinen seines Buch­es ‘Sit­u­a­tion Ethics’ wen­det er sich ganz vom Chris­ten­tum ab und wird Athe­ist. Für seine Ethik der ‘Liebe’ braucht er keinen Gott mehr. Doch auch die the­ol­o­gisch eher kon­ser­v­a­tiv­en Evan­ge­likalen kon­nten sich in der Abtrei­bungs­frage nur schw­er­lich den Argu­menten und Ratio­nal­isierun­gen ihrer Zeit entziehen. Davon wird ein näch­ster Artikel handeln.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich das Volk Gottes selb­st für Weise hält und dabei ins Verder­ben läuft. Es ist eine sich wieder­holende Geschichte.

«Das Wort des HERRN haben sie ver­achtet. Und welche Weisheit ist ihnen geblieben?» (Jer 8:9)

 

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Mein Gespräch zum The­ma mit Dr. Allan Carlson:


Die Serie im Überblick:

Abtrei­bung (1/5) – ein heiliges Werk?
Abtrei­bung (2/5) — eine Theologie
Abtrei­bung (3/5)– Predi­ger der Eugenik
Abtrei­bung 4/5 – Evan­ge­likale am Scheideweg
Abtrei­bung 5/5 – Wenn Umkehr Fortschritt bedeutet

Weit­ere Artikel zum Thema:
DNA (3/10): Lei­den­schaftlich für den Schutz des Lebens
Chester­ton und das Wun­der von England.

Fuss­noten:
[1] Tom Davis, «Sacred Work», S6
[2] Tom Davis, «Sacred Work», ix
[3] Der Artikel «Lei­den­schaftlich für den Schutz des Lebens» von Josua Hun­zik­er wiedergibt aus­führlich die Hal­tung, welche auch ich teile: https://danieloption.ch/ethik/dna‑3–10-leidenschaftlich-fuer-den-schutz-des-lebens/
[4] https://www.lifenews.com/2017/01/12/religious-leaders-bless-opening-of-new-planed-parenthood-abortion-clinic-call-it-sacred-work/
[5] John A.T.Robinson, ‘Hon­est to God’, S115
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Gott-ist-tot-Theologie
[7] Die Über­schrift eines der Kapi­tel im Buch ‘Hon­est to God’ von John A.T. Robinson
[8] Sue Ellen Brow­der berichtet aus­führlich davon in ihrem Buch «Sub­vert­ed», in dem sie von ihrer eige­nen Abtrei­bung berichtet.
[9] Social Gospel Expo­nen­ten waren typ­is­cher­weise Post­mil­leni­an­is­ten. Sie sahen es als Auf­gabe des Men­schen, die Wiederkun­ft Christi durch die Schaf­fung ein­er geheiligten Gesellschaft herbeizuführen.
[10] Als Beispiel kann die Befür­wor­tung von Eugenik durch viele Social-Gospel Vertreter aufge­führt wer­den. Vgl. Dazu das Buch Preach­ing Eugen­ics von Chris­tine Rosen.
[11] Vgl. Doris Andrea Dirks, Patri­cia A. Relf, «To Offer Com­pas­sion», S7
[12] Lawrence Lad­er, «Abor­tion II», xi
[13] https://ungeborene.de/abtreibung/risiken/psychische-risiken
[14] https://www.ief.at/abtreibung-schmerzempfindung-ab-der-12-schwangerschaftswoche/
[15] Newsweek Mag­a­zine, 9. Juli 1973, «The abor­tion culture»
[16] So wird das Buch durch den kurz nach Buchveröf­fentlichung ver­stor­be­nen C.S. Lewis in seinem let­zten Inter­view fol­gen­der­massen kom­men­tiert: “I pre­fer being hon­est to being ‘hon­est to God.” Link: https://www.cbn.com/special/Narnia/articles/ans_LewisLastInterviewA.aspx
[17] Gemäss Aus­sage des Ver­lags verkaufte sich das Buch “schneller als jedes andere neue Buch ser­iös­er The­olo­gie sich je verkauft hat”, Vgl. das Buch «Hon­est to God Debate», 1963
[18] Vgl. Doris Andrea Dirks, Patri­cia A. Relf, «To Offer Com­pas­sion», S152
[19] Lawrence Lad­er, «Abor­tion», S97, 100, 148
[20] Joseph Fletch­er, «Sit­u­a­tion Ethics», S135
[21] Joseph Fletch­er, «Sit­u­a­tion Ethics», S124
[22] Fletch­er hat sich inten­siv mit dem Util­i­taris­mus von Ben­tham und Mill und dem Prag­ma­tismus von Peirce, Dewey, and James befasst. Siehe: https://biography.yourdictionary.com/joseph-francis-fletcher
[23] Vgl. John A.T.Robinson, «Hon­est to God», Vor­wort, S130, 131
[24] Fletch­er, «Morals and Med­i­cine», S???
[25] Joseph Fletch­er, «Sit­u­a­tion Ethics», S39
[26] Fletch­er, «Morals and Med­i­cine», S218.
[27] Vgl. The Hast­ings Cen­ter Report , Nov. 1972
[28] Fletch­er, «Morals and Med­i­cine», S150
[29] The Human­ist (July-August 1974), Zitiert aus dem Buch «What hap­pened to the human Race», Schaeffer/Koop, 1979
[30]Robert H. Williams (ed.), «To Live and to Die», S119, Vgl. Fletch­ers Buch «The Ethics of Genet­ic Con­trol: End­ing Repro­duc­tive Roulette», 1972
[31] https://de.wikipedia.org/wiki/Vernichtung_lebensunwerten_Lebens
[32] Robert H. Williams (ed.), «To Live and to Die», S114
[33] https://www.facebook.com/sam.allberry/posts/10165783108365397
[34] Klaus Bock­mühl, «Gott im Exil – zur Kri­tik an der ‚Neuen Moral‘», S211

3 Comments
  1. Peter Bruderer 12 Monaten ago
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    Es gab in den Sozialen Medi­en noch eine inter­es­sante Rück­frage zur Sit­u­a­tion­sethik Bon­ho­ef­fers. Dazu fol­gende Rück­mel­dung von mir:
    “Ja Bon­hoe­fer und seine Sit­u­a­tion­sethik ist mir unter anderem bei Bischof Robin­son begeg­net. Bon­hoe­fers ‘Reli­gion­slos­es Chris­ten­tum’ war für diesen eine Inspi­ra­tionsquelle. Das ‘Bon­hoe­fer-Fass’ wollte ich nun aber wirk­lich nicht auf­machen, und mich dann von 1000en sich wider­sprechen­den Spezial­is­ten in die Pfanne hauen lassen… 🙂
    Meine Kri­tik bet­rifft auch weniger eine Sit­u­a­tionethik per se, son­dern eine Ethik die meint, die Rück­bindung an die Gebote Gottes nicht mehr nötig zu haben. Wohin dies führen kann zeigt das Beispiel von Fletch­er lei­der ein­drück­lich. Natür­lich ist ‘Sit­u­a­tion’ immer ein Teil in jed­er ethis­chen Abwä­gung. Es war aber nicht das Ziel in diesem Artikel, eine aus­ge­wo­gene Ethik zu beschreiben. Vielmehr ver­suche ich auf­grund aufge­fun­den­er Hand­lun­gen her­auszufind­en, woher die Ideen kamen. Also so etwas wie der umgekehrte Prozess: folge dem Fluss rück­wärt und suche die Quelle(n). Im Fall von Abtrei­bung in Ameri­ka führen sie neben den Social Gospel Expo­nen­ten auch zu Fletch­er. Den Typen kan­nte ich vorher nicht. Er ist mir durch das Studi­um der ‘christlichen’ Abtrei­bun­gak­tivis­ten begeg­net. Dann fängst du an ihn zu studieren, und merkst wie ein­flussre­ich seine Ideen unter den The­olo­gen sein­er Zeit waren, auch in Europa. Und ehrlich gesagt — sie sind es auch heute. Die Diskus­sion um Euthanasie/Sterbehilfe scheint erst grad wieder Fahrt aufzunehmen in reformierten Kreisen.”

    Die Posi­tion Bon­hoe­fers zur Abtrei­bungs­frage war sehr klar (Ethik, Werkaus­gabe, Bd. 6, S. 203–204):
    “Mit der Eheschließung ist die Anerken­nung des Recht­es des wer­den­den Lebens ver­bun­den, als eines Recht­es, das nicht in der Ver­fü­gung der Eheleute ste­ht. Ohne die grund­sät­zliche Anerken­nung dieses Recht­es hört eine Ehe auf Ehe zu sein und wird zum Ver­hält­nis. In der Anerken­nung aber ist der freien Schöpfer­ma­cht Gottes, der aus dieser Ehe neues Leben her­vorge­hen lassen kann nach seinem Willen, Raum gegeben. Die Tötung der Frucht im Mut­ter­leib ist Ver­let­zung des dem wer­den­den Leben von Gott ver­liehenen Leben­srecht­es. Die Erörterung der Frage, ob es sich hier schon um einen Men­schen han­dele oder nicht, ver­wirrt nur die ein­fache Tat­sache, daß Gott hier jeden­falls einen Men­schen schaf­fen wollte und daß diesem wer­den­den Men­schen vorsät­zlich das Leben genom­men wor­den ist. Das aber ist nichts anderes als Mord. Daß die Motive, die zu ein­er der­ar­ti­gen Tat führen, sehr ver­schiedene sind, ja daß dort, wo es sich um eine Tat der Verzwei­flung in höch­ster men­schlich­er oder wirtschaftlich­er Ver­lassen­heit und Not han­delt, die Schuld oft mehr auf die Gemein­schaft als auf den Einzel­nen fällt, daß schließlich ger­ade an diesem Punkt Geld sehr viel Leicht­fer­tigkeit zu ver­tuschen ver­mag, während bei den Armen auch die schw­er abgerun­gene Tat leichter ans Licht kommt, dies alles berührt unzweifel­haft das per­sön­liche, seelsorger[liche] Ver­hal­ten gegenüber dem Betrof­fe­nen ganz entschei­dend, es ver­mag aber an dem Tatbe­stand des Mordes nichts) zu ändern. Ger­ade die Mut­ter, der dieser Entschluß zum Verzweifeln schw­er wird, weil er gegen ihre eigen­ste Natur geht, wird die Schwere der Schuld am wenig­sten leug­nen wollen.”

    Quelle: https://theoblog.de/dietrich-bonhoeffer-die-anerkennung-des-rechts-werdenden-lebens/33062/?fbclid=IwAR2Nf2g-VP88ephOwyzCbfyUGlscwgquRcVsfls4vglG-0pJmIdBQl4HkR8

  2. Peter Bruderer 12 Monaten ago
    Reply

    Danke Vik­tor. Ich habe den Artikel noch durch fol­gen­den Vers ergänzt, der glaube ich das Zusam­men­hang von Liebe und Geboten gut beschreibt (Joh 15,9–10): «Bleibt in mein­er Liebe! Wenn ihr meine Gebote hal­tet, werdet ihr in mein­er Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehal­ten habe und in sein­er Liebe bleibe.» Anders aus­ge­drückt: Liebesverir­rung fängt dort an, wo wir in den Geboten nicht mehr den guten Vater im Him­mel sehen.

  3. Viktor Pfister 12 Monaten ago
    Reply

    Ich meine, es ist richtig, dass wir uns an der Liebe ori­en­tieren. Was also ist Liebe? Ich? Die Gesellschaft? Unsere Ent­deck­un­gen und Erken­nt­nisse? Unsere Möglichkeit­en? Was leit­et uns zum Han­deln angesichts der erdrück­enden und zum Him­mel schreiben­den Not unser­er Gesellschaft? Liebe? Wirk­lich Liebe? Gott ist Liebe. Also gibt es nichts anderes für uns, als dass wir uns an Gott ori­en­tieren, wenn wir von Liebe reden. Und Gott ist der, der Leben schafft und dur­chaus auch töten kann. Uns aber sagt Gott: Du sollst nicht töten. Der Weg, der nicht neues Verder­ben, son­dern Leben bringt, ist schmal. Es braucht mutige Stille, Gott genau zuzuhören, und dann allen­falls ein Han­deln zu find­en, das nicht sofort offen­sichtlich auf der Hand liegt und vielle­icht auch nicht ger­ade grosse gesellschaftliche Akzep­tanz find­et — aber men­schen­würdi­ger ist, zum Leben führt. — »Geht durch das enge Tor! Denn das Tor zum Verder­ben ist bre­it und eben­so die Straße, die dor­thin führt. Viele sind auf ihr unter­wegs. 14 Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng und der Weg dor­thin schmal. Nur wenige find­en ihn.« Matthäus 7:13–14

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